Beitragvon Gustav der Bär » 20. März 2002, 06:22
Ich tue mich da ehrlich gesagt, lieber Wolfgang, ein bisschen schwer mit einer Einteilung von Varianten in "sinnvoll" und "überflüssig".
Warum soll eine Variante, bei der man mit Rücksicht auf Kinder in paar Regeln weg lässt, mehr Sinn haben, als eine Variante, bei der aus Rücksicht darauf, dass eben KEINE Kinder da sind, den einzigen beiden spielenden Personen eben jeweils zwei Spielfarben gibt?
Wie kommen Varianten denn zu Stande? Doch wohl immer dadurch, dass man sich mit einem Spiel beschäftigt und während des Spiels auf eigene Ideen kommt.
Das ist also entweder IMMER sinnvoll (wenn wir argumentieren wollen, dass Kreativität einen Sinn hat, da sie das Denken trainiert und Neues in die Welt bringt) oder NIE (wenn wir argumentieren wollen, dass Spielen eine Tätigkeit um ihrer selbst willen ist, die auf kein ausserhalb des Spielens liegendes Ziel ausgerichtet ist).
Ich habe so mein Zweifel, ob man seine Einstellung zu Varianten wirklich an Schach- und Doppelkopf-Beispielen aufhängen kann. Bei Schach wird meist deshalb nach einheitlichen Regeln gespielt, weil es im Schach einheitliche Regeln GIBT. So was wie ein Deutsches Doppelkopf-Gericht oder einen Welt-Doppelkopf-Meister gibt es aber nicht, daher wird Doppelkopf immer gemäß der regionalen Tradition gespielt - das ist aber was ganz anderes als die Frage, ob Varianten sinnvoll sind oder nicht.
Eine Variante ist zunächst mal Privatsache - wenn ich mit Rücksicht auf mein bisweilen leicht auf die Palme zu bringendes Weib zum Beispiel darauf verzichte, bei "Babel" die Fähigkeit der Assyrer zu nutzen, dann habe ich ja auch eine Variante kreiert ("Tod den Assyrern!"), die nur eine minimale Änderung ins Spiel bringt - aus meiner Sicht ist das allerdings keineswegs sinnlos, sondern bisweilen sogar im höchsten Grade empfehlenswert!
Ein völlig anderer Punkt - und vielleicht wolltest du ja eigentlich darauf hinaus, lieber Wolfgang - ist die Frage, wann es sich lohnt, zu einem Spiel eine offizielle Varianten-Sammlung wie das Siedler-Buch zu veröffentlichen. Dort denke ich dann: Wenn etwas Geld kostet, sollte es auch Geld wert sein und Dinge enthalten, die man ohne den Kauf nicht bekommen würde (das Siedler-Buch mit seiner Ideen-Vielfalt und seinem Zusatzmaterial hat in dieser Hinsicht ja einen Maßstab gesetzt).
Was aber Varianten anbetriff, die nur in einigen Spielrunden gespielt werden, so machen sie zunächst mal alle den selben Sinn: Wenn sie aus Angst davor, jemand könnte sie vielleicht als "überflüssig" einstufen, niemals gespielt würden, könnten sie ja auch nie weitere Verbreitung finden, wenn sie so viel neues enthalten wie z.B. die Ergänzungs-Sets zum Siedler-Kartenspiel (die ja zum großen Teil alle mal nichts anderes waren als Zettelchen, auf die veschiedene Leute geschrieben hatten, was ihnen beim Spielen so durch den Kopf gegangen war - und alle in jeder Hinsicht ohne jeden Sinn!)
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)