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Anstrengende Mitspieler

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Christian Hildenbrand

Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Christian Hildenbrand » 23. März 2002, 10:37

Ciao Ihr alle !

Wahrscheinlich kennt Ihr die Situation:

Spieleabend mit 4 oder 5 Leuten. Ein relativ großes, für die meisten aber neues Spiel steht auf dem Programm. 2 Spieler sind prinzipiell recht fit mit dem Aufnehmen von Spielregeln, spielen auch relativ zügig, damit keine Pausen entstehen. 2 Spieler sind auch nicht gerade begriffsstutzig, brauchen zwar ein bißchen länger, kommen dann aber mit der Zeit auch ins Spiel. Nur der letzte Spieler sorgt jedes Mal von neuem für unendliche Wartezeiten, weil er/sie sich nicht entscheiden kann, zigfach das gleiche nachfragt, und das Spiel einfach an dieser Stelle immer wieder ins Stocken kommt.

Klar, neue Spiele in eine Runde zu bekommen, in der auch der ein oder andere "Gelegenheitsspieler" mit dabei ist, ist immer schwer. Aber wie geht Ihr mit solchen Situationen wie der beschriebenen um. Soll man Spieler Nr. 5 beim nächsten Spieleabend umgehen, oder soll man unendliche Toleranz zeigen, wenn es sich auch beim nächsten Mal bei einer ähnlichen Situation abzeichnet, daß sich das ganze wieder in eine ähnliche Richtung entwickelt.

Wie kommt Ihr mit solchen Mitspielern klar, wenn Ihr eigentlich motiviert wart, den Abend so richtig zum Eintauchen in die Spielewelt zu nutzen, dieses aber unglaublich erschwert wird ?

Angestrengte Grüße !

Ciao, Christian (... kapiert auch nicht immer alle Spielregeln auf Anhieb und stellt dann dumme Fragen ...)

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Jost Schwider

RE: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Jost Schwider » 23. März 2002, 11:13

"Christian Hildenbrand" hat am 23.03.2002 geschrieben:

> Wie kommt Ihr mit solchen Mitspielern klar, wenn Ihr
> eigentlich motiviert wart, den Abend so richtig zum
> Eintauchen in die Spielewelt zu nutzen, dieses aber
> unglaublich erschwert wird ?

Ich sage nur ein (zusammengesetztes) Wort: [i]Eieruhr[/i]!

OK, das hört sich jetzt ziemlich brutal an, aber manche brauchen nur ein wenig "Motivation", um über ihren eigenen Schatten zu springen.

Bei mir selbst ist es manchmal auch so: Wenn man mir Zeit läßt, dann grüble ich auch mal seeehr lange. Wird die Zeit beschränkt, dann gehe ich mehr aus dem Bauch raus vor. Meistens schneide ich dann nicht wirklich schlechter ab... ;-)

> Ciao, Christian (... kapiert auch nicht immer alle
> Spielregeln auf Anhieb und stellt dann dumme Fragen ...)

OK, [i]das[/i] ist doch normal. :-))
Aber manche [i]wollen[/i] ger nicht ernsthaft verstehen... :roll:

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")

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Dieter Niehoff

Re: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Dieter Niehoff » 23. März 2002, 11:16

Auch ich kenne solche Situationen durchaus.

Zwar habe ich das Glück, in einer ganz, ganz feinen Spieler-Runde Stammgast zu sein (ein großes Dankeschön an Uwe, Lisa, Rainer, Oliver, Markus und Jörg), aber
ich habe regelmäßig, auch beruflich, mit unaufmerksamen, begriffstutzigen (frei nach Loriot: "Ich spiel zwar nicht oft, aber gerne") Spielern zu tun, deren erste aktiver Beitrag häufig aus einem der folgenden Sätze besteht:
"Was möchtet Ihr denn trinken" (am liebsten mitten hinausposaunt während man als Erklärer auf des Pudels Kern zusteuert)
oder:
"Können wir nicht erst mal anfangen" (nach ungefähr 2 Sätzen des erklärens)


Dennoch. Mein Rat nach 10 Jahren regelmäßigen Spiele erklärens:

Erst mal an die eigene Nase fassen.

Kann es daran liegen, das man selbst die Regeln nicht gut rüberbringt?

Und damit die alte Spielefrage: WIE erklär ichs meinen aufpassenden bis schlafmützigen Mitstreitern?

Womit wir uns mitten in den Anforderungen der Spieldidaktik eines Spielabends befinden.
- Wie kann ich eine miese Regel selbst kapieren?
- Wie kann ich eine miese Regel links liegen lassen und
eigenständig - ohne vorlesen - das Spiel den anderen klarmachen?

Kommen wir nun also zur - oberlehrerhaften, aber m. E. erfolgversprechenden - didaktischen Vorbereitung eines Spielabends:

Ein Kardinalfehler in einer wie von Dir beschriebenen Runde wäre es, selbst nix vom (neuen) Spiel zu wissen:
Also
- neue Spiele stets zuvor selber auspacken, Regeln lesen, alleine anspielen

Am Spielabend dann:
- den schlafmützigsten am Tisch das Spiel geben, den Aufbau erklären - aber selber nicht groß die Initiative dabei ergreifen
- stets direkt ansprechen, fragen ("Alles klar bis hierher? "Hab ich mich deutlich ausgedrückt"? usw.)
- die Regel nur dann zur Hand nehmen, wenn man selbst nicht mehr weiter weiß, bzw. besser:
- nur dann, wenn andere am Tisch Fragen stellen

Ich selber kann am besten dem Erklärer zuhören und folgen, der - auch komplexe Spiele - aus dem Stehgeif anfängt zu erklären, und nur ab und an die Regel zu Rate zieht (Hallo Rainer, ja genau Du bist gemeint!).

Ganz fein können das auchn meine "Stammmitspieler" (mit drei "m"?) in Bilstein
Andreas, Ulli und Toni.

Es gäbe noch vielerlei mehr, was mir dazu einfällt, aber mich würde eher interessieren,
wie machen andere das denn?

Gruß
Dieter

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Bettina

Re: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Bettina » 23. März 2002, 12:00

Hallo Christian,

mir ist nicht ganz klar (auch wegen der Antworten der Anderen) ob Du einfach langsame Spieler meinst, die von Anfang an das Beste aus dem Spiel herausholen wollen (die Grübler also) - oder "Spieler", die von Anfang an, quasi mit blossem Blick auf eine Spieleschachtel das Nörgeln beginnen.

Ersteres: ist halt so ;-) Wir lachen darüber und animieren auch immer wieder zum schnelleren Spiel. Aber richtig störend empfinde ich das nicht. Denn das Spiel wurde verstanden, der Spieler lässt sich auf ein neues Spiel ein und hat auch Spass daran - nur langsamer ;-)

Viel anstrengender finde ich Menschen, bei denen ich mich ernsthaft frage, ob sie wirklich Spass am Spielen haben.
Da trifft man sich einmal in der Woche und es geht schon so los:
"Hallo, also heute bin ich total kaputt (müde, erledigt, wasauchimmer). Lasst uns nix neues und schon gar nichts kompliziertes spielen."
Während der Erklärung (so kurz wie möglich und ich bilde mir ein, dass ich inzwischen wirklich geübt bin im Erklären) nur Nörgelei. Während der ersten Spielzüge schon Gemecker und im Laufe des Spiels wird´s auch nicht besser.
Man merkt der Person auch deutlich an, wenn ihr ein Spiel nicht gefällt.
Klar mag ich auch nicht alle Spiele gleich gerne, aber ich lasse mich auch darauf ein und hänge nicht ein Gesicht bis zum Boden.

Was tun? Ja, wenn ich das wüsste :-?
Das "witzige" ist ja, dass diese Leute der Meinung sind eine Menge Spass am Hobby Spiel zu haben und nicht merken, dass sie das auf eine etwas merkwürdige Form zeigen ;-) und eine deutliche Bremse für die anderen darstellen.

Ich versuche es im Moment mit Ignoranz, [i]versuche[/i] mir nicht den Abend verderben zu lassen, und hoffe mit dem ein oder anderen Spruch die Person auf die Problematik aufmerksam zu machen.
Diejenige "auszuladen" bringe ich nicht über´s Herz. Aber wenn´s so weitergeht, kann das auch noch geschehen :´-(

Hach, hat [b]das[/b] jetzt gut getan. Sorry ;-)

Gruss
Bettina

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Gabi Goldschmidt

Re: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Gabi Goldschmidt » 23. März 2002, 13:19

Hallo Bettina und Christian,

die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass ich nur schlecht mit Mitspielern umgehen kann, die ständig beim Spielen grübeln und somit das Spiel in die Länge ziehen. Schlimmer sind allerdings die Mitspieler, die eigentlich gar keine Lust zum Spielen haben und dies auch durch Unmutsbekundungen zum Ausdruck bringen. Beide Sorten von Mitspielern können einer ganzen Spielrunde dermaßen den Spaß am Spielen verderben, daß ich zu der Devise " lieber gar nicht zu spielen, als nur frustriert am Spieltisch zu sitzen" übergegangen bin.

Diese Einstellung lässt natürlich Rückschlüsse auf meine Frustrationstoleranzgrenze zu, aber meine kostbare freie Zeit verbringe ich dann lieber mit dem Lesen eines guten Buchs, als frustriert am Spieltisch zu sitzen!

(Außerdem habe ich das Glück, mit einer Reihe von Menschen spielen zu können, die über diese Charakteristika nun gerade nicht verfügen und Spaß am zügigen Spielen haben!)

Ciao Gabi

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Dieter Niehoff

RE: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Dieter Niehoff » 23. März 2002, 13:55

Die Sache mit der Eieruhr ............

Wer das Spiel DTM-(Hockenheimring) kennt, der hat vielleicht wie wir erfahren, dass dieses Rennspiel NUR MIT "Eieruhr" Sinn (und wirklichen Spaß) macht!

(Wir haben übrigens eine ganz feine "Eieruhr" aus einem Haushaltswarengeschäft: Kann man sekundengenau einstellen, läuft rückwärts, piept bei null und kann mit einem Klick wieder für den nächsten Spieler eingestellt werden. Und das alles für damals knapp zehn Mark)

Meine Frage nun:
Gibt es irgendwelche "Grübelspiele", die auch MIT "Eieruhr" Sinn und gleichzeitig Spass machen? In Sachen Schach ("Blitzschach") wurde aus diesem Prinzip ja sogar ganz was Eingenständiges ........

Die Kramer/Kieslang Spiele mit Eieruhr?

Übrigens wird man m.E. keinen einzigen notorischen Langsamspieler durch eine Eieruhr verschnellern können ........... Man kann diesen Zeitgenossen damit höchstens den berühmten Wink mit dem Zaunpfahl verpassen. Und wenn er es begreift, dann bleibt er das nächste Mal vielleicht zuhause - oder er stellt sich und seine Spielweise sogar um. Beides wäre ein Erfolg.

Zeit ist abgelaufen
Dieter Niehoff

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Thomas Jereczek

Re: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Thomas Jereczek » 23. März 2002, 15:00

Bettina schrieb:

> Viel anstrengender finde ich Menschen, bei denen ich mich ernsthaft frage, ob
> sie wirklich Spass am Spielen haben.
> Da trifft man sich einmal in der Woche und es geht schon so los:
> "Hallo, also heute bin ich total kaputt (müde, erledigt, wasauchimmer). Lasst
> uns nix neues und schon gar nichts kompliziertes spielen."
> Während der Erklärung (so kurz wie möglich und ich bilde mir ein, dass ich
> inzwischen wirklich geübt bin im Erklären) nur Nörgelei. Während der ersten
> Spielzüge schon Gemecker und im Laufe des Spiels wird´s auch nicht besser.

Diese Situation ist auch mir zu 100% bekannt. Glücklicherweise habe ich mittlerweile mehrere Möglichkeiten mich zu Spielerunden zu treffen. :-)

Das Schlimme bei diesen Leuten ist, daß sie auch noch herumnörgeln und sich beschweren, wenn man dann das Spiel besser beherrscht und gewinnt (Ach, ihr kennt ja die Regeln; ihr habt einen Wissensvorsprung usw). Ja logisch kommen wir besser ins Spiel, wir haben uns vorher bemüht die Regeln zu lesen und zu verstehen, damit wir sie auch erklären können. Die Herrschaften setzen sich hin, lassen sich alles erklären,und wollen am besten noch Tips und Taktik wissen. Da frage ich mich auch oft, warum sie zum Spieleabend kommen. :-| Sollen sie doch zu Hause vorm Fernseher sitzen bleiben. Spielinteresse kann das nicht sein.
Auf die Dauer ignoriere ich die Leute, und versuche noch das beste aus dem Abend zu machen. Ich probiere dann meistens neue Taktiken aus oder spiele irgendwelchen Blödsinn. Das führt dazu, das diese "Möchte-gern-Spieler" letztendlich noch gewinnen. Ach, und was haben sie dann für'n Spaß, den "Profi" besiegt zu haben. :roll: Na, wenn's denen dann Spaß macht. Irgendwann disqualifizieren sie sich selbst, dann sitzen sie alleine da, weil keiner mehr mit ihnen spielen will.

Gruß
Thomas ( der aus'm Ruhrpott im Exil am "Neiderrhein" (ist kein Schreibfehler!))

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Christian Hildenbrand

Re: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Christian Hildenbrand » 23. März 2002, 15:09

Ich hatte eigentlich schon das Gefühl, daß die Lust zum spielen da war, aber ich finde es einfach grausam, wenn jemand, der eh schon relativ lange nachdenkt, bevor er/sie etwas macht wenn er/sie dran ist, erst noch eine Ewigkeit mit dem Platznachbarn darüber diskutiert, ob die Schachtel mit den Schokoosterhasen nun oben oder unten zu öfnen ist. Das hat mich fast rasend gemacht, ich habe mich aber sehr gut zusammengerissen...

Es ist halt auch eine Gratwanderung. Mache ich den Mitspieler so lange drauf aufmerksam, bis ihm die Lust vergeht, oder will ich ihn nicht vergraulen und toleriere seinen leichten Hang zum Abgelenktsein.

Grübelnde Grüße !

Ciao, Christian (... freut sich auf sein gewonnenes Spiel bei Hall9000 !!!)

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Jost Schwider

RE: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Jost Schwider » 23. März 2002, 16:24

"Dieter Niehoff" hat am 23.03.2002 geschrieben:

> (Wir haben übrigens eine ganz feine "Eieruhr" aus einem
> Haushaltswarengeschäft: Kann man sekundengenau einstellen,
> läuft rückwärts, piept bei null und kann mit einem Klick
> wieder für den nächsten Spieler eingestellt werden.

Genau sowas meine ich mit Eieruhr! Der Rest ist was für die... Nee, Küchen-geeignet ist sowas dann auch nicht! ;-)

> Und das alles für damals knapp zehn Mark)

Heutzutage bekommt man sowas sogar für nur 5 Euro! :-D

> Die Kramer/Kieslang Spiele mit Eieruhr?

M.E. paßt das bei allen Punkte-Optimierungs-Spielen sehr gut: Wer nicht schnell genug ist, dem Verfallen die Aktionspunkte... hähähä :-D :LOL:

> Übrigens wird man m.E. keinen einzigen notorischen
> Langsamspieler durch eine Eieruhr verschnellern können

Widerspruch: Bei 15% wird es funzen!

> Man kann diesen Zeitgenossen damit höchstens
> den berühmten Wink mit dem Zaunpfahl verpassen.

...was auch beabsichtigt ist.

> Zeit ist abgelaufen

:LOL:

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")

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Jost Schwider

RE: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Jost Schwider » 23. März 2002, 16:24

"Bettina" hat am 23.03.2002 geschrieben:

> mir ist nicht ganz klar (auch wegen der Antworten der
> Anderen) ob Du einfach langsame Spieler meinst, die von
> Anfang an das Beste aus dem Spiel herausholen wollen (die
> Grübler also) - oder "Spieler", die von Anfang an, quasi
> mit blossem Blick auf eine Spieleschachtel das Nörgeln
> beginnen.

Ich glaube, er meinte die [i]dritte[/i] Variante:
Die langsamen Spiel-Versteher.

> Ersteres: ist halt so ;-) Wir lachen darüber und animieren
> auch immer wieder zum schnelleren Spiel. Aber richtig
> störend empfinde ich das nicht. Denn das Spiel wurde
> verstanden, der Spieler lässt sich auf ein neues Spiel ein
> und hat auch Spass daran - nur langsamer ;-)

Eieruhr! [i]Eieruhr![/i] [b]Eieruhr![/b] :-D

> Da trifft man sich einmal in der Woche und es geht schon so
> los: "Hallo, also heute bin ich total kaputt (müde, erledigt,
> wasauchimmer). Lasst uns nix neues und schon gar nichts
> kompliziertes spielen."

:roll:
"OK, wo ist der Strick? Laßt ihn uns hoch (ab)leben!" ;-)

> Man merkt der Person auch deutlich an, wenn ihr ein Spiel
> nicht gefällt.

OK, [i]das[/i] ist aber etwas völlig anderes!

> Hach, hat [b]das[/b] jetzt gut getan.

Gottseidank, das Forum als Psychologen-Ersatz!

> Sorry ;-)

Nee, sprich dich ruhig weiter aus! Ernsthaft! :-)

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")

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Udo Bartsch
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RE: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Udo Bartsch » 24. März 2002, 01:47

Dieter schrieb: Übrigens wird man m.E. keinen einzigen notorischen Langsamspieler durch eine Eieruhr verschnellern können.

Da kann ich eine leidige Erfahrung beisteuern: In einer meiner Runden sind ziemlich viele Grübler am Werk. Und da sie auch noch notorisch zu spät kommen, saßen wir einmal zu zweit da und spielten zur Überbrückung eine Partie Blitzschach. Weil ich davon ausging, der geübtere Schachspieler zu sein, billigte ich meinem Gegner 15 Minuten zu, mir selbst 5. Und ich gewann nach vielleicht 20 Zügen durch Zeitüberschreitung des Gegners. Er hat es einfach nicht vermocht, schneller zu ziehen. Warum, war und ist mir unbegreiflich. Vielleicht eine Art Perfektionsdrang.
Ich hab noch kein "Mittel" gegen diese Grübler gefunden. Ein ganz guter Weg ist, beliebte Spiele sehr häufig zu spielen, damit ein bisschen Routine entsteht und nicht immer wieder alles neu und von vorn überlegt werden muss.

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Udo Bartsch
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Beiträge: 115

RE: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Udo Bartsch » 24. März 2002, 01:47

Kennt ihr diese Spezies: die Moderierer und Kommentierer?
Das sind Spieler, die die ganze Zeit labern. Sie kommentieren laut ihre eigenen Spielzüge und erklären dir ungebeten, warum sie jetzt dieses tun und jenes nicht; und vor allem quatschen sie dir in deinen Zug rein. Nein, natürlich wollen sie dich nicht bevormunden und jeder soll so spielen, wie er will, aber üblicherweise macht man doch in dieser Situation ... und du solltest doch auch mal bedenken, dass ... und wenn du das Spiel schon öfter gespielt hättest ... hast du denn wirklich keine andere Karte ... bla, bla, bla - Die Moderierer spielen für alle anderen mit. Sie setzen auch gerne deren Figuren. Mitspieler sind für sie bloß Platz- und Kartenhalter.

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Christian Hildenbrand

RE: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Christian Hildenbrand » 24. März 2002, 11:20

Udo Bartsch schrieb:
>
> Ein ganz guter Weg ist, beliebte Spiele sehr häufig zu spielen,
> damit ein bisschen Routine entsteht und nicht immer wieder
> alles neu und von vorn überlegt werden muss.

Aber dann stellt sich die Frage, wie und wann ich neue Spiele in eine Runde bringen soll ? :-? :-? :-?

Müde Grüße !

Ciao, Christian (... voll Kaffee zu Arbeiten begonnen ...)

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Michael Andersch

RE: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Michael Andersch » 24. März 2002, 11:25

Udo Bartsch schrieb:
>
> Kennt ihr diese Spezies: die Moderierer und Kommentierer?

Neee, um diese Spezies bin ich bislang glücklicherweise immer herumgekommen. Lediglich einer meiner Mitspieler steht gelegentlich (wenn er ein Spiel schon kennt und an seinem Tisch gerade eine Partie zu Ende ist) öfter mal rum, kiebitzt und gibt dazu schlaue Tips (die teilweise wirklich schlau sind - aber auch das ist nervig wenn Du selbst beispielsweise danach am Zug bist und darauf hoffst, dass der Vorgänger genau dieses übersieht).

Ungebetene Grüße,
Micha

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Michael Andersch

Re: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Michael Andersch » 24. März 2002, 11:45

Also, bei anstrengenden Mitspielern unterscheide ich eigentlich 3 Fälle:

- Der/die Anwesende, aber irgendwie unmotivierte (will nach 2 Sätzen gleich losspielen, alles ist zu kompliziert, würde man nur ein Pläuschchen halten wäre es eigentlich auch recht): Spielerunden mit solchen Leuten meide ich bzw. lade diese auch nicht zu mir ein.

- Der/die notorische Regelnullblicker(in) (ist eigentlich willig, versteht aber trotz anderslautender Bekundung die Regeln nie (oder vergisst sie während des Spiels, manchmal auch erst gegen Ende, nachdem er es schon mehrere Male ohne Hilfe richtig gemacht hat), was sich durch ständiges Nachfragen - "wie war das nochmal?" oder durch offensichtlichste Taktikfehler bemerkbar macht: Diesen Typus finde ich prinzipiell sympathisch und auf die Dauer nervig, gelegentlich aber erträglich. Ich versuche dann eben einfachere oder schon bekannte Spiele zu spielen.

- Der notorische Grübler (meist männlich, weibliche Exemplare sind mir zumindest unbekannt): Versucht ständig, auch aus unbedeutendsten Spielsituationen noch das absolute Optimum herauszukitzeln/-finden: Geht mir speziell gelegentlich auf den Wecker, ist aber von den 3 genannten Fällen m.E. der harmloseste, da er zumeist motiviert ist und keine Regelprobleme hat. Da er auch meist ein schwer zu besiegender Gegenspieler ist sehe ich ihn oft als Herausforderung und über manchmal längere Wartezeiten meinerseits hinweg (was nicht heisst, das entsprechende Kommentare unterbleiben!!!).

Generell kann ich jedoch auf einen recht großen Fundus potentieller Mitspieler zurückgreifen, so dass die Vermeidung der genannten 3 Typen meist möglich ist!

Angestrengte Grüße,
Micha

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Dieter Niehoff

RE: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Dieter Niehoff » 24. März 2002, 11:52

Kennt Ihr den Spruch des Superschlauen:
"Ja ganu diesen Fehler habe ich bei meiner ersten Partie auch gemacht!"

Oder den des stets-zufällig-deine-Taktik-Kaputtmachers:
"Ich weiß nicht wofür es gut ist, aber ich mache jetzt mal so ........."

Oder den des am-liebsten-verliere-ich-immer-weil-es-doch-Wichtigeres-im-Leben-gibt-Typ:
"Ist doch egal, ist doch nur ein Spiel"

Oder den des hämischen Gewinners:
"Wer Glück hat im Spiel hat auch Geld für die Liebe."

Oder den des ich-kommentiere-alle-meine-Züge-Typs:
"Ich habe das deswegen gemacht, weil Du mir dann nicht mehr, und ich dann auf jeden Fall später einmal, ............."

Und den alles-ist-gegen-mich-Typ:
"Siehste. Euch passiert das ja nie. Wenn das einem am Tisch passiert, dann natürlich immer mir."

Und und und
Und warum eigentlich mit solchen Typen seine Zeit vertun?

Ich jedenfalls bin froh, das es in meinem privaten Spielkreis nur herrlich ehrgeizige und gute Spieler gibt: Alle mit dem spielerisch gesunden Hang zur Häme und Retourkutsche.

Gerne erinner ich mich an so manch eine Targui-Partie bei der Toni dabei war. Seine Spielphilosophie: "Egal wer gewinnt, nur nicht der, der mich versucht reinzulegen!"

Solche Leute bringen es

Grüsse
Dieter Niehoff

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Jost Schwider

Vorsager (was: Anstrengende Mitspieler)

Beitragvon Jost Schwider » 24. März 2002, 13:26

"Michael Andersch" hat am 24.03.2002 geschrieben:

> kiebitzt und gibt dazu schlaue Tips (die teilweise wirklich
> schlau sind - aber auch das ist nervig wenn Du selbst
> beispielsweise danach am Zug bist und darauf hoffst, dass
> der Vorgänger genau dieses übersieht).

:roll: Arrrggghh! :-/
Da kommt mir auch alles hoch!

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")

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Christian Hildenbrand

Re: Vorsager (was: Anstrengende Mitspieler)

Beitragvon Christian Hildenbrand » 24. März 2002, 13:36

Ich bin ja auch nicht immer gerade der Schweigsamste :roll: und denke auch mal etwas intensiver nach, was ich denn so machen könnte :roll: :roll: ... aber so tief bin ich noch nie gesunken !!! Mit solchen Leuten würde ich erst gar nicht mehr am Tisch sitzen wollen !!! :angry:

Langsam wacher werdende Grüße !

Ciao, Christian (... noch 7einhalb Stunden bis zum Feierabend ...)

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Bernd Eisen

Re: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Bernd Eisen » 24. März 2002, 20:38

Hallo Christian!

Interessantes Thema.
Ja, ich war mal in einer Spielrunde, da waren fast alle sehr behäbig mit dem Begreifen und Aufnehmen von Spielregeln. Ich habe mehrfach versucht neue Sachen auf den Tisch zu bringen, aber es dann irgendwann aufgegeben und die Gruppe geschmissen.
Zum Glück ist es in meinen jetzigen Runden überwiegend gut und man kann sich toll den neuen Spielen widmen, oder auch anspruchsvolle Spiele genießen.
Es ist immer schwer, wenn man ein neues Spiel ganz frisch direkt am Spieleabend erlernt. Da brauchst Du dann den halben Abend zum Durchackern der Regel und hast meist noch die Hälfte falsch gespielt.
In letzter Zeit machen wir es häufig so, daß sich ein Spieler das neue Spiel X oder Y mit nach Hause nimmt und die Regeln bis zum nächsten mal studiert. Das hat sich ganz gut bewährt.
Klar, das Thema "Grübler" ist ein anderes. Ich versuche auch den möglichst besten Zug für mich zu machen, aber ich sehe das alles in Relation zum zu erwartenden Erfolg. Bin eigentlich auch selbst oft zu ungeduldig, um die beste Lösung zu suchen und mache einen Zug aus dem Bauch heraus.

Was ich absolut hasse, sind die vielen Knabbereien und Getränke auf dem Tisch, daß es kaum noch möglich ist ein Spiel vernünftig zu spielen.
Weiß aber auch keine gute Lösung dafür, außer einen ausreichend großen Tisch... dann brauchst Du aber ein Fernglas, um den Spielplan zu überbrücken.

Tschau Bernd

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Dieter Niehoff

Re: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Dieter Niehoff » 25. März 2002, 09:15

Halle Bernd

> In letzter Zeit machen wir es häufig so, daß sich ein Spieler
> das neue Spiel X oder Y mit nach Hause nimmt und die Regeln
> bis zum nächsten mal studiert.

Gut so!

> Was ich absolut hasse, sind die vielen Knabbereien und
> Getränke auf dem Tisch,

"Spielen macht dick", so brachte es einer meiner Mitspieler auf den Punkt.

> Weiß aber auch keine gute Lösung dafür, außer einen
> ausreichend großen Tisch...

Ohne den ganzen Schüsselkram mit Süssem und Salzigem gäbe es endlich wieder Freiraum für die Elenbogen aller am Tisch Sitzenden.

In Bilstein passierte vor drei Jahren folgendes Missgeschick. Ein Prototyp wurde dort Interessierten vorgestellt und ausgiebig in allen möglichen Runden auf Herz und Nieren geprüft. Plötzlich ein Aufschrei und hektishe Suche nach Papiertaschnetüchern.Ein großes Glas (Cola?) fiel um und ergoß sich quer über ungeschützten (Papier-)Plan und Karten. Ein böses Omen? Zwar wurde das Spiel ein Jahr später (bei Abacus) veröffentlicht, aber der Verkaufserfolg hält sich bislang in überschaubaren Grenzen (Andromeda).

Shake it
Dieter Niehoff

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Jost Schwider

RE: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Jost Schwider » 25. März 2002, 10:17

"Bernd Eisen" hat am 24.03.2002 geschrieben:

> In letzter Zeit machen wir es häufig so, daß sich ein
> Spieler das neue Spiel X oder Y mit nach Hause nimmt und
> die Regeln bis zum nächsten mal studiert. Das hat sich ganz
> gut bewährt.

:-O Wie, geht das auch (sinnvoll) anders? :-?
M.E. [i]kann[/i] das nur so vernünftig funzen!
Aber das Thema wurde ja schon in 'zig anderen Threads diskutiert...

> Was ich absolut hasse, sind die vielen Knabbereien und
> Getränke auf dem Tisch, daß es kaum noch möglich ist ein
> Spiel vernünftig zu spielen.

100% ACK.
Obwohl: Schokoladiges kann mich doch sehr verführen... :-))

> Weiß aber auch keine gute Lösung dafür, außer einen
> ausreichend großen Tisch... dann brauchst Du aber ein
> Fernglas, um den Spielplan zu überbrücken.

Benutze Beistelltische!
Die sind niedriger als die Spielfläche, so dass die Gefahr des Umwerfens viel geringer ist. Man kann sie zwischen den Stühlen stellen, so dass sie keinen Platz wegnehmen. Und sie kosten nicht sooo viel; Gibt es z.B. als ineinanderstellbares Dreierset... Ich habe etwa für mein 3er Set (in wunderbarer Kieferausführung) etwa 75 DM bezahlt.

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")

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Sylvia Berger

Re: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Sylvia Berger » 25. März 2002, 12:34

Gabi Goldschmidt schrieb:
> Schlimmer sind allerdings die Mitspieler, die eigentlich gar
> keine Lust zum Spielen haben und dies auch durch
> Unmutsbekundungen zum Ausdruck bringen.

Ganz schlimm sind auch die sogenannten "Spiele-Profis", die keinerlei Toleranz gegenüber Wenigspielern und deren bevorzugten Spielen haben und bei einem einfachen Spiel dann die ganze Zeit unaufhörlich rumnörgeln "spielen wir jetzt was richtiges?" (- wohlgemerkt den Wenigspielern gefiel das Spiel und alle anderen konnten zumindest damit leben)

Sylvia

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Benjamin Spicher

Re: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Benjamin Spicher » 25. März 2002, 16:05

Ein großes Glas (Cola?) fiel um und
> ergoß sich quer über ungeschützten (Papier-)Plan und Karten.
> Ein böses Omen? Zwar wurde das Spiel ein Jahr später (bei
> Abacus) veröffentlicht, aber der Verkaufserfolg hält sich
> bislang in überschaubaren Grenzen (Andromeda).


Wer kauft schon ein Spiel mit Colaflecken.

.. sorry ...

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Dieter Niehoff

Re: Anstrengende Mitspieler

Beitragvon Dieter Niehoff » 25. März 2002, 17:22

Spiele-Profis

Ich erinnere mich da an zwei hoffentlich untypische Vertreter dieser Gattung, die bei einem "Torres" Turnier ziemlich stolz darauf waren, mit ihrer zuvor ausgebrüteten Taktik die zwei anderen am Tisch (ein Kind dabei!) ausgebremst zu haben. Der Veranstalter hatte den ersten an jedem Tisch und einen punktebesten zweiten ins Endspiel weiterkommen lassen (ziemlich dämlich).
Völlig stolz bauten diese beiden "Profis" dann an einer Superburg Etage um Etage übereinander und waren sich wahrlich einig.

Das KInd und der vierte im Bunde hatten nie auch nur den Hauch einer Chance. Und die beien "Profis" fanden das supertoll. Statt "Fairplay"den anderen zeigen wie man mit harten Bandagen an die Fleischtöpfe kommen kann.

Und wie gesagt, die beiden Profis fanden sich unheimlich schlau!

Dieter Niehoff

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Jost Schwider

Turnierspiele (was: Anstrengende Mitspieler)

Beitragvon Jost Schwider » 25. März 2002, 19:36

"Dieter Niehoff" hat am 25.03.2002 geschrieben:

> Ich erinnere mich da an zwei hoffentlich untypische
> Vertreter dieser Gattung, die bei einem "Torres" Turnier
> ziemlich stolz darauf waren, mit ihrer zuvor ausgebrüteten
> Taktik die zwei anderen am Tisch (ein Kind dabei!)
> ausgebremst zu haben.

:-O Ja und? :-?
Das mag zwar vielleicht moralisch bedenklich und von der Turnierleitung unglücklich geplant gewesen sein, aber ein Turnier ist ein Turnier!
Da gibt es nunmal keinen Schönheitspreis. Solange sich jeder an die Regeln hält, finde ich nichts verwerfliches daran, seine Spielkunst voll auszuspielen.

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")


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