Beitragvon Gustav der Bär » 26. März 2002, 06:15
Ich kann dir nur viel Glück wünschen, lieber STephan, wenn auch wenig Hoffnung machen, denn ich fürchte, dein Projekt wird an einer Kleinigkeit scheitern: Dem "!" hinter dem Wort "eindeutig".
Ich verstehe dein Projekt dahingehend, dass du dir eine Kategorisierung in Genres vorstellst, die entweder nach Thema oder nach Spielmechanik oder nach Zielgruppe orientiert jedes Spiel genau einmal enthalten können - und das eben diese "Eindeutigkeit" das Primärziel des ganzen Projektes ist.
Solche Kategorien funktionieren sicher in den Naturwissenschaften: Lebewesen sind eindeutig Insekten, Fische oder Säugetiere (u.s.w.), niemals aber können sie da funktionieren, wo es um die Ergebnisse menschlicher Kreativität geht: Weder Bücher noch Filme noch Gemälde noch Spiele lassen sich so sortieren, dass sie eindeutig irgendwo hineinpassen - es sei denn, man greift auf Kriterien zurück, die zwar eindeutig definierbar und überprüfbar, aber völlig Praxis-untauglich sind ("Gemälde, für die zwischen 800 und 950 Gramm Farbe verwendet wurden"). Das MUSS so sein, da sich Kreativität nicht nach einengenden Schemata richten kann.
Wer sich für Filmgeschichte interessiert, erinnert sich vielleicht an das ambitionierte Projekt von Georg Roloff und Bernd Seeßlen, die in den 80er Jahren alle jemals gedrehten Filme nach Genres sortiert katalogisieren wollten - und dabei völlig scheiterten, weil sie sehr schnell zu Hilfskonstruktionen wie dem Genre "Drama" greifen mussten, dessen einziges Kriterium war "Filme , die sonst nirgendwo hinpassen".
Bei Spielen wird das kaum anders sein: Ist ein Brettspiel jedes Spiel, in dem ein Brett auf dem Tisch liegt? Was ist dann BABEL, wo es zwar ein Brett gibt, das aber ausschließlich mit Karten gespielt wird und bei dem man das Brett völlig weglassen kann, ohne etwas an den Regeln zu ändern?
Ist ein historisches Spiel jedes Spiel, dessen Thema in der Vergangenheit angesiedelt ist? Was ist dann EUPHRAT UND TIGRIS, das völlig unhistorisch ist, da man Kriege dadurch gewinnt, dass sich der König einfach neben ein paar Tempel stellt?
Bist du bereit, auf das "eindeutig" zu verzichten, dann gibt es natürlich viele Chancen, sinnvolle Kategorien für Spiele zu finden - aber so, wie du es im Augenblick planst, fürchte ich, dass niemand mehr für dich tun kann, als dir die Daumen zu drücken - dabei mache ich aber gern kräftig mit.
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)