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Frachtexpress auf dem Abstellgleis?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Rainer Goltsche

Frachtexpress auf dem Abstellgleis?

Beitragvon Rainer Goltsche » 6. April 2002, 18:09

Wir haben in dieser Woche zum ersten Mal das vielgelobte und das interessant erscheinende Frachtexpress in seiner Grundversion gespielt, aber welche Enttäuschung. Relativ langweiliges Ablegen, kein Pepp und auch ziemlich schnell zu Ende.Was haben wir falsch gemacht? Oder wird alles mit der fortgeschrittenen Version besser?
Wie sind Eure Erfahrungen?

Gruss Rainer

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Bernd

Re: Frachtexpress auf dem Abstellgleis?

Beitragvon Bernd » 7. April 2002, 10:33

Hallo Rainer,

in unserer Spielerunde ist Frachtexpress (in der Grundversion) sehr gut angekommen!
Ich finde es schon recht spannend und interessant, das Optimale aus seinen Karten raus zu holen, schließlich kann man die Karten ja für verschiedene Aktionen einsetzen. Es war auch bei uns nie schnell zu Ende, da die Karten vom Ablagestapel ja immer wieder gemischt werden und dann den neuen Nachziehstapel bilden.

Insgesamt ist es natürlich Geschmackssache, aber es wäre - um Dir zu helfen - natürlich hilfreich, wenn Du etwas genauer berichten würdest. Dann könnte man schnell feststellen, ob Ihr einen Fehler gemacht habt.

Bernd (wird jetzt auf Inlinern das schöne Wetter genießen)

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Rolf Schneider

Re: Frachtexpress auf dem Abstellgleis?

Beitragvon Rolf Schneider » 7. April 2002, 18:19

Hallo Rainer,

wir haben die Erfahrung gemacht, dass für ein Spiel mit 4 Spielern zu wenig Karten im Spiel sind. Vielleicht funktioniert das Spiel mit 3 Spielern besser. Interessant erschien uns das Spiel aber dennoch. Demnächst werden wir die Fortgeschrittenen-Variante ausprobieren.

Viel Spaß beim Spielen,

Rolf

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Rainer Goltsche

Re: Frachtexpress auf dem Abstellgleis?

Beitragvon Rainer Goltsche » 7. April 2002, 20:37

Also Bernd, mit 4 Spielern gespielt, das Streckennetz zu ca.1/3 aufgebaut. Als keine Karten mehr vorhanden waren lagen bei den einzelnen Spielern max.3 Waggons unter der Lok.
Wie Rolf habe ich den Eindruck, dass zu wenig Karten im Umlauf sind.

Gruss Rainer

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Lars Velten

Re: Frachtexpress auf dem Abstellgleis?

Beitragvon Lars Velten » 7. April 2002, 22:02

Hi Rainer!

Bei uns ist Frachtexpress recht gut angekommen. Interessanter Mechanismus mit neuen Ideen. Nicht das beste Spiel des Jahres, aber ich bin gerne bei einer Partie dabei. Ich würd sagen - gib dem Spiel noch ne zweite und dritte Chance und urteile dann.

Tschau
Lars

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Roman Pelek

Re: Frachtexpress auf dem Abstellgleis?

Beitragvon Roman Pelek » 8. April 2002, 10:05

Hi Rainer,

Rainer Goltsche schrieb:
>
> Wir haben in dieser Woche zum ersten Mal das vielgelobte und
> das interessant erscheinende Frachtexpress in seiner
> Grundversion gespielt, aber welche Enttäuschung. Relativ
> langweiliges Ablegen, kein Pepp und auch ziemlich schnell zu
> Ende.Was haben wir falsch gemacht? Oder wird alles mit der
> fortgeschrittenen Version besser?
> Wie sind Eure Erfahrungen?

Bei uns gab's in Partien zu viert des öfteren (nicht immer) das Phänomen, dass die Karten sehr knapp wurden und die Partie schnell zu Ende war. Zu dritt fanden wir's deswegen merklich besser. Die fortgeschrittene Version mit Ereignissen ist Geschmackssache, manche von diesen erscheinen mir persönlich sehr (etwas zu) stark. Insgesamt bei unseren Runden ein nettes Spiel für 3 Spieler, aber es hat mich auch nicht so richtig vom Hocker gerissen... Probier's einfach nochmal, manchmal läuft's sicher besser - und zu dritt eigentlich relativ sicher auch nicht zu kurz.

Ciao,
Roman

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Carsten Wesel

RE: Frachtexpress auf dem Abstellgleis?

Beitragvon Carsten Wesel » 8. April 2002, 11:47

"Rainer Goltsche" hat am 07.04.2002 geschrieben:

> Wie Rolf habe ich den Eindruck, dass zu wenig Karten im
> Umlauf sind.

Das kann passieren, wenn man Karten sammelt - das scheint aber nicht im Sinne des Spieles zu sein. Also am besten mal versuchen, nicht so viel zu sammeln und damit länger zu spielen.

Gruß Carsten (der Frachtexpress in Oberhof dabei hatte, allerdings nicht zum spielen des selbigen gekommen ist.)

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peer

Re: Frachtexpress auf dem Abstellgleis?

Beitragvon peer » 8. April 2002, 12:19

Hi,
Ablegespiele sind natürlich nicht jedermanns Geschmack, es ist schon etwas trocken. Ich persöhnlich schätze es aber sehr, da man genau überlegen muss, wie man eine Karte einsetzt.
Wie schon angedeutet läuft es zu dritt besser als zu viert. Zu dritt ist es aber dafür auch ziemlich klasse. Wenn ihr also mal nur zu dritt seit und kein Skat spielen wollt...
ciao,
Peer

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Michael Blumoehr

RE: Frachtexpress auf dem Abstellgleis?

Beitragvon Michael Blumoehr » 8. April 2002, 13:34

Hallo,

Carsten Wesel schrieb:
> Das kann passieren, wenn man Karten sammelt - das scheint
> aber nicht im Sinne des Spieles zu sein.

Dann sollte man dagegen eine passende Regel machen.
Bei uns ist das Spiel auch total durchgefallen (ich brauche es zum Spieleabend gar nicht mehr mitzubringen), da es zuläßt, daß die Spieler Karten sammeln und eigentlich nichts tun müssen. Bauen einige Spieler trotzdem, so erledigen sie damit nur die Arbeit für einen oder mehrere Kartensammler, die dann in aller Ruhe ihre Züge fahren lassen können. Das ist ein erheblicher Schwachpunkt des Spiels (und ich glaube kaum, daß wir irgendeine Regel übersehen oder mißverstanden haben - wir haben das extra nachgelesen).

Dieses Spiel stellt für mich ein Musterexemplar für die Kategorie "Autor ist von seinem Spiel überzeugt" dar. Die Grundideen sind schön und gefallen mir auch, aber es müßte redaktionell bearbeitet werden. Schade, daß das bei Franjos nicht geschehen ist (man stelle sich vor, was TM oder Hans-im-Glück mit so einem Prototyp gemacht hätten, der doch einiges otential bietet).

Grüße,
Michael

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Roman Pelek

RE: Frachtexpress auf dem Abstellgleis?

Beitragvon Roman Pelek » 8. April 2002, 18:29

Hi Carsten,

Carsten Wesel schrieb:

> Das kann passieren, wenn man Karten sammelt - das scheint
> aber nicht im Sinne des Spieles zu sein. Also am besten mal
> versuchen, nicht so viel zu sammeln und damit länger zu
> spielen.

Wir hatten bei uns zu viert, wenn's schief lief, nicht den Eindruck, dass das Kartensammeln per se eine schlechte Idee im Hinblick auf das Sammeln von Siegpunkten ist. Ich würde dieses Phänomen somit eher dem Spiel bzw. Regelwerk ankreiden, wie Michael auch schon sagte. Da wäre mehr drin gewesen, zumindest die 4er-Besetzung hätte man besser machen können. Aber auch die Ereignisse hätte man noch schöner austarieren können, nuja, hätte-wäre-wenn, es ist halt jetzt wie's ist und für mich auch ein bissl schade um die feine Idee, aus der mehr hätte werden können.

Ciao,
Roman

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Jost Schwider

Frachtexpress - Kartensammler

Beitragvon Jost Schwider » 8. April 2002, 19:22

"Michael Blumoehr" hat am 08.04.2002 geschrieben:

>> Das kann passieren, wenn man Karten sammelt - das scheint
>> aber nicht im Sinne des Spieles zu sein.
>
> Dann sollte man dagegen eine passende Regel machen.

Hat da schon jemand eine Idee?
Denkbar wäre z.B. eine maximale Anzahl von Handkarten, ab der ein Austausch (letzter Spielzug) nicht mehr möglich ist. :-?

> Bei uns ist das Spiel auch total durchgefallen

Wir haben es sehr gut gefunden, allerdings ist niemand der Kartensammel-Taktik verfallen... Da war die Angst vor dem "Sudden Death" vielleicht doch zu groß.

> Dieses Spiel stellt für mich ein Musterexemplar für die
> Kategorie "Autor ist von seinem Spiel überzeugt" dar.

Na, dann hätte es sicher nicht die Auszeichnung "Bestes Kartenspiel des Jahres 2001" (Games, USA) bekommen. Also scheinen auch andere davon überzeugt zu sein... ;-)

Viele Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")

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Michael Blumoehr

Re: Frachtexpress - Kartensammler

Beitragvon Michael Blumoehr » 9. April 2002, 09:19

Jost Schwider schrieb:
> Denkbar wäre z.B. eine maximale Anzahl von Handkarten, ab der
> ein Austausch (letzter Spielzug) nicht mehr möglich ist. :-?

Naheliegend, oder eben gleich eine maximale Zahl von Handkarten.
Alternativ kann man auch zwingend vorschreiben, daß man nur Austauschen darf, wenn man auch eine andere Aktion gemacht hat.

> Wir haben es sehr gut gefunden, allerdings ist niemand der
> Kartensammel-Taktik verfallen... Da war die Angst vor dem
> "Sudden Death" vielleicht doch zu groß.

Warum? Man kann recht gut abschätzen, ob man noch mal dran kommt oder nicht, und dann vorher den Monsterzug durchführen.

> Na, dann hätte es sicher nicht die Auszeichnung "Bestes
> Kartenspiel des Jahres 2001" (Games, USA) bekommen. Also
> scheinen auch andere davon überzeugt zu sein... ;-)

Nun ja, die Durchschnitts-Amerikaner stellen keine allzu hohen Ansprüche und man muß auch beachten, welche Spiele sonst noch erschienen sind bzw. wie der Preis zustande kommt bzw. wer ihn vergibt. Ich kenne die US-Ausgaben nicht, die sollen ja etwas anders sein und zudem habe ich ja geschrieben, daß ich es insgesamt für ein interessantes Konzept halte, dem der Feinschliff fehlt.

Grüße,
Michael

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Udo G.

RE: Frachtexpress - Kartensammler

Beitragvon Udo G. » 9. April 2002, 11:41

"Michael Blumoehr" hat am 09.04.2002 geschrieben:

>> Na, dann hätte es sicher nicht die Auszeichnung "Bestes
>> Kartenspiel des Jahres 2001" (Games, USA) bekommen. Also
>> scheinen auch andere davon überzeugt zu sein... ;-)
>
> Nun ja, die Durchschnitts-Amerikaner stellen keine allzu
> hohen Ansprüche und man muß auch beachten, welche Spiele
> sonst noch erschienen sind bzw. wie der Preis zustande
> kommt bzw. wer ihn vergibt. Ich kenne die US-Ausgaben
> nicht, die sollen ja etwas anders sein und zudem habe ich
> ja geschrieben, daß ich es insgesamt für ein interessantes
> Konzept halte, dem der Feinschliff fehlt.
>

Die amerikanische Ausgabe heißt "Hellrail" und man muß Seelen in der Hölle herumfahren. Ansonsten ist es gleich die Variante mit den Ereignissen am Bahnhof (wobei da, glaub ich, mehr da sind, und die auch mal wechseln können). Thematisch ist das Spiel recht witzig, und deshalb haben wir's uns auch gekauft. Ob es den Titel verdient hat, will ich nicht beurteilen, aber ich glaube, eher als die deutsche Ausgabe schon...

Grüßle,

Udo

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Jost Schwider

RE: Frachtexpress - Kartensammler

Beitragvon Jost Schwider » 9. April 2002, 19:05

"Udo G." hat am 09.04.2002 geschrieben:

> Die amerikanische Ausgabe heißt "Hellrail" und man muß
> Seelen in der Hölle herumfahren. Ansonsten ist es gleich
> die Variante mit den Ereignissen am Bahnhof (wobei da,
> glaub ich, mehr da sind, und die auch mal wechseln können).
> Thematisch ist das Spiel recht witzig, und deshalb haben
> wir's uns auch gekauft. Ob es den Titel verdient hat, will
> ich nicht beurteilen, aber ich glaube, eher als die
> deutsche Ausgabe schon...

:-O Nur weil es ein anderes Thema hat? :-?
Die Regeln sind doch ansonsten ziemlich gleich, insbesondere gibt es in der amerikanischen Ausgabe m.E. auch kein Mittel gegen Karten-Sammler.

Daher verstehe ich deinen Einwand nicht, warum die US-Ausgabe soviel besser sein soll. Könntest du das eventuell etwas präzisieren?

Neugierige Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")

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Roman Pelek

Amerikanische vs. deutsche Verhältnisse

Beitragvon Roman Pelek » 10. April 2002, 02:24

Hi Jost,

Jost Schwider schrieb:

> Na, dann hätte es sicher nicht die Auszeichnung "Bestes
> Kartenspiel des Jahres 2001" (Games, USA) bekommen. Also
> scheinen auch andere davon überzeugt zu sein... ;-)

Man sollte nicht vergessen, dass die Amerikaner durchaus eine andere Auffassung von Brettspiel haben als die Deutschen, und dass es eine Brettspielszene wie in Deutschland so dort nicht gibt. Der Hauptanteil konzentriert sich doch sehr auf CoSims, RPGs und Fun-Games, in D auch beliebte durchdachte, taktische Spielchen sind doch eher Mangelware. So mag die Entscheidung für diesen Preis durchaus eher auf dem Fun-Faktor durch die Ereignisse gelegen haben denn auf der - für deutsche Verhältnisse - zu 100% durchdachten Spielmechanik.
Ich halte deswegen die Auszeichnung in den USA für argumentativ nicht sonderlich geeignet. M. E. hätte dieses durchaus reizvolle Spiel einer intensiveren Bearbeitung für den deutschen Markt bedurft, womit ich mich letztlich Michaels Meinung vollkommen anschließe.

Ciao,
Roman

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Udo G.

RE: Frachtexpress - Hellrail

Beitragvon Udo G. » 10. April 2002, 09:11

"Jost Schwider" hat am 09.04.2002 geschrieben:
> "Udo G." hat am 09.04.2002 geschrieben:

>> Ob es den Titel verdient hat, will
>> ich nicht beurteilen, aber ich glaube, eher als die
>> deutsche Ausgabe schon...
>
> Daher verstehe ich deinen Einwand nicht, warum die
> US-Ausgabe soviel besser sein soll. Könntest du das
> eventuell etwas präzisieren?
>
Hi Jost,

ich kenne die deutsche Ausgabe nur vom angucken und aus dem Forum. Wie groß die Unterschiede tatsächlich sind, kann ich also nicht beurteilen, aber das bessere Thema rechtfertigt m.E. ein "eher". Von "viel besser" war nicht die Rede :-)
Auch in der amerikanischen Version kann man wohl Karten sammeln, ist bei uns aber bisher nicht passiert (bessere Mitspieler ;-) ). Aber vielleicht macht es auch einfach Spaß, die Seelen der Verdammten durch die Gegend zu kutschieren. Man muß ja nicht jedes Spiel so ernst nehmen.

Grüßle,

Udo

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Jost Schwider

RE: Amerikanische vs. deutsche Verhältnisse

Beitragvon Jost Schwider » 10. April 2002, 14:41

"Roman Pelek" hat am 10.04.2002 geschrieben:

>> Na, dann hätte es sicher nicht die Auszeichnung "Bestes
>> Kartenspiel des Jahres 2001" (Games, USA) bekommen. Also
>> scheinen auch andere davon überzeugt zu sein... ;-)
>
> Man sollte nicht vergessen, dass die Amerikaner durchaus
> eine andere Auffassung von Brettspiel haben als die
> Deutschen, und dass es eine Brettspielszene wie in
> Deutschland so dort nicht gibt.

100% ACK.
Aber ich wollte dies ja nur als Beispiel/Gegenargument gegenüber Michael verstanden wissen, welcher ja behauptet hat: "Autor ist von seinem Spiel überzeugt" und damit impliziert, das andere nichts vom Spiel halten würden... ;-)

> So mag die Entscheidung für diesen
> Preis durchaus eher auf dem Fun-Faktor durch die Ereignisse
> gelegen haben denn auf der - für deutsche Verhältnisse - zu
> 100% durchdachten Spielmechanik.

Jetzt müßte man die Begründung/Motivation für die Preisverleihung kennen... :-? Irgendwer?

> M. E. hätte dieses durchaus reizvolle Spiel einer intensiveren
> Bearbeitung für den deutschen Markt bedurft,

Denkst du an etwas bestimmtes? Wäre eine einfache Begrenzung der Handkartenanzahl z.B. in deinem Sinn?

Neugierige Grüße
Jost aus Soest (sprich: "joost aus soost")

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Michael Blumoehr

Überzeugte Autoren

Beitragvon Michael Blumoehr » 10. April 2002, 16:15

Jost Schwider schrieb:
> Aber ich wollte dies ja nur als Beispiel/Gegenargument
> gegenüber Michael verstanden wissen, welcher ja behauptet
> hat: "Autor ist von seinem Spiel überzeugt" und damit
> impliziert, das andere nichts vom Spiel halten würden... ;-)

Sorry, da habe ich mich anscheinend nicht verständlich genug ausgedrückt. Ich meinte eigentlich, es ist ein Beispiel dafür, daß ein Autor so von seinem Spiel überzeugt ist, daß er es unbedingt selbst verlegt. Daß anderen das dann durchaus gefallen kann, sei unbestritten.

Es gibt (leider) noch viel mehr Beispiele, in denen solcherart wenig selbstkritische Autoren, Spiele im Eigenverlag rausgebracht haben, obwohl etwas Feinschliff den Spielen durchaus gut getan hätte. Natürlich gibt es auch Eigenproduktionen, die rund sind und es gibt auch einige dieser Eigenproduktionen, die dann später von Verlagen überarbeitet wurden.

Bevor mir jetzt unterstellt wird, ich hätte was gegen selbstverlegende Autoren, das habe ich gar nicht, im Gegenteil, nur so sind uns einige Spieleperlen nicht entgangen.

> Jetzt müßte man die Begründung/Motivation für die
> Preisverleihung kennen... :-? Irgendwer?

Der Preis wurde vom Games Magazine vergeben. So wie ich das verstehe, urteilt da die Redaktions oder das Rezensionsteam.

Den Hauptpreis "Game of the year" bekam 2001 übrigens "Aladdin's Dragons" das ist Morgenland (HiG)
HellRail wurde Sieger in der Kategorie "Family Card Games" vor den Spielen Tabula Rasa, Das Kollier, Drahtseilakt, Frank's Zoo (=Zoff im Zoo), Pisa, Vampire, Fluxx, etc.
Die vollständige Liste siehe unter
http://kumquat.com/cgi-kumquat/funagain/2001games100?MvUbBppn;;65

- Michael

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Roman Pelek

Frachtexpress / Kritikpunkte

Beitragvon Roman Pelek » 12. April 2002, 02:09

Hi Jost,

>> M. E. hätte dieses durchaus reizvolle Spiel einer intensiveren
>> Bearbeitung für den deutschen Markt bedurft,
>Denkst du an etwas bestimmtes? Wäre eine einfache >Begrenzung der Handkartenanzahl z.B. in deinem Sinn?

Hm, ich denke, es gibt drei denkbare Ansatzpunkte bei dem Spiel, was meine Kritik an Frachtexpress angeht:

- Anzahl der Karten im Spiel (evtl. variabel bzgl. der Spieleranzahl) inkl. Verteilung der Aufträge (Von wo nach wo)
- Balance der Sonderaktionen und deren Verteilung auf die Startbahnhöfe (evtl. wäre eine variable Verteilung - wie ursprünglich - der Sonderaktionen doch sinnvoller als die vorliegende dt. Version)
- Handkartenlimit und/oder Veränderung der Nachziehbedingung (Würfelzahl)

Aber all das erfordert natürlich eine intensivere Überarbeitung und Testphase, die sicher nicht zu unterschätzen ist...

Ciao,
Roman

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Jost Schwider

RE: Frachtexpress - Verbesserungen

Beitragvon Jost Schwider » 12. April 2002, 08:43

"Roman Pelek" hat am 12.04.2002 geschrieben:

> Hm, ich denke, es gibt drei denkbare Ansatzpunkte bei dem
> Spiel, was meine Kritik an Frachtexpress angeht:
>
> Anzahl der Karten im Spiel (evtl. variabel bzgl. der
> Spieleranzahl) inkl. Verteilung der Aufträge

Hmmm, die reine Anzahl (hier mehrmals vor allem als Kartenmangel oder "zu kurzes Spiel" bezeichnet) ist mir nicht negativ aufgefallen (wir haben es immer zu viert gespielt). Aber wir hatten auch keinen "Kartensammler" unter uns... ;-)

In unpassenden Aufträgen sehe ich kein so großes Problem, da man sie ja immer noch als Gleise oder Nachziehkarte verwenden kann.

> Balance der Sonderaktionen und deren Verteilung auf die
> Startbahnhöfe (evtl. wäre eine variable Verteilung - wie
> ursprünglich - der Sonderaktionen doch sinnvoller als die
> vorliegende dt. Version)

Die Sonderaktionen empfinde ich nur als störendes Beiwerk - sie machen das Spiel chaotischer und weniger planbar. Dabei wird m.E. die Regelmenge erhöht, ohne ein wirkliches Mehr an Spieltiefe zu gewinnen.
Außerdem hasse ich "Ärgerspiele"... :-D

> Handkartenlimit und/oder Veränderung der
> Nachziehbedingung (Würfelzahl)

Ja, [i]hier[/i] sehe ich ggf. Verbesserungspotenzial. Wobei ich die Nachziehbedingung eigentlich ganz gut finde ("Opfere ich meine gute Karte, um viele neue/unbekannte Karten nachzuziehen?").

Ein Handkartenlimit (Wieviele?) wäre natürlich eine einfache Lösung.

Oder - mal eine ganz andere Idee! - man müßte den Anreiz für Gleisbauarbeiten erhöhen. Wie wäre es, wenn man für den [b]Erst[/b]-Anschluß eines Bahnhofs ebenfalls Punkte erhalten würde? (Oder gar für jede Gleiskarte?)

Eine "gerechte" Punkteverteilung müßte natürlich genau ausgetüftelt werden - denkbar wäre etwa folgende ([i]Achtung, Schnellschuß aus der Hüfte![/i]):
Es gibt soviele Bonus-Punkte, wie der Bahnhof vom Startbahnhof "A" (bei optimaler Gleisverlegung) entfernt ist. Bei der Standard-Aufstellung gäbe es also jeweils 1 Punkt für die Bahnhöfe "B" und "C", sowie 3 Punkte für die restlichen Bahnhöfe "D" bis "J".

> Aber all das erfordert natürlich eine intensivere
> Überarbeitung und Testphase, die sicher nicht zu
> unterschätzen ist...

100% ACK.
Ich werde mal versuchen, obigen Bahnhof-Anschluß-Bonus (o.ä.) in unserer nächsten Frachtexpress-Runde zu testen.

Gespannte Grüße
Jost aus Soest (hält Frachtexpress "an sich" für ein schönes Spiel)

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Ralf Arnemann
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US- und deutsche Spielementalitäten.

Beitragvon Ralf Arnemann » 12. April 2002, 12:06

> Bei uns ist das Spiel auch total durchgefallen (...), da es
> zuläßt, daß die Spieler Karten sammeln und eigentlich nichts
> tun müssen.
> ...und ich glaube kaum, daß wir irgendeine Regel übersehen oder
> mißverstanden haben
Ohne Frachtexpreß zu kennen: Das scheint mir ein Paradebeispiel zu sein, wie unterschiedlich die amerikanische und die deutsche Spielementalität ist.

Wie auch sonst im Leben gehen die Amis so etwas pragmatisch an. Die Regeln beschreiben die wesentlichen Grundlinien, der Rest wird mit "common sense" aufgefüllt.

Und da wird es unter Amis wohl selbstverständlich sein, daß man seine Karten auch nutzt. Einfach horten und dann nur von den Bauten schmarotzen - das gehört sich nicht. So etwas muß man in den Regeln nicht explizit verbieten, weil es anständige Spieler nicht machen würden.

Während die Deutschen nun sehr Gesetz-fixiert sind.
Wir erwarten, daß grundsätzlich alle Fragen auch regeltechnisch abgedeckt sind. Und was immer die Regeln nicht verbieten, darf auch gemacht werden.
Deutsche Spielregeln müssen deshalb wasserdicht sein und müssen den kompletten Mechanismus abdecken ("teutonic games" nennen das dann die Angelsachsen).


Mich erinnert das an die ersten CoSims, die aus den USA nach Deutschland kamen.
Aus deutscher Sicht waren die Regeln eine Katastrophe. Da wurde z. B. in einem Weltkriegs-II-Spiel nicht verboten, daß vielleicht die Italiener in Norwegen anlanden. Also haben das die deutschen Spieler selbstverständlich gemacht - und dann kippte das Spiel.

Die entsprechenden Regelbeschwerden stießen bei den Amis auf völliges Unverständnis. So ein Vorgehen wäre doch historisch abwegig, man möge doch bitte "vernünftig" spielen.

Fazit: Ein US-Spiel bedarf in der Tat meist einer gründlichen Überarbeitung, wenn es hierzulande verkaufbar sein soll.

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Roland G. Hülsmann
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Beiträge: 2598

Re: US- und deutsche Spielementalitäten.

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 12. April 2002, 13:09

Ralf Arnemann schrieb:

> Und da wird es unter Amis wohl selbstverständlich sein, daß
> man seine Karten auch nutzt. Einfach horten und dann nur von
> den Bauten schmarotzen - das gehört sich nicht. So etwas muß
> man in den Regeln nicht explizit verbieten, weil es
> anständige Spieler nicht machen würden.

Wenn es aber eine vielversprechende Gewinnstrategie ist, dann werde ich sie nutzen. Alles andere liefe dem Ziel eines Spieles zuwider. Was Du zum Thema CoSim schreibst, mag ja angehen, da es sich hier eigentlich nicht um Spiele handelt, sondern eben um Simulationen realer Gegebenheiten. Aber bei einem Spiel kann es m.E. keinen "common sense" und keine "ungeschriebenen Gesetze" geben. Derartiges pflegen die Stärkeren in der Regel immer zu Ungunsten der Schwächeren auszulegen (nicht nur im Spiel).

geschriebene Grüße
Roland

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Karl

RE: Frachtexpress - Verbesserungen

Beitragvon Karl » 14. April 2002, 00:15

Leider liegt Frachtexpress noch ungespielt bei mir im Schrank. Habe also noch keinen Selbstversuch mit diesem spiel erfahren. Hier aber trotzdem mal so ne spontane Idee zum Nachziehmodus:
Wenn ich Karten nachziehen möchte lege ich eine Karte ab. Die Zahl auf dem Wagon zeigt an, wieviele Karten vom Nachziehstapel ich aufdecken darf. Von dieser Auswahl, muss ich nun entsprechend der Zahl auf dem Wagon dividiert durch 2 Karten nehmen. Bei ungeraden Zahlen wird das Ergebnis aufgerundet. D.h. Bei einer 5 nimmt man 3 Karten usw.

Auf diese Weise hat man eine gewisse Kartenauswahl für taktische Zielsetzungen und trotzdem werden nicht zuviele Karten gezogen. Vielleicht müsste dann diese Regel noch mit einer limitierten Kartenhand kombiniert werden. Dazu aber mehr, nachdem ich Frachtexpress endlich mal spielen konnte.

es Grüessli aus der Schweiz

Karl


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