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Brettspiel on demand?

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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romeo

Brettspiel on demand?

Beitragvon romeo » 14. April 2002, 15:34

Hallo Leute!

Vielleicht kennt ihr Books on demands (www.bod.de/guided_tour/guided_1.html)
Mit dem gleichen Prinzip könnte man doch Brettspiel on demands ins Leben rufen.
Was haltet ihr von dieser Idee.

Sonntägliche Grüsse

Romeo

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Andreas Keirat

Re: Brettspiel on demand?

Beitragvon Andreas Keirat » 15. April 2002, 09:58

romeo schrieb:
>
> Hallo Leute!
>
> Vielleicht kennt ihr Books on demands
> (www.bod.de/guided_tour/guided_1.html)
> Mit dem gleichen Prinzip könnte man doch Brettspiel on
> demands ins Leben rufen.
> Was haltet ihr von dieser Idee.
>
> Sonntägliche Grüsse
>
> Romeo

So etwas ähnliches gibt es in Amerika bereits. Die Firma GMT macht immer eine 500er Liste, wo sie einen Spieltitel vorschlägt, der bereits veröffentlicht wurde und nun in einer Neuauflage kommen soll. Die Internetbenutzer können sich dann eintragen, und wenn die Liste auf 350-500 Spiele angewachsen ist, wird das Spiel schließlich produziert (vorher werden alle noch einmal angeschrieben, um sie an die Order zu erinnern...).

Bei Neuheiten stelle ich mir das jedoch schwieriger vor...


Ciao,

Andreas Keirat

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Stefan-spielbox

P500

Beitragvon Stefan-spielbox » 15. April 2002, 11:22

Hallo!

Nicht ganz korrekt. Das "Project500" von GMT ist eben für Neuerscheinungen ins Leben gerufen worden. Sobald die Vorbestellungen die 500er Grenze überschreiten wird das (neue) Spiel produziert. Dann allerdings in größeren Stückzahlen als Vorbestellungen vorliegen, so daß dieser Titel den "normalen" Weg in die Regale der Händler findet. Diese Neuerscheinungen werden auf der Webseite von GMT gründlich vorgestellt und oft bürgen der Designer und das Spielthema für Qualität die man ohne schlechten Gewissens im voraus bestellen kann. Das liegt aber auch daran, daß GMT hauptsächlich Kosims herstellt. Hier wird häufig das historische Thema stärker als der Mechanismus (der sich bei vielen Kosims eh ähnelt) bewertet. So erreichten z.B. die angekündigten Spiele "Barbarossa to Berlin" und "The Napoleonic Wars" in sehr kurzer Zeit Vorbestellungen an der 1000er Grenze. Hauptgrund dürfte der vielgeschätzte und -gepriesene kartengesteuerte Spielmechanismus sein der auch schon in "Paths of Glory", "For the People", "Hannibal" etc. hervorragend funktioniert.

Bei Spielen die schon seit längerer Zeit vergriffen bzw. OOP sind, wird bei einer Zahl von mindestens 250 Vorbestellungen das Spiel neu aufgelegt.

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Ralf Arnemann
Kennerspieler
Beiträge: 2447

Re: Brettspiel on demand?

Beitragvon Ralf Arnemann » 15. April 2002, 13:38

Eine interessante Idee, aber wahrscheinlich unrealistisch.

Bei BoD geht es ja nicht um Kleinserien mit Vorbestellung, sondern jedes Buch wird nach Eingang einer Einzelbestellung gedruckt und hergestellt.

Das funkioniert nur, weil die äußere Erscheinungsform (Format, Bindung ...) auf wenige Varianten normiert wird, und der wechselnde Inhalt per Datei auf den Laserdrucker gegeben wird.
Es gibt halt im Buchdruck Maschinen, die Druck und sonstige Herstellung eines Buches automatisiert übernehmen.

Bei Spielen wäre eine solche Normierung nur eingeschränkt möglich. Schachtelaufdruck, Spielregel und Spielplan ließen sich theoretisch ähnlich herstellen (obwohl ich bezweifele, daß es ebenso leicht umstellbare Maschinen gibt) - natürlich sind nur wenige Schachtelgrößen oder Spielplanformate möglich.

Vielleicht wäre so ein "on-Demand"-Einzeldruck auch bei einem Spielkartenstapelchen möglich. Wenn die Spielkartenmaschinen das hergeben, wäre zumindest ein wesentlicher Fortschritt möglich.

Aber spätestens bei gestanzten Papp-Plättchen aller Art hört das auf, die Stanzformen lassen sich nicht nach jedem einzelnen Exemplar wechseln.

Beim übrigen Spielmaterial wäre manches möglich, wenn man sich auf Standardmaterial (z. B. farbige Holzelemente aus dem IPUR-Angebot) beschränkt. Nur die jeweils unterschiedliche Konfektionierung (Abpacken) wäre nur mit Hand möglich.

Wenn ich so den laufenden Spielejahrgang überblicke, wäre wohl kaum ein Spiel für ein vollautomatisiertes Verfahren nach "BoD"-Vorbild denkbar.

Machbar wäre vielleicht eine Halbfertigproduktion von Kleinserien von Karten, Schachteln und Plänen, die ein Spieleerfinder dann selber mit dem übrigen Spielmaterial ergänzen müßte.

Ob da insgesamt aber ein Nachfragevolumen in Deutschland existiert, daß einen solchen Service rentabel macht, ist eher zu bezweifeln.
Aber schön wäre es schon.

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Lars Velten

Re: Brettspiel on demand?

Beitragvon Lars Velten » 15. April 2002, 20:41

Hi Romeo,

die Idee ist klasse, obwohl ich sie für wenig realistisch halte.
Dann könnte ich nämlich mein KATHARGO veröffentlichen, an dem ich schon ewig rumbastele und das wahrscheinlich viel zu speziell für die großen Verlage sein dürfte (wenn es denn mal fertig werden wird).

Unterstüzende Grüße
Lars Velten

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romeo

Re: Brettspiel on demand?

Beitragvon romeo » 16. April 2002, 18:04

Hallo Leute

Danke für eures konstruktiv-ergänzendes Feedback. :)

Romeo

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Gustav der Bär

GoD - Games on demand

Beitragvon Gustav der Bär » 16. April 2002, 23:04

Du führst ja schon treffend die meisten Hindernisse auf, lieber Ralf, die gegen die Herstellung eines Einzelstücks als wirkliches Fertigexemplar sprechen.

Eine - zumindest hypothetisch zu durchdenkende - Alternative ist die, die du ja auch schon ansprichst: Eine Art Halbfertig-Produkt, das der Besteller dann durch eigene Bastelarbeit vollenden kann.

Nennen wir das Konzept mal, damit das Kind einen Namen hat, "Games IKEA-Style"

- Die Produktion von fertig vorgestanzten Papp-Bögen für die Marker dürfte im Einzelfall zu teuer sein, aber die ungestanzten Bögen haben üblicher Weise eine Norm-Größe, so dass der Druck ohne Stanzung durchaus machbar ist. Den Rest müsste der Besteller dann mit einer scharfen Klinge allein erledigen.

- Spielpläne können unterschiedlich groß sein, aber auch der größte lässt sich durch Aneinanderlegen von mehreren kleineren Plänen herstellen. Wir können uns also einen Standard-Spielplan vorstellen, von dem bei einem Spiel mit größerem Plan halt mehrere einzeln und unterschiedlich bedruckte nebeneinander gelegt werden.

- Aufwändiger würde die Sache natürlich da, wo Holz- oder Kunststoffteile ins Spiel kommen, die individuelle Formen aufweisen: Kichen, Schiffe, Lastwagen ... Aber selbst da kann man sich behelfen, in dem man als GoD halt nur eine Art "reduzierter" Variante anbietet: Auch die "Siedler von Catan" müssen nicht unbedingt Häuser, Kirchen, Schiffe und Stadtmauern aus Holz haben; Pappmarker würden für die Spielmechanik genau so ausreichen.

Eine ganz andere Frage ist, wie du ja auch richtig anmerkst, ob so ein Konzept sich wirtschaftlich tragen kann. Man kann das kaum als Hobby betreiben, da ja, bevor auch nur das erste Spiel angeboten werden kann, eine wohl recht teure Vorleistung vom Anbieter zu erbringen ist. Das Einzelstück würde zudem erheblich teurer werden als ein einzeln gedrucktes Buch - und die Nachfrage (die wohl nur aus Kreisen von ausgesprochenen Spiele-Freaks kommen wird) dürfte sich - selbst über einen längeren Zeitraum betrachtet - in Grenzen halten.

Trotzdem kann es lohnen, noch etwas genauer darüber nachzudenken. Es lassen sich ja oft noch Normierungs- und Einsparmöglichkeiten finden, wo man sie im ersten Moment noch nicht sieht. Die grundsätzliche Möglichkeit, ein entsprechendes Konzept zu organisieren, sehe ich nämlich durchaus.

Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)

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Ralf Arnemann
Kennerspieler
Beiträge: 2447

Re: GoD - Games on demand

Beitragvon Ralf Arnemann » 17. April 2002, 13:07

> Eine Art Halbfertig-Produkt, das der Besteller dann durch
> eigene Bastelarbeit vollenden kann.
Im Prinzip ja.
Wobei ein wesentlicher Punkt der BoD-Dienstleistung wegfällt: Der Vertrieb (incl. ISBN-Vergabe etc.).
Als Besteller solcher Halbfertig-Produkte sehe ich nicht den Endkäufer, sondern den Spieleerfinder, der das Material aus mehreren Quellen kauft und ein Spiel daraus zusammenpackt.
Die eigentliche Bastelarbeit kann er dann durchaus an den Endverbraucher weiterreichen (das ist ja teilweise auch bei heutzutage käuflichen Spielen schon üblich).

Ich sehe keine wirtschaftliche Basis für eine Firma, die Zusammenpacken und Vertrieb von Einzelspielen für die Autoren übernimmt.

Daher überlege ich im Folgenden nur noch, woher man welche Komponenten für Kleinserien bekommen kann.

Marker:
> ... so dass der Druck ohne Stanzung durchaus machbar ist.
> Den Rest müsste der Besteller dann mit einer scharfen Klinge
> allein erledigen.
Der Druck von Pappbögen ist kein Problem. Der Druck von dauernd wechselnden Bögen vielleicht schon.
Und das mit dem Ausschneiden sehe ich skeptisch, so weit ins Handwerkliche wollen viele Leute nicht gehen.
Da sehe ich eher Sinn darin, einige wenige Stanzformen anzubieten (Runde und eckige Marker, Sechsecke, ...) und entsprechenden Verschnitt in Kauf zu nehmen.

> - Spielpläne können unterschiedlich groß sein, aber auch der
> größte lässt sich durch Aneinanderlegen von mehreren kleineren
> Plänen herstellen.
Richtig und problemlos. Man kann das einfach erweitern durch Lochungen, mit denen man die Einzelpläne durch Plastikverbinder aneinanderklipsen kann.
Problem nur wie oben: Druckvorlagenwechsel.

> - Aufwändiger würde die Sache natürlich da, wo Holz- oder
> Kunststoffteile ins Spiel kommen, die individuelle Formen
> aufweisen: Kichen, Schiffe, Lastwagen ...
Da wäre ich ganz kaltschnäuzig: Es gibt genügend brauchbare allgemeine Holzteile (siehe IPUR) in den verschiedensten Farben.
Alles weitere macht man mit bedruckten Papp-Markern.
Damit läßt sich alles realisieren.

Eine entscheidende Sache fehlt noch: Spielkarten.
Alle wesentlichen offenen Punkte betreffen wohl die Drucktechnik, dafür mache ich mal eine eigene Diskussion auf.


> Eine ganz andere Frage ist, wie du ja auch richtig anmerkst, ob
> so ein Konzept sich wirtschaftlich tragen kann.
Wie oben schon gesagt: In voller BoD-Form m. E. nicht.
Es sei denn, ein etablierter Versender (Adam spielt ...) nimmt sich der Sache an.
Das Hauptproblem sehe ich übrigens weniger auf der Kundenseite. Der harte Kern der deutschen Spielerszene ist gar nicht so klein, und überraschend zahlungswillig.

Die Frage ist viel eher, ob es pro Jahr überhaupt so viele interessante Spiele gibt, damit sich ein GoD-Konzept lohnt.

Eine wesentliche Quelle gäbe es, wirft aber weitere Probleme auf: Die Neuauflage vergriffener (insbesondere ausländischer) Spiele.
Wenn man die Rechtefrage klären könnte, gäbe es genug interessante Objekte. Alleine z. B. für eine komplette Ausgabe von Cosmic Encounter würden einige Freaks richtig Geld hinlegen.

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Stefan-spielbox

Re: Brettspiel on demand?

Beitragvon Stefan-spielbox » 18. April 2002, 19:29

Ralf Arnemann schrieb:
>
> Eine interessante Idee, aber wahrscheinlich unrealistisch.

Hallo!

Sooo unrealistisch ist das ganze gar nicht. Ich muß mal wieder den Kosimbereich als Beispiel anführen. Dort gibt es nämliche bereits eine Menge solcher Spiele bzw. Verlage die genau nach diesem Muster arbeiten. Dort werden diese Spiele als sog. "DTP-Games" ("Desktop-Publishing") vertrieben. Wer ein Spiel bestellt, bekommt von Autor ein paar Ausdrucke und das Regelheft zugeschickt. Die Counter muß man dann noch selber basteln, sind aber recht einfach herzustellen (aufkleben, ausschneiden - fertig).

Nun liegt es natürlich in der Natur der Kosims, daß diese mit recht "einfachen" Spielmaterialien auskommen. Meistens eine Hexfelderkarte, Counter in Standardgröße (1/2 Inch), ein paar Übersichtstabellen und das Regelheft. Ist also um einiges einfacher herzustellen als die "normalen" Spiele über die wir hier reden.

Stefan

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Ralf Arnemann
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Beiträge: 2447

Re: Brettspiel on demand?

Beitragvon Ralf Arnemann » 19. April 2002, 11:52

Man könnte auch die 18xx-Szene als Beispiel nehmen, da sind Eigenbauten dieser Art auch üblich.

Du hast schon darauf hingewiesen, daß diese Spiele weit einfacher herzustellen sind als die üblichen Brettspiele. Insbesondere werden geringere Anforderungen an das Spielbrett gestellt, es fehlen Spielkarten und diverses Sondermaterial.

Vor allem aber handelt es sich um reine Hobbyprodukte, an denen der Autor nichts verdient, und bei denen er die Arbeitszeit für die Produktion eines solchen Einzelexemplars nicht rechnet.
Genau daran würde aber wahrscheinlich eine professionelle "Game-on-Demand"-Variante scheitern. Im Gegensatz zu Büchern ist hier eine vollautomatisierte Herstellung nicht möglich.
Wenn auch nur eine Arbeitsstunde für die Produktion eines Spiels nach deutschen Kostenstrukturen bezahlt werden muß, läge der Endpreis wohl in Höhen, die kein Kunde mehr zahlen würde.


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