Beitragvon Roman Pelek » 25. April 2002, 01:09
Hi Stephan,
>> Das finde ich kritisch - Ich kenne einige Leute, die 1830
>> nicht mögen, weil es zu lang ist. Ist es für die jetzt
>> undeveloped und für dich perfekt konstriert?
>Das kann in der Tat so sein. Die Geschmäcker sind halt verschieden.
Wie Peer schon m. E. richtig sagte, haben wir hier ein Problem der Semantik. Wenn Du "underdeveloped" als subjektiv ansiehst, sehen Peer und ich es als sehr harsche Kritik an Autor und Verlag, die objektiver Belege bedarf - das ist vermutlich die Crux. Wahrscheinlich interpretieren wir schlichtweg viel mehr hinein als Du eigentlich meinst.
>Spiele sind wie Bücher, Filme oder Musik. Was dem einen >gefällt, muß dem anderen noch lange nicht gefallen. Deswegen >läßt sich ja darüber (auch in diesem Forum) so trefflich >diskutieren!
Für mich: nein - Spiele sind zwar ein Kulturgut, aber nicht wie Filme, Bücher oder Musik. Filme, Bücher, Musik sind lineare, immer gleiche Kulturgüter (sofern man Musik als Aufnahme begutachtet, Konzerte etc. sind etwas anders). Man mag, je nach Güte und Geschmack, immer neue Details in einer Konstanten entdecken - aber Spiele sind immer von den Mitspielern abhängig und somit jedesmal neu. Das macht ihre Beurteilung so schwierig, auch wenn viele in der Szene anders denken mögen und meine Position da durchaus sehr kontrovers ist. Für mich sind Spiele ein Kunsthandwerk, das impliziert viel mehr. Einerseits die Fähigkeit, durch gelungene Ideen und Themen mitreißen zu können, aber auch das Handwerk: nämlich die Spielmechanik, die über viele unterschiedliche Runden und Partien Abwechslung, Spannung und Balance garantieren muss.
Und wenn ich ein komplexeres Spiel ein, zweimal spiele, kann ich unmöglich Balance oder Abwechslung beurteilen. Bei einem Buch, einem Musikalbum oder Film mögen ein, zwei "Sitzungen" genügen. Aber das ist doch das Spannende an Spielen.
>Bei HvG gefällt mir halt nicht, daß der Zugspieler oft einfach seinem eigenen Ziel nachgehen muß, weil manche Aktionen wie z.B. große Aufträge nur sehr schwer zu erfüllen sind. Wenn jetzt manche sagen, daß man den Großen Aufträgen keine allzu große Beachtung schenken soll, so ist das wahrscheinlich richtig. Dann aber frage ich mich, warum so viele Spielelemente (Warensteine, Lagerhäuser, Auftragskarten usw.) diese Aktion "Großer Auftrag" unterstützen bzw. nur deswegen vorhanden sind.<
Hm, bzgl. der großen Aufträge denke ich immer noch, dass sie schlichtweg gleichberechtigt neben anderen Elementen stehen. Dies impliziert, dass sie lukrativer, aber schwerer zu erfüllen sind. Die Warensteine/Lager nützen auch bei kleinen Aufträgen und beim Handeln mit Mitspielern, die kleine oder große Aufträge zu erfüllen suchen. Und die Wahl der Auftragskarten liegt beim Spieler. Ich sehe da sehr viel Variabilität, die Deinen Thesen entgegensteht.
>Ich finde, das hätte man besser lösen können. Andere mögen das nicht so sehen, kein Problem. Ich vertrete hier halt nur die Ansichten einer Minderheit. <
Es geht hier nicht um Ansichten oder Mehr- oder Minderheitenmeinung m. E. Sondern um eine fundierte, objektive Spielanalyse. Eine Deiner Thesen heißt: "Die Gr. Aufträge sind zu stark und deswegen nur im eigenen Zug zu verwirklichen". Da haben wir in unseren (und andere in anderen) Runden andere Erfahrungen gemacht. Die andere, sogar noch stärkere, da allgemeinere These heißt: "Das sture Verfolgen eigener Interessen im eigenen Zug steht über jeden Verhandlungen - Verhandlungen sind nur lohnend, wenn man gleichzeitig eigene Ziele verwirklicht". Das sind jedoch für mich rein objektive Dinge, die theoretisch sogar berechenbar sind. Mit Geschmack hat das für mich nix mehr zu tun, der bleibt davon unberührt. Man mag die HvG lieben oder hassen, ganz egal, o.g. Dinge sollten objektiv oder zumindest empirisch anhand von Spielprotokollen nachweisbar sein.
Vielleicht habe ich damit ein bisschen besser meine Grenze zwischen Subjektivität und Objektivität dargelegt - zumindest mir geht's nicht darum, ob HvG gefällt oder nicht, sondern ob Kritikpunkte objektiv nachweisbar sind.
Ciao,
Roman