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Herkunft des Gesellschaftsspieles

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Martina Keller

Herkunft des Gesellschaftsspieles

Beitragvon Martina Keller » 15. Mai 2002, 11:40

Hallo Zusammen

Ich bin Handarbeitslehrerin und möchte mit meinen Schülern das Spiel "Dog" herstellen.Ich möchte auch noch kulturelle Aspekte des
Spielens den Kindern vermitteln. Ich kann aber nirgends etwas über die
Herkunft des Gesellschaftsspieles finden.
Wo und wann wurde zuerst in irgendwelcher
Form gespielt? Wann gab es erste Spielherstellungsfabriken? Eine andere Frage, die man sich stellen kann; warum spielt man eigentlich?

Wer kann mir helfen?

Besten Dank

Martina Keller

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Christian Hildenbrand

Re: Herkunft des Gesellschaftsspieles

Beitragvon Christian Hildenbrand » 15. Mai 2002, 11:53

Ciao !

Ich glaube, da kann ich Dir weiterhelfen ... mit einem Buch-Tip:

"Das Spiele-Buch" von Erwin Glonegger

Da findest Du vieles an Hintergründen zu Gesellschaftsspielen.

Ach ja, damit es nicht zu sehr nach Schleichwerbung aussieht:
Dieses Buch findest Du sicher auch zum AUSLEIHEN in einer Bibliothek Deiner Wahl ( :-) ).

Sonnige Grüße !

Ciao, Christian (... heute noch nichts gespielt :cry: ...)

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Roland G. Hülsmann
Kennerspieler
Beiträge: 2598

Re: Herkunft des Gesellschaftsspieles

Beitragvon Roland G. Hülsmann » 15. Mai 2002, 12:09

Martina Keller schrieb:

> Wo und wann wurde zuerst in irgendwelcher Form gespielt?

Ich nehme mal an, seit es Kulturen gibt wird auch gespielt. Eines der ältesten bekannten Spiele ist ein bei Ausgrabungen in UR (Zweistromland) gefundenbes Spielbrett mit Steinen und dieses wird meines Wissens in etwa auf 1800 vor Christus datiert. Natürlich ohne Spielregeln. Man hat allerdings aufgrund des Materials und Bildern von Spielenden die Regeln versucht zu rekonstruieren. RAVENSBURGER hatte in den 80ern eine Version dieses "UR-Spieles" auf den Markt gebracht. Von den Griechen und Römern kennt man auch einige Gesellschafts-Spiele, z.B. frühe Formen unseres heutigen Back-Gammon. Hier wurden kleine Knöchewlchen als Würfel eingesetzt und um das Mogeln beim Würfeln zu vermeiden gab es Würfeltürme, wie wir sie heute z.B. in "Drachenland" finden.

> Wann gab es erste Spielherstellungsfabriken?

Die frühesten Spiele die ich habe ( www.rgh-soft.de/sprace/ludomu.htm ), stammen aus dem 19. Jahrhundert, ich würde aber ziemlich sicher vermuten, daß es schon viel früher kommerziell erstellte Spiele gab.

> Eine andere Frage, die man sich stellen kann; warum spielt
> man eigentlich?

Weil es Spaß macht, natürlich. Warum sonst? ;-)

Für mich ist Spielen eine optimale Art der Entspannung. Wie könnte man besser für einige Zeit der realen Welt entfliehen, als in die Welt eines thematisch dichten Spieles einzutauchen?

Roland

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Günter Cornett

Re: Herkunft des Gesellschaftsspieles

Beitragvon Günter Cornett » 15. Mai 2002, 12:59

Martina Keller schrieb:
>
> Hallo Zusammen
>
> Ich bin Handarbeitslehrerin und möchte mit meinen Schülern
> das Spiel "Dog" herstellen.Ich möchte auch noch kulturelle
> Aspekte des
> Spielens den Kindern vermitteln. Ich kann aber nirgends etwas
> über die
> Herkunft des Gesellschaftsspieles finden.

Hallo Martina,

Mario Boller-Olfert hat auf seiner Seite Ludochron http://www.abspiel.de/chronik/index.htm einige Infos zu alten Spielen veröffentlicht.

Spiele der Inuit
http://healthy.uwaterloo.ca/~museum/vexhibit/inuit/german/dinuit.html


> Wo und wann wurde zuerst in irgendwelcher Form gespielt?

hmmm, bezieht sich das jetzt auch auf Gesellschaftsspiele oder meinst du spielen an sich ?

Da auch Tiere spielen, kann man sagen: der Mensch spielt schon solange seit er Mensch ist. Was Brettspiele angeht, sind wohl Go, Backgammon und Kalaha http://home.joice.net/j100681/v-013-00.htm die ersten Spiele. Da letzteres quasi im Sand gespielt werden kann, können die Anfänge von diesem Spiel wohl nicht sicher zurückdatiert werden.

> Wann gab es erste Spielherstellungsfabriken?

Ich denke Monopoly und Mensch-Ärgere-Dich-nicht sind so zwei Meilensteine der Spielegeschichte. Durch sie wurde das Brettspiel meiner Meinung nach sehr stark verbreitet.

> Eine andere Frage, die man sich stellen kann; warum spielt
> man eigentlich?

Zunächsteinmal, weil es Spass macht. Es hat sicherlich auch die Funktion (insbesondere bei Tieren) Verhalten, das man in der harten Wirklichkeit zum Überleben braucht, in einem geschützen Raum zu lernen und zu trainieren. Aber darauf sollte man das Spiel nicht reduzieren. Man probiert im Spiel einiges aus, was man ausserhalb des Spiels nicht machen würde, weil es da harte Konsequenzen hätte. Man erlebt eine spannende aber stressfreie Zeit. Viele Erfindungen wären sicherlich nicht ohne spielerisches Ausprobieren gemacht worden.

Ich glaube die Frage nach dem Warum kann man sehr unterschiedlich beantworten, je nachdem unter welchem Aspekt man das sieht ( Biologisch, psychologisch,...) Interessant finde ich auch, dass z.B. die Computerspiele ein Motor für die technische Entwicklung von PC, Internet, von Grafik-design sind. Der Spieltrieb ist also schon eine ziemlich starke Kraft.

Die Gründe für den Einzelnen gehen wohl immer in die Richtung: weil es Spass macht, weil man mit Menschen zusammenkommt.

tschüs, Günter

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Hajo

Re: Herkunft des Gesellschaftsspieles

Beitragvon Hajo » 15. Mai 2002, 14:05

Hallo Allseits,

> > Eine andere Frage, die man sich stellen kann; warum spielt
> > man eigentlich?
>
> Zunächsteinmal, weil es Spass macht. Es hat sicherlich auch
> die Funktion (insbesondere bei Tieren) Verhalten, das man in
> der harten Wirklichkeit zum Überleben braucht, in einem
> geschützen Raum zu lernen und zu trainieren. Aber darauf
> sollte man das Spiel nicht reduzieren. Man probiert im Spiel
> einiges aus, was man ausserhalb des Spiels nicht machen
> würde, weil es da harte Konsequenzen hätte. Man erlebt eine
> spannende aber stressfreie Zeit. Viele Erfindungen wären
> sicherlich nicht ohne spielerisches Ausprobieren gemacht
> worden.
>
> Ich glaube die Frage nach dem Warum kann man sehr
> unterschiedlich beantworten, je nachdem unter welchem Aspekt
> man das sieht ( Biologisch, psychologisch,...) Interessant
> finde ich auch, dass z.B. die Computerspiele ein Motor für
> die technische Entwicklung von PC, Internet, von
> Grafik-design sind. Der Spieltrieb ist also schon eine
> ziemlich starke Kraft.
>
Also ein wichtiger Aspekt des Spiels (und einer, den man mal schnell übersieht) ist meiner Meinung nach auch die Möglichkeit, auf friedliche und genau definierte Weise seine Fähigkeiten mit denen eines anderen zu messen. Genauso wie z.B. zu diesem Zweck in allen frühen Hochkulturen Wettkämpfe sportlicher Art veranstaltet wurden, ist auch das Spiel in den meisten Formen ein "Gegeneinander" zweier oder mehr Parteien mit dem Ziel, die entsprechenden Siegbedingungen durch cleveres und/oder geschicktes Agieren zuerst zu erfüllen.

Das reizvolle daran ist, dass diese Art des "Kräftemessens" innerhalb fester Rahmenbedingungen/Regeln geschieht und normalerweise für alle Beteiligten die gleichen Ausgangsbedingungen und somit von Haus aus Chancengleichheit herrschen. Sieg oder Niederlage sollten dabei keinerlei negative Konsequenzen haben, insofern also den letztendlich friedlichen Austausch miteinander fördern.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Vielzahl von Geschichten, in denen sich etwa die SF-Literatur damit auseinandersetzt, dass kriegerische Auseinandersetzungen oder politische Machtkämpfe abgelöst werden durch Spiele mit fest vorgegebenen und mehr oder weniger humanen Regeln.
(Als Beispiel kann ich hier nur jedem Interessierten das Buch "The Player of Games" von Ian M. Banks wärmstens empfehlen!!!)

Aber abgesehen davon ist natürlich der Unterhaltungseffekt eines guten Spiels im Kreis von Freunden und Bekannten einfach immens wichtig! Da stimme ich den anderen Kommentaren völlig uneingeschränkt zu!

Schönen Gruss,


Hajo


"Das Spiel ist das einzige, was Männer wirklich ernst nehmen. Deshalb sind Spielregeln älter als alle Gesetze der Welt."

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Sönke Weidemann
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Beiträge: 531

Re: Herkunft des Gesellschaftsspieles

Beitragvon Sönke Weidemann » 15. Mai 2002, 17:59

Hi!

In der wie ich glaube vorletzten Ausgabe des "Spiegel" war ein sehr interessanter Bericht über die neuesten Erkenntnisse bei der Erforschung der Herkunft des Schachspieles. Auch die Frage, ob das wirklich als "Spiel" oder doch eher als "Kampfsimulation" anzusehen ist, wurde dort erörtert.

Gruß Sönke


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