Beitragvon Gustav der Bär » 6. Juni 2002, 22:00
Also, ich werde jetzt mal erzählen, wie es wirklich war mit der Entstehung der "Siedler von Catan":
Nur wenige Eingeweihte wissen, dass "Die Siedler von Catan" ursprünglich ein altes keltisches Spiel ist, auf das Klaus Teuber als junger Mann eher zufällig stieß. Er befand sich damals mit zwei Freunden (deren Namen ich hier aus Rücksicht auf die Familien nicht nennen möchte) in Irland, genauer gesagt: In der Galway Bay.
Dort recherchierte er für seine Magisterarbeit über zahnmedizinische Behandlungsmethoden der Kelten zur Völkerwanderungszeit. Bis zu diesem Zeitpunkt, soviel konnte ich eindeutig in Erfahrung bringen, hatte er noch niemals ein Spiel erfunden, geschweige denn veröffentlicht.
Eines Tages wurden die drei Freunde bei einem Ausflug von einem Regenguss überrascht und fanden Unterschlupt in einem Wohnwagen, der einer Familie von Tinkern (einer ruhelos in Irland umherwandernden Sippe) gehörte. Wie es der Zufall wollte, litt eine alte Tinkerin, die im Wohnwagen lebte, unter furchtbaren Zahnschmerzen und Klaus Teuber gelang es, ihr mit einfachsten Mitteln in einer raschen Notoperation zu helfen. (Ich glaube, es ging dabei um die Öffnung einer Eitertasche im linken hinteren Unterkiefer - in diesem Punkt bin ich allerdings nicht ganz sicher und möchte mich daher nicht festlegen.)
Der Mann der alten Frau bot Klaus aus Dankbarkeit est Geld, dann einen prämierten Widder an, aber das erste schlug Klaus mit Rücksicht auf die offensichtliche Bedürftigkeit der Familie aus, das zweite mit Rücksicht auf das eingeschränkte Handgepäck eines Flugreisenden.
So erhielt er etwas, das ungleich wertvoller war, als das, was er zuvor ausgeschlagen hatte - und zugleich auch ungleich furchtbarer: Eine alte Handschrift, die - auf wer weiß welche Weise - in den Besitz der Tinker gelangt war und die dem, der sie entziffern konnte, Ruhm und Ehre versprach ... aber für einen hohen Preis.
Die drei jungen Männer dachten sich zunächst nichts weiter dabei, nahmen das Geschenk an - wohl auch, um die etwas peinliche Situation endlich zum Abschluss zu bringen - und verließen den Wohnwagen, als der Himmel aufgeklart hatte. (Nicht von ungefähr sagt man in Irland: "Wenn Ihnen das Wetter bei uns nicht gefällt, warten Sie eine Viertelstunde.".)
Tja, und jetzt beginnt der wirklich seltsame Teil der Ereignisse: Daheim an der Universität von Darmstadt, wo alle drei studierten, begann einer von Klaus Teubers Freunden, in der Bibiliothek mit der Übersetzung des Textes. Er schien ganz in dieser Aufgabe aufzugehen, denn er versäumte die gemeinsamen Treffen, erschien kaum noch zu den Vorlesungen und wer ihn kannte, fand, das sich sein Charakter zum Negativen veränderte.
Schon hatten sich die beiden anderen damit abgefunden, einen Freund verloren zu haben, da wurde ihnen überraschend klar gemacht, wie weit der Verlust wirklich ging: Ihr Freund verschwand spurlos unter Zurücklassung seiner ganzen Habe, darunter auch den ersten Fragmenten der Übersetzung.
Erst ein paar Jahre später - er war bereits im väterlichen Zahnlabor tätig - wurde Klaus Teuber erneut mit diesen schon halb vergessenen Ereignissen konfrontiert. Der zweite Freund, inzwischen als Jurist in einer angesehenen Frankfurter Patentrechts-Kanzlei tätig, hatte damals unbemerkt das Manuskript und die angefangene Übesetzung an sich genommen. Eines Abends rief er - offenbar in Panik - bei Klaus an und bat ihn, sofort zu ihm zu kommen. Nun hatte Klaus damals bereits andere Verpflichtungen, zu dem war die alte Freundschaft durch die Trennung abgekühlt, und er kam der Bitte nicht nach.
Da traf es ihn doch recht hart, als er erfuhr, dass sein alter Freund noch in der Nacht nach dem Telefongespräch ebenfalls spurlos verschwunden war. Doch hatte er noch vor seinem Tod ein Päckchen an Klaus aufgegeben. Als Klaus das Päckchen bekam, fand er darin das Manuskript und eine schon weiter gediehene Übersetzung, an der sein zweiter Freund da weiter gemacht hatte, wo der erste nicht mehr weiter machen konnte.
Tja, und so kam Klaus Teuber in den Besitz der nicht ganz vollständigen Regel eines alten Keltischen Spiels (dessen originaler Name besser nicht genannt wird), das den Kelten wohl als Hilfsmittel diente, Kontakt zu den weniger philantropischen unter ihren Göttern aufzunehmen, und bei dem das wichtigste fehlte und wohl auch für immer fehlen wird: Das geheime Wissen der Druiden um die richtige Anwendung der Regel und die wahre Bedeutung der WORTE.
Klaus Teuber war klüger als seine Freunde: Er versuchte niemals, den Originaltext weiter zu übersetzen. Statt dessen beschäftigte er sich über Jahre hinweg mit den Übersetzungs-Fragmenten und schuf daraus (um es klar zu sagen: Aus einem SEHR kleinen Teil des Textes) das Catan-Grundspiel. Aber es scheint ihn nicht los zu lassen; selbst in der Übersetzung, durch die die WORTE einen großen Teil ihrer magischen Energie verloren haben, zwingt ihn der Text doch immer wieder, weitere Teile der Übersetzung zu nehmen und daraus neue Ergänzungen zu formen.
Wo wird das enden? Ist es wirklich so, wie eine Notiz des ersten Übesetzers wohl andeutet, dass eine namenlose Wesenheit sich aus den WORTEN formt, wenn diese erst alle übertragen wurden?
Ich persönlich mag derli absurde Hypothesen nicht glauben: Es muss eine natürliche Erklärung für die Ereignisse geben ... aber andererseits finde ich es doch beruhingend zu wissen, dass das Originalmuanuskript derzeit in einer versiegelten Stahlkassette in einem verschlossenen Kellerraum des Kosmos-Verlags lagert.
... und dass der Hausmeister, der letztens den Gang vor dieserm Raum gefegt hat, plötzlich angefangen haben soll, in einer unverständlichen Sprache zu reden, halte ich für ein an den Haaren herbei gezogenes Gerücht.
Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)
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"Was wir wirklich brauchen, meine Herren, sind neue Klischees!" (Samuel Goldwyn zu seinen Drehbuchautoren)