Beitragvon Roman Pelek » 16. August 2002, 00:41
Hi Ralf,
Ralf Arnemann schrieb:
>
> Beide Gebäude werden bei uns nur noch als Notlösung genommen,
> wenn gegen Spielende noch Geld übrig ist und ein Siegpunkt
> gekauft wird.
Mach ich oft auch so, liegt aber auch an meinen Lieblingsstrategien. Dennoch halte ich diese Gebäude nicht für reine Notlösungen:
Die Hazienda kann man als Ausgangspunkt für eine Manufaktur/Hafen oder Werft-Strategie nutzen, je nachdem, ob verschiedene Waren oder viel Mais kommt. Vieles ist dann Müll und bleibt unbesetzt, aber die Chancen erhöhen sich, damit wird die Sache kalkulierbar. Zudem kostet sie nur 2 Geld. Ich würde sie, wenn dann, aber primär zu viert oder fünft nehmen, zu dritt eigentlich nie.
Die Bauhütte kann (gerade mit Hospiz) Ausgangspunkt für die "amerikanische" Strategie (das haben wir wohl "Boardgamegeek" zu verdanken :-) ) sein: viele Steinbrüche sammeln, um immer schnell die aktuell billigsten Gebäude zu kaufen und dabei mit gr. Indigo/Zucker oder Tabak auch noch Bedarf zu generieren. Damit verkürzt man das Spiel eklatant durch Kolonisten und kann evtl. noch passabel verschiffen und zum Schluß ein großes Gebäude erwerben. Hauptproblem: deutlicher Tempoverlust im Spiel zu Anfang. Wenn die anderen nur wenig Bedarf generieren oder lukrativ verkaufen, bevor man selbst eine teure Ware hat, wird's auch schwer. Insgesamt eine eher destruktive Strategie m. E., da man primär Spielende forciert und viele nutzlose Gebäude nur für Siegpunkte kauft. Ich mag deshalb diese Spielweise subjektiv nicht, dumm ist sie aber deswegen noch lange nicht. Es gibt bessere, aber auch eine Menge deutlich schlechtere Strategien nach meinem Dafürhalten. Auf jeden Fall gibt's für mich schönere ;-)
> Bei der Hazienda ist kaum zu sehen, wo der Nutzen liegen
> soll. Normalerweise hat man ja schon große Schwierigkeiten,
> seine normalen Plantagen alle mit Kolonisten zu besetzen.
Alles oder auch nur das meiste zu besetzen ist für mich nicht der Schlüssel zum Sieg in PR. Man muss nur immer das richtige besetzen. Hat man z. B. Manufaktur und/oder Hafen, braucht man nicht viele Waren, um Geld und Siegpunkte zu machen. Geht man auf Mais und Werft, ist es primär interessant, noch eine teure, wenig umkämpfte Ware zu halten. Wenn ich auf meine letzten Spiele zurückblicke, hatte ich vielleicht knapp 50% der Plantagen und ca. 75% der Gebäude besetzt.
> Und bei der Bauhütte stellt sich halt die Frage, ob so viel
> Steinbrüche noch etwas bringen. Ein Steinbruch ist immer gut,
> aber den bekommt man besser direkt. Die weiteren haben einen
> schnell abnehmenden Nutzen.
S.o. Immer das aktuell billigste aus der gerade "höchsten" Steinbruchkategorie kaufen kann eine Strategie sein. Bei anderen Strategien kommt man allerdings in der Mehrzahl auch mit 0-2 Steinbrüchen aus, je nach Spielverlauf und Gelegenheit...
> In der Anfangsphase ZWEI kostbare Dublonen zu investieren und
> dazu noch einen Kolonisten abzustellen, der dann nicht
> produziert - das scheint kaum vertretbar.
Wenn man drei Runden später 3 Steinbrüche, 3-4 Mais oder 4 Warensorten für Manufaktur hat, dann ist es das durchaus. Wobei hier zu beachten gilt: zu dritt geht das meist auch ohne diese Gebäude, zu viert und fünft wird's aber zunehmend schwerer. Zumal die Hazienda ja quasi die nicht notwendigerweise bei anderen beliebte Residenz aufdrängt - noch ein Pluspunkt.
Aber um mal Alternativen zu bieten: ich halte das doppelt so teure Hospiz häufig für überschätzt, da es nur für Mais und Steinbrüche unmittelbaren Vorteil bietet und der Rest leicht durch Kolonistenschwemmen ad absurdum geführt wird (okay, dann halt "Festung"...). Auch die kl. Indigoküperei finde ich schwach, da der Aufwand im Vergleich zu Mais doppelt so hoch liegt, der Verkaufserlös aber nur halb so hoch wie bei Zucker. Die gr. Lagerhalle ist ebenso für mich ein "Notlösungsgebäude": entweder man nimmt (normalerweise, wenn vorhanden) die kleine oder spart gleich auf eine Werft. Zwei-drei Sorten lohnend für die Verschiffung auszubauen ist meist zu schwierig bzw. dann locken auch Manufaktur oder Werft, bevor man dies tut. Ich habe nur sehr, sehr wenige Spiele erlebt, in denen sich das gerechnet hat, wenn die Mitspieler ihre Strategien gut spielen.
Nichtsdestotrotz halte ich die Standardgebäudeauswahl für sehr gelungen, denn jedes Gebäude hat seinen Sinn im Spiel und - vor allem - gibt es für mich definitiv keines, das eine eindeutige dominante Siegstrategie vorgibt.
Ciao,
Roman