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neue Spiele erklären

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Tom

neue Spiele erklären

Beitragvon Tom » 23. September 2002, 09:50

Hallo,
immer wieder ist man in der Situation, anderen ein Spiel erklären zu müssen, dass man selbst gut kennt. Gibt es eine "Taktik", wie man dabei am klügsten vorgeht, damit beim Spiel selbst nicht unnötig viele Nachfragen auftauchen? Zuerst das Spielmaterial in aller Ausführlichkeit erklären und jede Funktion erläutern? Oder mit dem Spielziel beginnen und den Möglichkeiten, dorthin zu kommen? Oder den Ablauf einer Runde in Kurzform vorspielen? Oder vielleicht die Mitspieler die Regel selber lesen lassen (und dabei Bier holen gehen)?? Oder ist es ein bewährtes Mittel, zu sagen "Wir spielen einfach mal los, ich sag euch dann, was ich tun müsst!" Ich weiß immer nie, wo ich beginnen soll. Ist es auch ratsam, den "Neulingen" erste taktische / strategische Tipps mitzuliefern? Mich würde mal interessieren, welche Erfahrungen ihr bei der "Regeldidaktik" gemacht habt! Habt Dank,
Tom

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Hanno Schwede
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Beiträge: 392

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon Hanno Schwede » 23. September 2002, 10:34

Hallo Tom,

da mir Dein Name jetzt nicht präsent ist, begrüsse ich Dich mal in unserer kleinen Spielefamilie....

Ich fange meist an mit einer Art Klappentext z.B:

Du spielst einen Fürsten in Florenz und versucht möglichst viele Künstler an Deinen Hof zu holen, die Künstler bringen Dir Geld und oder Punkte. Wer die meisten Punkte hat gewinnt.

Wie es danach weiter geht hängt stark von der Zielgruppe ab, meist erkläre ich aber anhand des aufgebauten Spiels, den Ablauf einer Runde und damit des Spiels. Dabei lege ich vorher Wert darauf das, bei einem komplizierten Spiel die Spieler das Spiel nach meinen Anweisungen aufbauen, sie lernen dadurch das Spielmaterial kennen und machen sich schon mal gedanken zum Spiel, nach meiner Erfahrung sind sie dann konzentrierter wenn ich loslege.

Hanno, der auch diesmal in diesem Zusammenhang auf die besonderen Fähigkeiten von Claudia hinweisen muss, die es immer wieder schafft kompliziertes schnell und sicher zu erklären....

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Gerhard Passler
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Beiträge: 554

Re: Neue Spiele erklären

Beitragvon Gerhard Passler » 23. September 2002, 10:36

Hallo Tom!

Ich mache das dann meistens so, dass ich zunächst nur ganz kurz (10 bis 15 Minuten) die Grundprinzipien des Spieles erkläre. Danach wird ein "Probespiel" (so nenne ich das immer) ausgetragen, während dem ich zu jedem Zug und zu jeder Spielsituation die weiteren erforderlichen Erklärungen abgebe. Nach ein paar Runden - je nach Schwierigkeit des Spiels - wird das Probespiel abgebrochen, jeder der noch irgendwelche Fragen hat, meldet sich und dann beginnt das "richtige" Spiel.
Eventuell auftretende Regelfragen erkläre ich selbstverständlich auch im "richtigen" Spiel jederzeit gerne.
Mit diesem System bin ich bis jetzt immer hervorragend gefahren.

Ich muss da aber auch mal meine Mitspieler loben (auch wenn sie diese Zeilen jetzt nicht lesen), denn diese sind eigentlich immer 100 %ig konzentriert bei der Sache.

Gruß

Gerhard (der nicht nur wegen der vorbildlichen Regeln am liebsten Alea-Spiele erlernt)

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Michael Andersch

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon Michael Andersch » 23. September 2002, 11:00

Hi Tom,

da würde ich Dir folgende Threads an's Herz legen, da wurde das Thema schon mal angeschnitten:

http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=46083&t=46083
http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=9087&t=9087

Viele Grüße,
Micha

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Sven Weiss

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon Sven Weiss » 23. September 2002, 11:50

Die Erklärung endet meist mit dem Satz: "Wir legen einfach mal los, dann wird das schon klar." Und so ist es dann auch immer. Also, klar eine Erklärung zur Übersicht, und dann "learning bei playing." :-)

Gruss

Sven

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friedemann
Kennerspieler
Beiträge: 517

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon friedemann » 23. September 2002, 11:53

Das geht aber nicht mit allen Spielern. Ich habe eine Runde wo fast alle Spieler alle Regeln vorher wissen wollen, bevor sie überhaupt anfangen.

Also ich halte das Ganze definitiv auch für spielrundenabhängig.

Je kürzer das Spiel, desto besser klappt es mit learnig by doing und umgekehrt.

Friedemann

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Frank Schaubrenner

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon Frank Schaubrenner » 23. September 2002, 12:05

jo,
gibt es sicher kein Patentrezept, wobei eines ist bei mir immer gleich,...

der erste Satz nach ner ganz kurzen Hinleitung, um was es geht,.. der Satz lautet,...
"Fragen bitte (bitte)erst stellen, wenn ich Fertig bin " ;-)
es hat sich herausgestellt das damit eine Erklärung erstens schneller und zweitens um Längen effektiever läuft,.. weil man die Erklärung in einem Fluss wesentlich klarer für alle beteiligten ist, und sich viele Fragen eh erledigen

Ich persönlich bin auch ein Mensch der erst wissen will wie das Spiel geht bevor ich anfange,... irgendwie hat mich seinerzeit das Erlebnis geprägt welches ich bei meinem ersten History und Civi hatte,.. da hies es ....fangen wir eingfach mal an,.. und nach ein paar Runden hatte ich es dann,.. und konnte es mangels verfügbarer Möglichkeiten nicht mehr anwenden :-)

Gruss
Frank

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Gustav der Bär

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon Gustav der Bär » 23. September 2002, 14:25

friedemann schrieb:
> Je kürzer das Spiel, desto besser klappt es mit learnig by
> doing und umgekehrt

Ich habe da die genau gegenteilige Erfahrung gemacht: Je mehr "wenn"s und "außer"s in einer Regel stehen, um so weniger läßt sich die Spielregel durch einen reinen Vortrag vermitteln. Es dürfte wirklich schwer sein, ein Spiel wie "Repubilc of Rome" durch ein mündliches Referat über die Spielregel so zu lehren, dass es anschließend von den Zuhörern tatsächlich gespielt werden kann.

Daher gehe ich nach einer kurzen allgemeinen Einführung direkt zum Spielen über, wobei es sich bewährt hat, das erste Spiel (oder jedenfalls die ersten Runden) mit - im genauen Wortsinne - offenen Karten zu spielen.

Dann erkläre ich halt demjenigen, der am Zug ist, welche Handlungsoptionen er jetzt hat, lasse ihm aber immer selbst die Entscheidung: Es geht ja um nix und wenn jemand etwas völlig Falsches, aber Regelkonformes machen möchte, dann ist das ein passender Weg, um die erste Taktik-Erfahrung im Spiel gleich selbst zu machen.

Ich bin aber gern bereit, zuzugestehen, dass die Methode "Erst die komplette Regel erklären, dann spielen" bei anderen Erklärern besser funktioniert. Mag sein, dass das vom eigenen Wesen abhängt, und ich nehme halt lieber gleich Dinge in die Hand und schaue, was ich damit machen kann, als dass ich vorher über theoretische Konzepte brüte. (Wohl deshalb konnte ich mich auch mit der "Turnier-Regel" des Siedler-Kartenspiels nie so recht anfreunden, während das "erweiterte Grundspiel" immer noch zu meinen absoluten Favoriten gehört.)

Die beste Art, Spiele zu erklären, mag also durchaus Erklärer-abhängig sein.

Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)

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Bernd Geiges

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon Bernd Geiges » 23. September 2002, 15:00

Das Problem beim "learning by playing" ist meiner Erfahrung nach, dass hinterher garantiert immer einer rumnörgelt von wegen "Ja wenn Du mir dieses und jenes am Anfang gesagt hättest, dann..."
Bernd

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Mike

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon Mike » 23. September 2002, 15:09

Deswegen ist es ja auch praktisch, nicht zu Ende zu spielen, sondern nur ein paar Runden "probespielen", wie es Gustav ja auch schon meinte.

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Gustav der Bär

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon Gustav der Bär » 23. September 2002, 15:12

Bernd Geiges schrieb:
> Das Problem beim "learning by playing" ist meiner Erfahrung
> nach, dass hinterher garantiert immer einer rumnörgelt von
> wegen "Ja wenn Du mir dieses und jenes am Anfang gesagt
> hättest, dann..."

Vermutlich handelt es sich dabei um jemanden, der nur darauf wartet, an einen Erklärer zu geraten, der erst das komplette Regelwerk vorträgt - damit er sich dann beschweren kann, dass man sich doch unmöglich alle Regeln merken könne, ohne das Spiel einmal komplett gespielt zu haben.

Allerdings kann man den Beschwerdeführer in diesem speziellen Fall darauf hinweisen, dass das erste Spiel ja Bestandteil der Erklärung ist und man die Regeln daher erst bei Abschluß des Spiels alle kennen sollte.

Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)

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Günter Cornett

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon Günter Cornett » 23. September 2002, 15:39

Bernd Geiges schrieb:
>
> Das Problem beim "learning by playing" ist meiner Erfahrung
> nach, dass hinterher garantiert immer einer rumnörgelt von
> wegen "Ja wenn Du mir dieses und jenes am Anfang gesagt
> hättest, dann..."
> Bernd

Oftmals derjenige, der zuvor gedrängelt hatte: "Genug mit der Erklärerei, lass uns los spielen!"


Ein allgemeingültiges Rezept gibt es IMHO nicht. Es hängt von drei oder vier Faktoren ab, welches die angemessene Methode ist:

Vom Erklärer: wie kriegt er das am besten auf die Reihe. Es nützt nix, wenn jemand die 'objektiv beste' Methode wählt, aber seine eigene Art zu denken und zu erklären eine ganz andere ist.

Von den Zuhörern: wie nehmen sie es am besten auf (ist genauso unterschiedlich). Generel kann man wohl sagen: Vielspieler wollen meist mehr Informationen als Wenigspieler.

Vom Spiel: Wie umfangreich ist die Regel ? Welche Informationen sind von Anfang an notwendig ? Unterstützt das Thema das Verständnis der Regel ? Kann ich 'Selbstverständlichkeiten' ungesagt voraussetzen ? Verwandschaft zu bekannten Spielen.

Von anderen Faktoren: zur Verfügung stehende Zeit, Spielort (unruhige Kneipe)


Meistens erkläre ich zuerst allgemein, worum es geht, dann die Einzelheiten (sofern gewünscht). Manche wollen vorher möglichst viel wissen (i.d.R. Vielspieler), andere wollen sich das Spiel lieber erspielen (häufig Wenigspieler).

Gruß, Günter

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Michael Andersch

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon Michael Andersch » 23. September 2002, 18:22

Mike schrieb:
>
> Deswegen ist es ja auch praktisch, nicht zu Ende zu spielen,
> sondern nur ein paar Runden "probespielen", wie es Gustav ja
> auch schon meinte.

Ich persönlich halte Proberunden für vertane Zeit.

Bei einem durchschnittlich komplexen Spiel (Ich würde - für eher-Vielspieler - da die Macher mal als Obergrenze ansetzen, für eher-Nichtsovielspieler vielleicht in etwa DSvC) denke ich funktioniert es schon, vorher alles zu erklären und dann gleich loszulegen.
Zumindest habe ich diese Erfahrung gemacht. Man behält zwar nicht 100% alle details, aber lieber spiele ich mit 95%-Kenntnis "ernsthaft" los als irgendwie wachsweich loszueiern, ständig was dazuerklärt zu bekommen und dann abzubrechen.

Aber diese Ansicht ist natürlich rein subjektiv.

Viele Grüße,
Micha

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Sven Weiss

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon Sven Weiss » 23. September 2002, 18:27

Mir persönlich geht es so, dass wenn ich ein sehr komplexes Spiel erklärt bekomme, ich erstmal mit riesigen Fragezeichen über meinem Schädel dasitze und plötzlich gar nix mehr weiss. Doch wenn man dann anfängt zu spielen, lichtet sich dieses Chaos sehr schnell. Eine Erklärung ist also – logischerweise – motwendig, aber so richtig begreife ich die Sache dann erst beim Spielen selbst, auch und besonders bei komplexeren Spielen.
Und auf diesen Effekt verlasse ich mich auch beim Erklären. Was nicht heissen soll, dass ich nur unvollständig erkläre. Nein, natürlich wird ein Überblick über die Regeln gegeben, und höchstens Nebensächlichkeiten, die am Anfang nur für Verwirrung sorgen würden, werden auf später aufgespart.

Schöne Grüsse

Sven

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Sven Weiss

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon Sven Weiss » 23. September 2002, 18:37

Ich gebe Dir recht. Sicher klappt beim ersten Mal noch nicht alles perfekt, aber eine Proberunde braucht man nur selten. Meistens kann man schon "richtig" loslegen, und nach 1, 2 Runden hat man es auch im Griff. Und die Startfehler kann man dann beim nächsten Mal ausbügeln. ;-)

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Alex

Spiele erklären - Vielspieler

Beitragvon Alex » 23. September 2002, 23:35

In unserem Spieleverein (Igrajem) haben wir glücklicherweise eigentlich jede Woche die Gelegenheit ein neues Spiel kennenzulernen. Liegt z.T. am vorhandenen Spielefundus, aber auch an den fast schon fanatischen Spielesammlern. Wenn eine Erklärung für ein Spiel in diesem Kreis ansteht, verläuft es häufig folgendermaßen:
Versteigert wird wie in Modern Art.
Gehandelt wie bei Siedler.
Die Figuren werden wie bei Civi gezogen.
Die Kämpfe laufen wie bei Minos.
Und die Siegpunkte werden wie bei Euphrat und Tigris ermittelt.

Hat man erst einmal eine gewisse Zahl Spiele gemeinsam kennegelernt, werden die Erkärungen immer einfacher :-)
Also immer spielen, spielen, spielen...
Gruß Alex

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christiane f.

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon christiane f. » 25. September 2002, 01:17

hallo tom und alle anderen,

auch ich bin oefters mal in der situation, spiele zu erklaeren - am tisch und online.
wie ich das tue, haengt von der komplexitaet des spiels ab und von den leuten, denen ich erklaere.
bei einem einfachen spiel wie transamerica oder so ist es einfach. wenige saetze, und es kann losgespielt werden, egal, wem ich erklaere.
schwieriger wird es schon bei komplexeren spielen wie fuersten von florenz oder puerto rico (die ich beide oft in der bsw erklaere).
hier versuche ich, aehnlich wie hanno das geschildert hat, am anfang eine kurze zusammenfassung zu geben, worum es geht, und was das ziel ist.
danach erklaere ich, wie dieses ziel zu erreichen ist - bei 'vielspielerInnen' knapper, bei gelegenheitsspielerInnen ausfuehrlicher (sofern ich die leute gut genug kenne, um das abschaetzen zu koennen). aber in der regel merk ich ja an den reaktionen und den fragen, die gestellt werden, wie ausfuehrlich ich werden muss.
die absoluten sonderfaelle lass ich in der regel wech, und erklaere sie im lauf des spieles.
und beim ersten spiel versuche ich dann, den leuten hilfestellung zu geben - also beispielsweise handlungsalternativen aufzuzeigen oder tipps zu geben, wenn die handlung vorgegeben ist, wie sie am geschicktesten ausgefuehrt werden kann.
um den unterschied zu verdeutlichen, zb bei pr: welche rolle waehle ich? wenn die rolle nicht von mir gewaehlt ist: was tue ich mit dieser rolle, zb baumeister: welches gebauede baue ich?.
meistens versuche ich, meine mitspielerInnen durch fragen dazu zu bringen, dass sie sie selber entdecken, was gut fuer sie ist (ich kann es nicht leugnen, ich war mal lehrerin, zu der zeit, wo der fragend-entwickelnde unterrichtsstil noch in mode war).

uebrigens haben wir in unserer spielegruppe jemanden, der die methode bevorzugt, nur das noetigste zu erklaeren und den rest dann im lauf des spiels, und auch das funktioniert in der regel. ich persoenlich bevorzuge es aber, vorher relativ genau zu wissen, was sache ist.

erklaerte gruesse,

christiane

(kann pr gut erklaeren, verliert aber immer :( )

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christiane f.

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon christiane f. » 25. September 2002, 01:19

oh, falschen smiley erwischt!
so boese wollte ich eigentlich nicht gucken.

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friedemann
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Beiträge: 517

Re: neue Spiele erklären

Beitragvon friedemann » 25. September 2002, 01:21

Möglich, daß es an der Uhrzeit liegt :-) ;-)

Friedemann

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Tom

Re: OT: neue Spiele erklären

Beitragvon Tom » 25. September 2002, 16:13

Hi Christiane,
Danke für Deine Antwort!

> (ich kann es nicht leugnen, ich war mal lehrerin, zu
> der zeit, wo der fragend-entwickelnde unterrichtsstil noch in
> mode war).

Da ich mich auch mal mit Bildung/Methodik/Didaktik beschäftigt habe, frage ich mich: Ist die fragend-entwickelnde Methode denn nicht mehr aktuell? Was macht man denn jetzt an Stelle dessen? Ich hab damit eigentlich immer gute Erfahrungen gemacht.
Wissbegierige Grüße Tom

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christiane f.

[OT] didaktik

Beitragvon christiane f. » 25. September 2002, 23:38

hi tom,

leider kann ich nur einen teil deiner fragen beantworten.

ich stimme mit dir darin ueberein, mit dem fragend-entwicklenden unterrichtsstil gute erfahrungen gemacht zu haben, deshalb betreibe ich den ja beim spieleerklaeren immer noch.
aber von einem bekannten, der vor etwa 5 jahren referendariat gemacht hat, bekam ist gesagt, dass das total veraltet und voellig out ist. sie kriegen gaaaaanz was anderes beigebracht.
er hat dann auch ein paar saetze drueber verloren, was heutzutage in ist, aber ich hab sie mir leider nicht gemerkt. aber so vage schwebt mir was vor von 'unterricht als event' oder so aehnlich - passend zur spassgesellschaft.
allerdings scheint mir der erfolg etwas zweifelhaft zu sein . . .

gruesse aus pisa,

christiane.

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Marco Aschwanden

RE: [OT] didaktik

Beitragvon Marco Aschwanden » 26. September 2002, 11:52

Das vorhergehende Mailing hat mich sehr geärgert. Das Motto: Ich kenn es nicht, ich will es auch gar nicht verstehen, aber ich weiss, dass es nicht gut ist, obwohl ich es nicht kenne, aber die Pisa-Studie gibt mir ja recht.

Der fragend-entwickelnd Unterrichtsform wurde zu Recht zu Grabe getragen - weiter unten erläutere ich die Gründe. Was mich aber am meisten ärgert, dass man glaubt, dass man ein Spiel nach dem fragend-entwickelnden Unterrichtsprinzip erklärt. Das ist natürlich Bullshit. Nein, ihr bedient euch neuster Didaktik, die ihr gleichzeitig in Grund und Boden stampft.

Die neue Didaktik hat folgenden 4-Schritt:

1. Schritt: Ziel / Zweck des Spiels vorgeben
2. Schritt: Infos geben: Regeln erklären (dabei besteht methodische Freihet: Vortragen, Vorzeigen, Anspielen, etc.)
3. Schritt: Umsetzung in Praxis - Transfer: Spielen des Spiels
4. Schritt: Zielerreichung: Haben wir richtig gespielt? Habe ich Fehler gemacht? (Diskussion am Ende des Spiels, Vorsätze fürs nächste Spiel)

Für eine Regelerklärung ist der fragend-entwickelnde Unterrichtsstil denkbar ungeeignet - hier muss man vor allem auf die Methode des Vortragens, aber auch des Illustrierens zurückgreifen. Dabei entstehen Fragen, die beantwortet werden müssen. Dies sind alles verschiedene Methoden, die den Lernprozess am Leben erhalten sollen bzw. ihn fördern sollen. Das ist kein fragend-entwickelnder Unterricht.



Alte Schule: Fragend-entwickelnd Methode
- - - - - - -
L: Liebe Schüler, heute sprechen wir über etwas, dass ihr in eurer Freizeit tut. Was denkt ihr, was es wohl ist?
S: Ähm, Kiffen?
L: Nein.
S: Graffitis sprayen?
L: Nein, etwas, dass man meist mit anderen zusammen macht.
S: Ich trau mich jetzt nicht, das zu sagen.
S: Vielleicht in die Disco gehen?
L: Nein, etwas dass man am Tisch macht.
S: Ah, Essen!
S: Hausaufgaben?
L: Machst du denn deine Hausaufgaben in der Freizeit?
S: Hmm, gute Frage. Irgendwie ist es doch meine Freizeit, wenn ich Hausaufgaben machen muss, aber ist es dann noch "Freizeit"?
L: Das ist ein gute Frage, aber darum geht heute nicht. Alex?
Alex: Malen?
L: Nein, ich meine Spielen. Was spielt ihr denn so?
S: Quake ist cool.
etc.

Eine andere beliebte Möglichkeit ist das Sammeln von Freizeitaktivitäten an der Wandtafel (neues Medium = Abwechslung! - Lehrer muss nicht immer Fragen stellen, um zum Ziel zu kommen und meistens steht das Gewünschte auch auf der Wandtafel und die Lehrperson kann sich darauf beziehen).

Die Grundidee
- - - -
Die Lehrperson weiss, was sie beibringen will, welches Ziel sie zu erreichen sucht. Dazu muss der Unterricht in die entsprechende Richtung gelenkt werden. Das Ziel ist das Geheimnis (und soll Spannung bringen, Interesse wecken) und die Schüler sollen versuchen dieses Geheimnis zu knacken. Um sein Ziel zu erreichen, muss die Lehrperson den Unterricht stark lenken. Mit "echten" Fragen kommt die Lehrperson nicht ans Ziel, sondern sie muss lenkende Fragen stellen. Die Schüler versuchen andauernd herauszufinden, was die Lehrperson hören will. Vielen ist dieses Ratespielen zu blöd (Phänomen: Es machen nur immer die gleichen mit). Echte Fragen (wie zuvor etwa: Was ist "Freizeit"?) haben nicht wirklich Raum, wenn die Lehrperson ihr Ziel zu erreichen sucht.

Schon mal versucht ein Spiel in Form dieses Unterrichts zu erklären:
L: Wir wollen dieses Spiel heute spielen. Was müssen wir machen, damit wir dieses Spiel spielen können?
S: Das Spiel öffnen?
L: Ja, klar, aber was müssen wir zuerst machen, bevor wir spielen können?
S: Das Spiel kaufen?
L: Nein, ich meine nach dem Öffnen der Schachtel.
S: Es aufstellen?
L: Genau. Und wo kann man sehen, wie man das macht?
S: In den Regeln.
L: Wie heissen die auch noch?
S: Gesetze?
S: Spielanleitung.
L: Genau.
etc.

Wenden wir uns von diesen erbaulichen Beispielen ab und gehen wir zur "Spassgesellschaft"-Didaktik.


Neue Schule: Zielorienterte Didaktik
- - - - - -

L: Heute werden wir uns mit dem Thema Brettspiel beschäftigen. Besonders den Aufbau einer Spielanleitung werden wir analysieren. Dies könnte hilfreich sein, wenn ihr künftig ein Spiel erlernen wollt. Wenn ihr nämlich wisst, wie eine gute Spielanleitung aufgebaut ist, geht das viel leichter.

Der Unterricht kann von dieser Ausgangslage viele mögliche Richtungen nehmen / viele didaktische Methoden sind zulässig:

- Den Schülern werden unterschiedliche Anleitungen vorgelegt, die sie nach Gemeinsamkeiten abklopfen sollen und in einem grundsätzlichen Anleitungsraster münden könnte.
- Die Spieler schreiben selber eine Kniffel-Anleitung. Anschliessend werden die Erfahrungsberichte gesammelt (Wo hattet ihr Probleme? Was würdet ihr das nächste mal anders machen? Den Schülern "professionelle" Anleitungen zeigen und Vergleiche ziehen.
- Die Lehrperson erklärt den grundsätzlichen Aufbau / Raster einer Spielanleitung, dazu ist kein Ratespiel notwendig. Er zeigt verschiedene Anleitungen. Die Schüler schreiben selbst eine Anleitung bzw. bewerten verschiedene Anleitungen.
- ...

Der "Spassgesellschaft"-Unterricht besteht aus folgenden vier Elementen:

1. Schritt: (Ziel bekannt geben) Die neue Methodik erklärt dem Schüler zuerst, was das Ziel ist. Das Ziel ist kein Geheimnis, das es zu erraten gilt. Selbst Spielanleitungen haben mittlerweile eingesehen, dass ein Kurzbeschrieb des Spiels zu Beginn, allenfalls mit Siegbedingungen, der Verständlichkeit der nachfolgenden Regeln dienlich ist. Der Lernende erhält einen groben Bezugsrahmen und kann alles Folgende in diesen Rahmen einbauen.

2/3. Schritt: (Infos geben) Die Lehrperson gibt ihr Wissen preis. Das heisst, die Regeln werden erklärt und Unklarheiten beseitigt. Dieser Schritt sollte nicht 2/3 der Unterrichtszeit ausmachen, die Konzentrationsfähigkeit reicht eh nur für knapp 15 Minuten aus.

3/2. Schritt: (Transfer) Das Gelernte wird umgesetzt / angewendet. Im Falle von Spielen, werden diese halt gespielt.

4. Schritt: (Ziel überprüfen) Wurde das Ziel erreicht? --> Verständnisfragen, Test, Rekapitulation, Fixierung, Konsequenzen für nächste Stunden

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Zum Schluss
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Alte Schule: Geheimnisse machen Spass
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"Sie zuckte und stöhnte. Die Erregung konnte man in ihren Augen ablesen. Er schwitzte vor Anstrengung. 'Versuchen wir es nochmals?', fragte er etwas unsicher. Sie stöhnte auf. Dieser verdammte Weisheitszahn wollte sich einfach nicht ziehen lassen."

Der fragend-entwickelnde Unterricht floppt auf der ganzen Linie. Weder ist er sonderlich spannend noch unterstützt er den Lernenden beim Lernen. Wenn der Schüler halbwegs aufmerksam war, weiss er am Ende, was das Ziel der Stunde war.


Neue Schule: Geheimnisse verhindern das Lernen
- - - -
"Dieser verdammte Weisheitszahn wollte sich einfach nicht ziehen lassen. Die Erregung konnte man in ihren Augen ablesen. Er schwitzte vor Anstrengung. 'Versuchen wir es nochmals?', fragte er etwas unsicher. Sie stöhnte auf."

Zwar ist es so kein Witz mehr, aber der Leser weiss von Anfang an, worum es geht. Die nachfolgenden Informationen werden so im richtigen Rahmen eingebettet.

- - - - -
Gruss,
Marco

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christiane f.

RE: [OT] didaktik

Beitragvon christiane f. » 26. September 2002, 22:15

hallo marco,

ich bin ziemlich sicher, dass du mein posting missverstanden hast, bin aber im moment zu muede fuer eine ausfuehrliche antwort.
aber sie kommt demnaechst!

gruss, christiane.


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