Beitragvon Martin Wehnert » 10. Oktober 2002, 21:05
Lieber Fritz,
vielen Dank für dein „Lob“ an die Marburger Schule. Da ich dort in einem Spieleladen arbeite, sitze ich natürlich an der Quelle und wir hatten anscheinend Glück, so früh (schon am 2.Oktober) das Spiel bekommen zu haben. Es ist zwar schwer, schon nach einem Spiel zu urteilen, aber ich habe ja klar gemacht, daß dies mein erster (obwohl wahrscheinlich auch letzter) Eindruck ist. Unsere Spieldauer hatte zum einen sicher mit den Regeln zu tun, da wir öfter mit den diversen Regeln von HdR, Feinden und Sauron jongliert haben. Außerdem war unsere Partie eben gleich mit den Feinden und damit auch noch länger als wohl nur mit HdR und Feinden. Wir spielen aber auch deswegen etwas länger am HdR, weil wir gerne unsere Strategie diskutieren, abwägen und gemeinsam entscheiden. Ein „stilleres“ Spiel wäre sicher schneller, aber die Diskussionen empfinde ich gerade als einen wichtigen Reiz des Spiels.
Du bittest mich, die Regel ausführlicher zu kritisieren. Na gut, dann nehme ich mir die Regel einfach mal vor und gehe sie der Reihe nach durch.
1. Ein erstes Problem stellte natürlich das Spiel gleich mit beiden Erweiterungen dar, da die Regel erst einmal für das Grundspiel mit Sauron geschrieben ist und nur ab und zu auf die Feinde Bezug nimmt. Empfehlung: Erst mal ohne die Feinde spielen.
2. Was passiert, wenn der Sauron-Spieler eine Nazgul-Karte gespielt hat. Wann werden diese ergänzt? Das findet sich leider nicht beim Text über diese Karten sondern erst viel später beim Schwarzen Reiter und beim Ende einen Abenteuers. Irgendwann kommt man da zwar hin, aber als Spieler will man doch gleich wissen, wo der Nachschub her kommt, wenn es denn welchen gibt.
3. Sauron kann selbst eine Karte mit einem Würfelsymbol ausspielen. Das bedeutet einfach, daß er wieder dran ist. Damit klingt es völlig blödsinnig und man beginnt, den Verständnisfehler zu suchen. Erst im Spiel wird klar, daß er sich damit die Möglichkeit verschaffen kann, 6 neue Karten zu ziehen. Eine Möglichkeit, die er zwar hat, wenn er durch ein Würfelsymbol, nicht aber wenn er durch den Beginn eines Hobbitzugs ans Spiel gebracht wird. Ein kleiner Tip für den Sinn dieser Karte wäre hilfreich, vor allem, da alle anderen Möglichkeiten der Handkarten benannt werden (Seite 4 oben Mitte unter 1).
4. Die Lichtplättchen! In dem wohlgemeinten Versuch, ihre Auswirkungen im Fließtext zu erklären, obwohl sie direkt danach noch einmal einzeln nacheinander abgearbeitet werden heißt es wörtlich: „Zieht ein Hobbitspieler einen Positionsstein auf ein Feld mit einem Lichtplättchen, so nimmt er das Plättchen aus dem Spiel und erhält die auf dem Plättchen angezeigte Unterstützung, d.h. er erhält die entsprechende Anzahl an Hobbitkarten bzw. Schilden oder die Möglichkeit, seine Hobbitfigur sofort auf der Finsternisanzeige um zwei Schritte ins Licht zurückzubewegen.“ Das haben wir missverstanden als ständige Möglichkeit, statt das Plättchen auszuführen, den Hobbit um zwei Felder zurückzusetzen. Erst als das direkte Plättchen „Der Hobbit kann 2 Felder zurückgesetzt werden“ auftauchte, kam uns die Sache spanisch vor und nach mehrmaligem Vor- und Zurücklesen wurde klar, daß sich die beiden unscheinbaren Buchstaben „d.h.“ auf den gesamten folgenden Text und nicht nur auf Karten und Schilde bezogen. Zugegeben nicht falsch aber doch missverständlich formuliert.
5. Das Spiel mit den dunklen Ereigniskärtchen. Simpel: Zieht der Spieler ein Kärtchen, kann er es ablehnen. Dann muß er ein zweites Plättchen ziehen, daß er ausführen muß. Diese Regel wird zweimal hintereinander erklärt. Einmal mehr oder weniger wie gerade beschrieben und direkt im Anschluß superkompliziert (erspart mir bitte das Abtippen). Einziger Sinn soll wohl sein (gestern Nacht habe ich ihn nicht mehr finden können, jetzt dämmert es mir), daß man klar merkt, ob ein zweites Kärtchen gezogen wurde, weil das erste ein böses Ereignis war oder weil man das erste abgelehnt hatte.
Insgesamt findet man schon alle Regeln, die man braucht, nur oft nicht an der Stelle, wo man sie vermutet. Daher haben wir oft die Regel nochmal durchgeblättert und bei allen in Frage kommenden Punkten gelesen. Mein Tip, der auch schon für den HdR und die Feinde gilt: Nach dem ersten Spiel die Regel einfach nochmal komplett durchlesen. Vieles wird leider dann erst richtig klar. Zur Ehrenrettung muss allerdings auch gesagt werden, daß HdR und alle Erweiterungen ebne kein „übliches“ Spiel sind und neuartige Spiele sind immer erst einmal schwer zu erklären. (Wer sich damals durch die erste Adel verpflichtet Regel gekämpft hat oder auch Bohnanza und Mamma Mia nicht auf Anhieb verstanden hat, weiß, was ich meine.)
Mein Fazit: HdR und die Feide werde ich nach wie vor gerne spielen. Sauron werde ich am ersten Novemberwochenende beim Spielertreff der „Spielwiese Fulda“, den ich veranstalte, den über 100 Teilnehmern zum Spielen geben. Vielleicht spiele ich es da doch noch einmal...
Ich denke wir sehen uns in Essen,
bis dahin tschüß
Martin