Beitragvon Michael Knopf » 15. Oktober 2002, 11:46
Lieber Benno,
also weiter: Es wird Dich nicht wundern, daß ich in allen Punkten (bis auf den ersten natürlich...) widersprechen muß - was zum Teil recht leicht ist, weil Du Unhaltbares behauptest.
- Es ist ein gängiges Klischee, daß den Bezug zum "Nichtprofi" verloren habe, wer gewisse, vielleicht durchaus massentaugliche Spiele negativ beurteilt. Ich sage es noch einmal: Es gibt gute und weniger gute "einfache" Spiele, und ich sehe meine Aufgabe als Kritiker nicht darin, zu loben, was vielen gefällt, nur weil es vielen gefällt. Leider ist das in allen Bereichen so: Wer einen beim sogenannten breiten Publikum erfolgreichen Film oder ein Buch verreißt, gilt als abgehoben oder arrogant oder was auch immer. Der ehemalige RTL-Chef Thoma sagte: Wenn wir in der SZ positiv besprochen werden, haben wir was falsch gemacht... Sind wir jetzt bei den Spielen auch soweit?
- Soweit ich einen Überdruß habe, gilt er nicht den Spielen als solchen, sondern dem Mittelmäßigen. Wer viele Spiele kennt, erkennt auch die ewige Wiederkehr des Gleichen, die Einfallslosigkeit, und momentan eben: den Trend zum vorsätzlich Banalen. Das ist aber kein Nachteil für die Kritikertätigkeit, sondern eher ein Vorteil.
- Die Unterstellung, ich hätte wegen "Horizontverlust" und "Überdruß" die Jury verlassen, ist nichts als boshaft und stellt alle Tatsachen auf den Kopf. Du weißt es besser, denke ich, und wenn nicht, soll es mir auch egal sein.
- Ich richte meine Urteile an denen der Jury aus, jeweils umgekehrt? Meine Güte, das ist empirisch völlig haltlos; ich sage nur "Villa Paletti".
- Ein Spiel schlechter zu finden als der Autor oder andere Kritiker, ist keine unkorrekte Behandlung, sondern höchstens ärgerlich für den Betroffenen.
- Jemandem den guten Willen abzusprechen, weil er anderer Meinung ist, halte ich für ziemlich schlicht.
Schönen Gruß,
Michael