Beitragvon Oli-spielbox » 21. Oktober 2002, 22:45
Hallo Bohnhansa-Tester!
Direkt nach dem Spiel fiel es mir schwer, eine genaue Beurteilung abzugeben, aber inzwischen konnte ich mir einige Gedanken darüber machen, die ich hier gerne zur Diskussion stellen möchte. Vielleicht geht es einigen Testern genauso, so dass wir jetzt etwas differenzierter die Vor- und Nachteile dieser Bohnanza-Variante darlegen können. Da AMIGO bzw. Frank Jäger hier öfters vorbeischauen und Uwe Rosenberg vielleicht ebenfalls mal einen Blick ins Forum riskiert, hilft ihnen dieser Thread hoffentlich bei der Optimierung des Spieles. Fairerweise erwähnen sollte ich aber, dass Einige es schon in dieser Form sofort kaufen würden. ( http://www.spielbox.de/phorum4/read.php4?f=1&i=53171&t=52910 ), aber bei Anderen (z. B. unserer Testgruppe) kam es nicht so gut an. (Ich gebe aber gerne zu, dass es BohnHansa zumindest bei mir sehr schwer hatte, denn Bohnanza ist eines meiner absoluten Lieblingsspiele. :) )
Was ist gegenüber BohnanzZa anders?
Vor allem muß hier das Spielbrett genannt werden. Auf diesem sind mehrere Städte (Ich glaube, es waren 9.) abgebildet, die durch Wege verbunden sind. Jede Stadt produziert 2-3 bestimmte Bohnensorten. Jeder Spieler spielt nun einen Bohnenhändler, der in einer Stadt Bohnen kauft und in einer anderen wieder verkauft. Dies wird durch Auftragskarten vorgegeben, auf denen die Zielstadt, die 2-3 dort benötigten Bohnen und der einzustreichende Geldbetrag bei Erfüllung des Auftrages angegeben sind. Es werden also keine Felder mehr angebaut und geerntet, sondern Bohnen ge- und verkauft. Diese sind nicht mehr als Karten auf der Hand, sondern werden als Marker vor einem abgelegt (max. 8 pro Spieler). Dennoch hält man Karten in der Hand, die sogenannten Reisekarten. Das sind einfach 7 Karten, wovon nur 2 eine bestimmte Bedeutung haben: Spielt man die Zollkarte, dann muß man 20.000 Taler in die Bank zahlen; spielt man die Nachschubkarte, dann werden in 3 Städten neue Bohnen produziert. Warum legt man dann überhaupt die Zollkarte? ;) Nun, da kommt das bohnanza-spezifische ins Spiel: Die 7 Karten werden in festgelegter Reihenfolge auf die Hand genommen und von vorne abgespielt, d. h. früher oder später fällt auch die Zollkarte.
Zum Spielablauf: Man sucht sich eine Stadt, in die man reisen möchte und legt für jede Stadt, die man durchquert (inkl. der, in der man steht), eine Reisekarte ab. Diese werden hinterher wieder auf die Hand genommen, aber hinter die anderen Karten gesteckt, Zoll- und Nachschubkarten zuerst und danach die übrigen Karten. Wer also weit reist, muß viel Zoll zahlen, bringt aber auch häufig Nachschub ins Spiel.
In der Stadt darf man die dort produzierten Bohnen kaufen und einen Spieler einladen und dann mit ihm handeln, d. h. dieser Spieler steht meist erst einmal in einer anderen Stadt. (Man kann natürlich auch mit einem bereits in der Stadt stehenden Spieler um Bohnen handeln, muß ihn dafür aber nicht mehr einladen.). Wenn er der Einladung folgt, muß er nur eine Reisekarte zahlen, um in die Stadt des Zugspielers zu kommen. Dort handelt er dann mit dem einladenden Spieler um Bohnen. Das ganze ist eine sehr billige Art zu reisen, so dass auch schon einmal Bohnen verschenkt wurden, nur um eingeladen zu werden!
Wenn der Spieler fertig ist, zieht er eine neue Auftragskarte und steckt diese hinter die Reisekarten. Diese rutscht mit nach vorne und wird ebenfalls zum Reisen benutzt. Macht man dies, kommt aber nicht in der darauf angegebenen Zielstadt zum Stehen oder es fehlen einem Bohnen zum Ausführen des Auftrages, dann verfällt dieser.
Schließlich ist der Nächste an der Reihe. Ganz am Ende kann man noch seine verbleibenden Bohnen an die Bank verkaufen und wer dann die meisten Taler besitzt, hat gewonnen. (Ein paar Details fehlen noch, aber die spreche ich noch an bzw. sind für einen groben Überblick m. E. nicht so wichtig.)
Zuallererst unterstelle ich jetzt mal, dass BohnHansa eine taktischere Variante des Kartenspieles sein soll. Alles andere würde ich angesichts des lockeren, flüssigen aber sehr spaßigen Spielverlaufs von Bohnanza für fast schon unmöglich halten. Auf den ersten Blick macht es auch den Eindruck, als ob es durch das Spielbrett und die Auftragskarten an Planbarkeit gewonnen hat. Man kann sich schon früh darauf vorbereiten, welche Bohnen man kaufen/erhandeln und wann man in welcher Stadt sein sollte. Leider wird dies m. E. hauptsächlich durch 2 Dinge wieder ausgehebelt.
Zum Einen werden die Auftragskarten gewöhnlich einfach gezogen und hintendran gesteckt. Dadurch hat es jemand mit vielen benachbarten Zielstädten leichter als jemand, der ständig über das ganze Brett ziehen muss. Letzterer braucht mehr Reisekarten und zahlt dementsprechend häufiger Zoll. Außerdem bringen die Aufträge unterschiedlich viel Geld ein. Zwar benötigt man für die geringer dotierten nur 2 Bohnen (für die höheren dagegen 3), aber wenn man dann noch mehr reisen und deshalb mehr Zoll bezahlen musste, lohnte sich das kaum noch.
Zum Anderen bringen die Nachschubkarten einen hohen Glücksanteil rein. Die oberste Karte „Neue Ernte“ wird immer dann aufgedeckt und ausgeführt, wenn jemand während seiner Reise seine Nachschubkarte spielen musste. Dann werden in den 3 darauf abgebildeten Städten neue Bohnen ausgelegt, die dann auch billiger zu erwerben sind (großes Angebot = kleiner Preis). Dumm nur, wenn dann gerade die Bohnensorte, die man braucht, nicht oder nur sehr teuer auf dem Brett vorhanden ist.
Aufbrechen könnte man dies durch den Handel, aber der kommt gegenüber Bohnanza kaum in Gang. Zuerst einmal muß man gar nicht unbedingt handeln, da man bei halbwegs glücklichem Nachziehen seine Aufträge auch so durchbekommen kann. Dann muss der Spieler, mit dem man handeln will, überhaupt bereit sein, zu Einem zu reisen. Danach gibt es kaum Verhandlungen, sondern die Bohnen werden eigentlich immer 1:1 getauscht. Da pro Auftrag höchstens 3 gebraucht werden, ist eine einzelne Bohne natürlich viel wertvoller als im Kartenspiel, so dass ein 2:1 Tausch eher selten vorkommt. Zusätzlich weiß man durch seine Aufträge natürlich schon, welche Bohnen man bald braucht, so dass kaum ein Spieler mehr als 2 oder 3 Bohnen überzählig hat.
Durch Glück wird ebenfalls die Startposition und die Anfangsbohnen bestimmt und diese können - je nach darauffolgenden Aufträgen - schon für große Unterschiede sorgen. Ebenso hat derjenige Glück, der am Schluß in einer Stadt mit Bohnenüberangebot sitzt, wo er sich billig eindecken und diese dann teurer an die Bank verscherbeln kann. War zwar bei uns nicht ausschlaggebend, könnte es aber bei einer knappen Runde sein.
Meine Kritikpunkte kurz zusammengefasst: Der Glücksanteil ist mir einfach zu hoch bzw. der eigene Entscheidungsanteil zu niedrig. Vielleicht sollte man 3 Auftragskarten offen auslegen, wovon man sich dann die am besten passende aussuchen kann. Ebenso wäre es überlegenswert, bei der Ernte immer abwechselnd jeweils 3 Städte mit neuen Bohnen zu versorgen. So ist eher abzusehen, wann welche ins Spiel kommen. Außerdem passiert es nicht so leicht, dass eine Sorte ganz ausgeht. Auch sollte man sich überlegen, ob die restlichen Bohnen am Schluß wirklich noch an die Bank verkauft werden müssen. Warum nicht einfach verfallen lassen? Schließlich würde ich noch die Handelsphase aufwerten; die kommt bei diesem Prototyp einfach zu kurz. Möglicherweise hilft es schon, wenn man Geld ebenfalls handeln kann, glaube ich aber eher nicht. Das Problem ist eher, dass man jemanden erst einladen muss, um mit ihm zu handeln. Wenn der nicht aus seiner Stadt weg will, war’s halt ein sehr kurzer Handel. Eine gute Idee, um das zu vermeiden, ohne das Spielthema zu verletzen, habe ich leider auch noch nicht. (Vielleicht auch so etwas wie Optionen auf spätere Bohnenkäufe handelbar zu machen? :-? Aber dann haben wir schon mehr ein Börsenspiel.)
Gegenüber Bohnanza verliert BohnHansa jedenfalls an Spielspaß und Lockerheit, ohne in entsprechendem Maße an Spieltiefe zu gewinnen. In der momentanen Fassung würde ich jedem weiterhin das Kartenspiel empfehlen.
Geht es denn den anderen Testern genauso? Habt Ihr die gleiche Kritik oder störten Euch ganz andere Sachen? Was für Verbesserungsvorschläge habt Ihr? Es wäre doch gelacht, wenn die versammelte Forumsgemeinde ;) diesem schon recht ansprechenden Prototypen nicht ein paar super Verbesserungen geben könnte. Ich bin mir sicher, Uwe Rosenberg und AMIGO werden mit Interesse diese Diskussion verfolgen.
Ciao, Oli
P.S. Übrigens, vielen Dank für die Möglichkeit, BohnHansa schon einmal als Prototyp testen zu dürfen. Das hat uns eine Menge Spaß gemacht und wird hoffentlich von AMIGO bei der nächsten Messe wiederholt.