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Schaden durch "Spiel des Jahres"

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
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Dieter Niehoff

Schaden durch "Spiel des Jahres"

Beitragvon Dieter Niehoff » 24. Oktober 2002, 18:53

Das meckern über den Verein "Spiel-des-Jahres" hier im Forum wahrlich alles andere als neu und pfiffig, aber durch die Lektüre der neuen FAIRPLAY angeregt, wären Meinungen der Forumsteilnehmer veilleicht für den ein oder anderen Leser von Interesse.

In der aktuellen FAIRPLAY hat Chefredakteur Herbert Heller mit einem differenzierten Artikel ( " ... über Vergangenheit und Zukunft des "Spiel-des-Jahres" Preises") unsern Lieblingsverein seziert.

Die Lektüre der dortigen 6 Seiten ist sehr unterhaltsam und auch durchaus lesenswert.

Herbert Heller führt eine Kette von Begründungen (oder Meinungen, je nach Lesart) an, warum der Verein "Spiel-des-Jahres" seinen eigentlichen Vereinszielen

- Spiel als Kulturgut einem breiten Publikum bekannt zu machen
oder
- Verkaufshilfe zu sein
oder
- Neue Akzente für die Idee des Spiels in Familie und Gesellschaft zu setzen

eher schadet als hilft.

Einige Zitate:

"Wenn ein Käufer zur Vorweihnachstzeit in einen Laden geht, um ein Spiel zu kaufen und dann zum aktuellen Preisträger greift, (...) dann ist dies kein Erfolg der Jury im Sinne ihres Vereinsziels. Eher kann dies als Verlust für die nicht preistragenden Verlage gesehen werden, denn ein Spiel wollte der Käufer ja sowieso kaufen."

"Das (Spiel-des-Jahres-)Logo verkauft sich, nicht zuletzt durch den günstigen Verkauspreis in den großen Handelsketten, prima. Natürlich wurden die verschiedenen Preisträger unterschiedlich häufig verkauft, doch dieses Problem dürfte durch den neuen (vom Verein selbst gewollten) Trend zu "leicht, locker, luftig" zugunsten der Ladenkasse erledigt sein. Der Preis passt sich so windschnittig seinem Vertriebsweg an."

"Wenn der Verein aber mit dem Preis tatsächlich in erster Linie noch immer das Kulturgut Spiel fördern will, dann sind ... Veränderungen einfach unvermeidbar.(...) Der massenhafte Verkauf eines Spiels .... ist doch keine Förderung, sondern eher eine Behinderung der Spielidee."

"Der Preis in der jetzt praktizierten Form ist eine optimierte, kommerzielle Veranstaltung. Dass die Juroren hektisch mit dem Fähnchen "Kulturgut" wedeln, ändert daran gar nix."


Wie fanden andere FAIRPLAY-Abonnenten Herbert Hellers Abrechung?

fragt
Dieter Niehoff

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Manuel Hewitt

RE: Schaden durch "Spiel des Jahres"

Beitragvon Manuel Hewitt » 24. Oktober 2002, 19:59

"Dieter Niehoff" hat am 24.10.2002 geschrieben:

> "Wenn ein Käufer zur Vorweihnachstzeit in einen Laden geht,
> um ein Spiel zu kaufen und dann zum aktuellen Preisträger
> greift, (...) dann ist dies kein Erfolg der Jury im Sinne
> ihres Vereinsziels. Eher kann dies als Verlust für die
> nicht preistragenden Verlage gesehen werden, denn ein Spiel
> wollte der Käufer ja sowieso kaufen."

Es kann auch ein Einstieg in das Hobby oder den Zeitvertreib Spielen sein. Wenn einfach wahllos irgendein Spiel gekauft wird, das dannn nicht für Einsteiger geeignet ist, so wird derjenige vielleicht in absehbarer Zeit keine Spiele mehr kaufen.
Kauft er sich aber ein Siedler oder ein Villa Paletti, dann gefällt ihm das vielleicht und will was ähnliches spielen usw usw.

> "Wenn der Verein aber mit dem Preis tatsächlich in erster
> Linie noch immer das Kulturgut Spiel fördern will, dann
> sind ... Veränderungen einfach unvermeidbar.(...) Der
> massenhafte Verkauf eines Spiels .... ist doch keine
> Förderung, sondern eher eine Behinderung der Spielidee."

Was will man denn? Einen Preis, der Käufer nicht ermuntert, das damit ausgezeichnete Spiel zu kaufen?
Man erfinde einfach einen neuen Preis mit schönem Logo. Die Kritiker verleihen ihre Seele dem Teufel, sofern sie bei der Abstimmung irgendeinen kommerziellen Gedanken haben. So, heraus kommt ein prämiertes Spiel, dass der 'Spielidee' entspricht. Der Handel wird hingehen und viel davon ordern. Die Kunden sehen die Auszeichnung und werden es bevorzugt kaufen. Ups, haben wir das nicht schon? Genau, das SdJ.
Mal ehrlich, so eine Auszeichnung wird immer einen kommerziellen Erfolg nach sich ziehen. Ob nun gewollt oder nicht.
Ich habe ein paar SdJ und find sie alle ganz gut. Es sind sehr unterschiedliche Spiele für unterschiedliche Menschen. Man kann es natürlich nie allen Recht machen.

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Harald Schrapers

Re: Schaden durch "Spiel des Jahres"

Beitragvon Harald Schrapers » 24. Oktober 2002, 21:14

Offensichtlich kommt der Artikel bei den Fairplay-Leserinnen und Lesern gut an. Jedenfalls war das die Resonanz, von der ich gehört habe.

Zu ergänzen ist, dass Herbert Heller nicht nur kritisiert hat, sondern einen konstruktiven - und in seiner Argumentation logischen - Vorschlag gemacht hat. Der Preis dürfe nicht noch unkomplizierter werden, schreibt er. "Ganz im Gegenteil. Der Preis muss so angelegt sein, dass Erklärungsbedarf besteht. Es mag hier mehrere Möglichkeiten geben, persönlich würde ich eine Aufteilung des Hauptpreises empfehlen."

Ich muss allerdings davor warnen, den 6-seitigen Artikel hier auf der Grundlage von einem knappen Dutzend zitierter Sätze zu debattieren. Das würde der Argumentationslinie unrecht tun.

Gruß
Harald.

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Dieter Niehoff

Re: Schaden durch

Beitragvon Dieter Niehoff » 24. Oktober 2002, 21:27

Harald Schrapers schrieb:
>
> Ich muss allerdings davor warnen, den 6-seitigen Artikel hier
> auf der Grundlage von einem knappen Dutzend zitierter Sätze
> zu debattieren. Das würde der Argumentationslinie unrecht tun.
>

Ganz meine Meinung. Daher auch meine Anfrage an Abonnenten der FAIRPLAY hier im Forum

Gruß
Dieter Niehoff

P.S.
Woher nimmst Du eigentlkich die Gewissheit, dass Hellers Bericht "offensichtlich bei Abonnenten ganz gut ankommt"?.

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Wolfgang Ditt

Re: Schaden durch "Spiel des Jahres"

Beitragvon Wolfgang Ditt » 24. Oktober 2002, 22:52

Hallo Dieter,

ich bin kein Fairplay-Abonnent und die Auszüge aus dem Bericht zeigen mir, warum ich es auch nicht werde. Ich teile aber auch nichts von dem, was da steht:

> "Wenn ein Käufer zur Vorweihnachstzeit in einen Laden geht,
> um ein Spiel zu kaufen und dann zum aktuellen Preisträger
> greift, (...) dann ist dies kein Erfolg der Jury im Sinne
> ihres Vereinsziels. Eher kann dies als Verlust für die nicht
> preistragenden Verlage gesehen werden, denn ein Spiel wollte
> der Käufer ja sowieso kaufen."

Also, das sehe ich genau andersherum. Das Spiel des Jahres hat ganz andere Wege: so bewirbt es der Marktkauf zum Vorzugspreis, macht kaum Gewinn und verdient am Lachs und Sekt zu Weihnachten. Genügend kaufen dort das SdJ, die sonst kein Spiel gekauft hätten...

> "Das (Spiel-des-Jahres-)Logo verkauft sich, nicht zuletzt
> durch den günstigen Verkauspreis in den großen Handelsketten,
> prima. Natürlich wurden die verschiedenen Preisträger
> unterschiedlich häufig verkauft, doch dieses Problem dürfte
> durch den neuen (vom Verein selbst gewollten) Trend zu
> "leicht, locker, luftig" zugunsten der Ladenkasse erledigt
> sein. Der Preis passt sich so windschnittig seinem
> Vertriebsweg an."
Der Trend zu "leicht, locker,luftig" geht auf den Kunden zu. Warum ist Carcassonne erfolgreicher als Torres? Weil mehr Menschen Zugang zu Carcassonne finden als zu Torres. Wer viel spielt möchte, fast natürlich, höhere Herausforderungen. Die soll er auch bekommen, aber für jemanden, der nicht viel spielt, wird die Herausforderung leicht zur Überforderung.

> "Wenn der Verein aber mit dem Preis tatsächlich in erster
> Linie noch immer das Kulturgut Spiel fördern will, dann sind
> ... Veränderungen einfach unvermeidbar.(...) Der massenhafte
> Verkauf eines Spiels .... ist doch keine Förderung, sondern
> eher eine Behinderung der Spielidee."

Nun, das ist die Haltung von Menschen, die sich in einem Spezialgebiet der elitären Schicht zugehörig fühlen und oft genung den Kontakt zum "Normalvolk" verloren hat (Welcher Literaturpapst kannte bei der SKL-Show Harry Potter nicht?). Was dabei herauskommt sieht man besten beim Film: der Film bekommt das Prädikat besonders wertvoll und kaum einer will ihn sehen. Hier stellt sich die Frage, was ist Kulturgut und was ist Förderung? Will ich ein Medium fördern, gilt es zuerst, die Berührungsängste abzubauen. Filme wie Herr der Ringe oder Harry Potter locken Millionen und fördern damit Film- und Kinokulter. Bei Spielen geht es eben besser mit Carcassonne als mit Euphrat & Tigris (um beim selben Verlag zu bleiben).


> "Der Preis in der jetzt praktizierten Form ist eine
> optimierte, kommerzielle Veranstaltung. Dass die Juroren
> hektisch mit dem Fähnchen "Kulturgut" wedeln, ändert daran
> gar nix."
Langsam, langsam... dazu muss man sich zunächst einmal die Struktur erfolgreicher Preise anschauen. Es gibt drei Arten: die erste ist der Preis, der selbst nur gering dotiert ist, aber weitgehende wirtschaftliche Folgen hat (bekanntestes Beispiel ist der Oscar). Dann gibt es den rein idellen Preis, manchmal mit einer kleinen Dotierung. Die Preise sind oft begehrt, weil man mit Ihnen seine Kompetenz belegt bekommt. So etwas kennen wir von DSP. Zum Schluss gibt es ganz einfach hoch dotierte Preise, die jeder wegen des Geldes gerne nimmt. Solch eine Struktur ist recht selten.
SdJ ist eine Auszeichnung der ersten Kategorie. Natürlich hängt davon kommerzieller Erfolg ab, nur muss man genau schauen: das liegt nicht am Preis sondern an seiner Vermarktung. SdJ ist ein Preis, der in die Presse kommt (sogar in den Videotext), das schafft sonst nur noch die Spiel in Essen (Nürnberg auch, ist aber nicht nur Gesellschaftsspiel).

Ohne das Spiel des Jahres würde es weit weniger Aufmerksamkeit für Spiele geben. Und auch keine geförderten Projekte wie das Spielearchiv. Dabei brauchen wir im Internet gar nicht bis dorthin zu schauen, Luding liegt uns vermutlich näher.

Wolfgang (liest erst nach der Erstellung dieses Texte andere Reaktionen - Sandra, bitte melden!)

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Harald Schrapers

Re: Schaden durch

Beitragvon Harald Schrapers » 25. Oktober 2002, 07:29

> Woher nimmst Du eigentlkich die Gewissheit, dass Hellers
> Bericht "offensichtlich bei Abonnenten ganz gut ankommt"?.

Es ist keine Gewissheit, sondern eine fundierte Vermutung: Wenn der Artikel bei den LeserInnen schlecht angekommen wäre, hätte es am Messestand der Fairplay mit Sicherheit reihenweise entsprechende Kommentare gegeben.

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Tom

Re: Schaden durch "Spiel des Jahres"

Beitragvon Tom » 25. Oktober 2002, 09:34

Wolfgang Ditt schrieb:
>
> Hier stellt sich die Frage, was ist Kulturgut und
> was ist Förderung? Will ich ein Medium fördern, gilt es
> zuerst, die Berührungsängste abzubauen.
>
> Ohne das Spiel des Jahres würde es weit weniger
> Aufmerksamkeit für Spiele geben.

100% Zustimmung!
Möglicherweise kann sich jemand noch an eine Zeit in seinem Leben erinnern, in der er größtenteils anderen Beschäftigungen nachgegangen ist als dem Spielen. Ich jedenfalls kann mich noch gut daran erinnern, wie ich in früher Jugend auf der Suche nach einem netten Geschenk (für ebenfalls Gelegenheitsspieler!) regelmäßig auf die Schachtel mit dem Pöppel zurückgegriffen habe. Als Schenkender wolte man ja nicht irgendwas schenken, sondern vielleicht sogar sagen können: "Ist ja schließlich auch das Spiel des Jahres geworden!" Das wurde honoriert, mit froher Erwartung ausgepackt und immer (!) gerne gespielt. Es gab keine einzige Enttäuschung darunter. Die Spiele werden heute noch gerne bei diesen Menschen auf den Tisch gebracht. Und btw: Diese Menschen interessieren sich seither auch für andere Spieleprodukte, seitdem sie einen Zugang dazu gefunden haben...
Dies ist zwar nur meine Erfahrung, aber wer möchte behaupten, es sei ein Einzelfall?
Gruß Tom (gibt es solche unverständliche Diskussionen eigentlich auch beim "Auto des Jahres"? Hat dieser Preis möglicherweise negative Auswirkungen auf den Automobilmarkt? Ach Leute...)

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Andreas Epplée

Re: Schaden durch "Spiel des Jahres"

Beitragvon Andreas Epplée » 25. Oktober 2002, 11:12

Hallo Dieter,

"Fairplay"-Abonennten oder Chefredakteure sind nicht die Zielgruppe für die SdJ-Jury, genauso wenig wie "SB-online"-Leser - deswegen lohnt sich die Diskussion hier wie dort kaum (auch wenn man sich bei den zitierten Heller-Sätzen kaum der Richtigstellung enthalten kann). Der Preis war und ist gedacht als Hilfestellung für Wenig- oder Nicht-Informierte. Dass er in dieser Hinsicht seine Aufgabe erfolgreich erfüllt, ist offensichtlich. Deshalb wäre man schlecht beraten, ihn grundsätzlich zu ändern. Vor allem - für wen? Im Moment gibt es m.E. hauptsächlich zwei Gruppen von Spielern, Kenner und Nichtkenner. Das breite Mittelfeld, das in den meisten anderen Kulturgebieten eine Basis für Experimente und Differenzierungen bietet, existiert bei Autorenspielen noch kaum - gut möglich, dass wir gerade seine allmähliche Entwicklung beobachten können (mit Preisen bringt man Leben in die Bude - vom Kindergeburtstag bis zu den "Meistersingern" ;-)). Und höchstens für diese Mitte hätte eine Änderung des SdJ Sinn - genauso wie die Neueinführung anderer Preise (Österreich, Frankreich, deutscher Kleinverlags-Preis etc.) Das Abwegigste in dieser Hinsicht aber ist imo die Aufsplittung - wenn schon Preis, dann so prägnant wie möglich. Sicherlich gibt es oft mehrere potenzielle Kandaten - aber mehrere zu prämieren (am besten noch mit so vielsagenden Titeln wie bei den "Spiel der Spiele"-Hits: "mit Freunden", "für die Familie", "für viele" :-)), aber auch "nominiert für/Auswahlliste SdJ") ist so gut wie keinen - dann muss man nämlich doch wieder Ahnung haben und sich mit der Materie beschäftigen (oder mehrere Spiele kaufen) - und genau diese Arbeit soll einem der Preis ja abnehmen ;-)

Gruß
Andreas

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Klaus Regenbrecht

Re: Schaden durch "Spiel des Jahres" - einige Fakten von Betroffenen

Beitragvon Klaus Regenbrecht » 25. Oktober 2002, 11:35

Wenn immer wieder in den Raum gestellt wird, SPIEL DES JAHRES fördert das Kulturgut Spiel, oder das Spiel als solches, so fehlt für diese Behauptung jeder fundierte Nachweis.

Ich betreue sehr viele Stadtbüchereien und erlebe täglich das Gegenteil:

1.) Spiele von der Liste (auch viele andere) kommen als "unspielbar" zurück - glänzendes Beispiel ist NAUTILUS (wurde auch mit ähnlichem Erfolg in einer Kindersendung im Fernsehen gestestet), die Hürde "unverständliche" Spielregel ist für sehr viele Kunden zu hoch.

2.) SPIELE DES JAHRES erzeugen bei den Ausleihern, bzw. Kunden, Frust, dazu gehört auch VILLA PALETTI - TORRES - etc. Es wurden und werden Erwartungen geschürt, die nicht erfüllt werden können. Mein Wissenstand ist derzeit so, das VILLA PALETTI nach einigen, wenigen Runden tatsächlich im Kinderzimmer als "Spielzeug" landet! Lizensspiele lassen wir hier außen vor.

3.) Angestellte der Büchereien haben viel Mühe solche, frustierte Kunden wieder zurück zum Spiel als solches zu führen, falls es überhaupt noch gelingt.

4.) Die alljährliche Liste ist für Büchereien, wegen der schlechten Erfahrungen, durchaus keine Kaufempfehlung mehr.

Resumee:
1.) Die derzeitige Rezession im schwindenen Spielemarkt (wir reden nur von den Brettspielen), ist zum großen Teil hausgemacht. Einer der Gründe dafür ist: Kunden erhalten "Bastelware" mit schlechten Regeln!

2.) In einem kleinen überschaubaren Markt ist das Hervorheben eines Artikels, darauf läuft ja der Preis (trotz gegenteiliger Bemühungen) hinaus, kontraproduktiv. Das Kundenverhalten zeigt uns, das durch den alljährlichen Preisverhau, der Otto Normalverbraucher eher von dem Erwerb anderer Spiele abgehalten wird. Dazu kommt oben aufgeführter Punkt zwei.

3.) Ein "immer weiter so" ist Grundverkehrt, wenn die Spiele-Kutsche rasant Richtung Abgrund unterwegs ist.

4.) Das derzeitige Überangebot an Neuheiten überfordert den Markt und ist letztendlich nur ein reiner Verdrängungswettbewerb, den hoffentlich einige Verlage überleben werden.

5.) Aus Punkt 4 folgt schlüssig, sehr viele der Neuheiten sind unnötig und manches erblickt das Licht der Welt nur, um die Marketingvorgaben zu erfüllen. Ob solche Ware Kundengerecht ist interessiert dabei keinen.

6.) Steuern die Verlage dem derzeitigen Trend nicht kräftig entgegen, stirbt der Markt in Schönheit. Auch die Jury müßte ihre Arbeit neu auf die Waagschale legen und geschmeidigere Strukturen finden.

7.) Das von Herrn Heller (Fairplay) und von Herrn Hardel (Editorial Spielbox) gesagte, sollte an den entsprechenden Stellen als wohlgemeinter Anstoss für neues Denken aufgenommen werden!

In der Hoffnung, das sich doch noch etwas bewegt
Klaus

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Ralf Arnemann
Kennerspieler
Beiträge: 2447

Transparenz wäre wichtig

Beitragvon Ralf Arnemann » 25. Oktober 2002, 11:36

Der Artikel ist wirklich ganz hervorragend und verdient die komplette Lektüre.
Es ist wirklich an der Zeit, sich mal abseits der jährlichen Urteilsschelte grundsätzlich mit dem Thema zu beschäftigen.

Interessant, daß Du aus den sechs Seiten gerade auch das Zitat rausgepickt hast, bei dem ich gestutzt hatte, weil ich da einen echten Logikfehler sehe:
"Wenn ein Käufer zur Vorweihnachstzeit in einen Laden geht, um ein Spiel zu kaufen und dann zum aktuellen Preisträger greift, (...) dann ist dies kein Erfolg der Jury im Sinne ihres Vereinsziels. Eher kann dies als Verlust für die nicht preistragenden Verlage gesehen werden, denn ein Spiel wollte der Käufer ja sowieso kaufen."
Das klingt so, als würde der Preis nur zur kurzfristigen Umsatzsteigerung dienen - dann wäre es in der Tat egal, welches Spiel jemand kauft.
Aber das ist bestimmt nicht richtig. Es geht vielmehr darum, ob der Betreffende am gekauften Spiel Spaß hat und deswegen künftig mehr spielt und mehr Spiele kauft - und da hat er mit dem "Spiel des Jahres" deutlich bessere Chancen als beim wahllosen Griff ins Regal.

Skeptisch bin ich auch bei Herbert Hellers weiteren Ausführungen der Art, die Preisträger müßten komplizierter sein, um mehr Erklärungskompetenz in den Läden zu fordern.
Mir liegt die Förderung der kleinen Expertenläden ja auch am Herzen (bzw. Toys are Us ist mir ein Greuel).
Aber die Förderung gewisser Vertriebsstrukturen gehört wohl nur sehr indirekt zur "Spiel-des-Jahres"-Idee.

Das Hauptproblem ist wohl wirklich, daß die eigentliche Zielsetzung des Preise so unklar definiert ist. Die "Förderung des Kulturguts Spiel" ist halt ziemlich schwammig - kein Wunder daß die Frage der würdigen Preisträger jedes Jahr so kontrovers diskutiert wird.

Eine klare, nachvollziehbare Beschreibung des Preiskriterien wäre unbedingt sinnvoll und würde auch die Jury-Entscheidungen nachvollziehbarer machen.

Im Hauptkritikpunkt hat Heller aber bestimmt recht: Die Strukturen der Jury und die Art der Geldverwendung sind viel zu intransparent und unkontrollierbar.
Es bestehen ganz objektiv Interessenkonflikte und ein Eigeninteresse von Jurymitgliedern an möglichst hohen Lizenzerträgen.

Wobei das noch in keiner Weise heißt, daß diese Interessenkonflikte unsauber gelöst würden, oder daß etwa die Jurymitglieder aus anderen als Kriterien der Spielequalität entschieden hätten.

Aber die Konstruktion der ganzen Sache ist schon so, daß das nur mit sehr ehrenwerten und uneigennützigen Jury-Mitglieder funktionieren kann.
Ich glaube zwar grundsätzlich und insbesondere auch hier erst einmal an das Gute im Menschen. Aber die Lebenserfahrung lehrt, daß man Menschen nicht unnötig in Versuchung führen sollte.

Der Artikel sollte Anlaß für eine Diskussion sein, wie man die Arbeit der "Spiel-des-Jahres"-Jury transparenter und kontrollierbarer organisieren könnte.

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Greyfax

Re: Transparenz wäre wichtig

Beitragvon Greyfax » 25. Oktober 2002, 11:54

> "Wenn ein Käufer zur Vorweihnachstzeit in einen Laden geht,
> um ein Spiel zu kaufen und dann zum aktuellen Preisträger
> greift, (...) dann ist dies kein Erfolg der Jury im Sinne
> ihres Vereinsziels. Eher kann dies als Verlust für die nicht
> preistragenden Verlage gesehen werden, denn ein Spiel wollte
> der Käufer ja sowieso kaufen."
> Das klingt so, als würde der Preis nur zur kurzfristigen
> Umsatzsteigerung dienen - dann wäre es in der Tat egal,
> welches Spiel jemand kauft.
> Aber das ist bestimmt nicht richtig. Es geht vielmehr darum,
> ob der Betreffende am gekauften Spiel Spaß hat und deswegen
> künftig mehr spielt und mehr Spiele kauft - und da hat er mit
> dem "Spiel des Jahres" deutlich bessere Chancen als beim
> wahllosen Griff ins Regal.

Ich glaube, daß diese Diskussion über Sinn und Unsinnhaftigkeit der Spiel das Jahres Auszeichnung gerade in diesem Jahr wegen des Preisträgers ausgelöst wurde. Ich kenne viele Leute, die Spiele kaufen (und nicht wenig Spiele) - auch ich habe bisher die Spiele das Jahres gekauft, aber heuer lasse ich mal aus. Meiner Meinung bin ich mit dem 2. und 3. Platz der Wertung besser dran (persönliche Meinung).

Zum Thema Umsatzsteigerung: Gerade beim heurigen Preisträger bin ich der Meinung, daß ohne die Auszeichung diese Spiel bestimmt 75 % weniger unter dem Weihnachtsbaum liegen würde.
(Ich will das Spiel nicht schlecht machen, aber es ist halt nicht meins - und auch nicht das vieler anderer, mir bekannter Personen).

Greetings
Greyfax

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Heinrich Glumpler

das ist wichtig

Beitragvon Heinrich Glumpler » 25. Oktober 2002, 11:59

Hallo,

ich wollte nur anmerken, dass ich deinen ("du" ok?) Beitrag für extrem wichtig halte, da er ein Fenster öffnet und den Blick nach draußen öffnet oder schärft für alle, die sich über eine Reihe von Jahren intensiv mit Spielen beschäftigt - und dabei zwangsweise Gefahr laufen, unbemerkt in einen Elfenbeinturm umzuziehen - und dazu zähle ich auch mich.

Grüsse
Heinrich

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Karl-Heinz Oberwinkler

Re: Schaden durch "Spiel des Jahres"

Beitragvon Karl-Heinz Oberwinkler » 25. Oktober 2002, 12:13

Auch ich bin nun seit mehr als dreizehn Jahren begeisterter Spieler. Real begann es, als ich zu arbeiten begonnen hatte, und mir Spiele leisten konnte.

"Im Kopf" aber begann es drei Jahre vorher. Richtig ! Mit einem Spiel des Jahres. Ich sah in einem Schaufenster den roten Pöppel auf "Heimlich und Co." Ich wurde aufmerksam. Bis dahin verstand ich unter "Brettspiel" Spiele wie "Mensch ärgere dich nicht", "Backgammon", allenfalls "Monopoly". Dass es eine viel breitere, buntere, phantasievollere Palette dieser Spiele gab, wußte ich nicht. Durch den Preis kam ich drauf.

Richtig ! Das erste Spiel, das ich mir kaufte, war dann "Heimlich und Co." Kurz darauf gab es im Gasthof meiner Schwiegereltern an jedem Dienstagabend (Dienstag war Ruhetag) einen Spieleabend mit den Verwandten. Und alle waren, obwohl bis dahin an Spielen nicht interessiert, begeistert. Das zweite Spiel war dann "Das verrückte Labyrinth" (war auf der Auswahlliste, ebenfalls mit dem Pöppel versehen), und wieder waren alle begeistert. Dann kauften wir "Barbarossa", und das wurde der größte Renner.

Also in meinem Fall hat dieser Preis das "Kulturgut Spiel gefördert"...

Karl-Heinz

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Andreas Epplée

Re: das ist wichtig - ist ein Witz

Beitragvon Andreas Epplée » 25. Oktober 2002, 12:21

> ich wollte nur anmerken, dass ich deinen ("du" ok?) Beitrag
> für extrem wichtig halte, da er ein Fenster öffnet und den
> Blick nach draußen öffnet oder schärft für alle, die sich
> über eine Reihe von Jahren intensiv mit Spielen beschäftigt -
> und dabei zwangsweise Gefahr laufen, unbemerkt in einen
> Elfenbeinturm umzuziehen - und dazu zähle ich auch mich.

Dann öfffne Dein Turmfenster und erkenne, dass die Menschen draußen noch dümmer und anspruchsloser sind, als Du jemals gedacht hast: selbst Spiele wie "Alles im Eimer", "Zapp Zerapp" oder "Cartagena", zu schweigen von "Trans America" sind wahlweise "Bastelware mit schlechten Regenln" oder Frust-Potenzial für Bücherei-Angestellte - also bitte keine "Fetten Autos" mehr, damit die SdJ-Jury nicht soviel Auswahl an besseren Spielen hat! Willst Du nun das Fenster nicht lieber wieder schließen und das tun, was Dir auch schon bisher den meisten Spaß gemacht hat???


SCNR

Andreas

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Karl-Heinz Oberwinkler

Re: Schaden durch "Spiel des Jahres" - einige Fakten von Betroffenen

Beitragvon Karl-Heinz Oberwinkler » 25. Oktober 2002, 12:32

Dass es Jahr für Jahr zu viele Neuerscheinungen gibt, die zum größten Teil auch von minderer Qualität sind, das ist richtig und wird auch von mir als störend und kontraproduktiv empfunden.

Aber ist nicht gerade ein Argument FÜR die Spielepreise ? Filtern nicht die eine Auswahl heraus, an der man sich einmal grundsätzlich orientieren kann ? Ich finde schon ! Und dadurch sind sie eine Hilfe.

Dass das Kulturgut "Brett/Kartenspiel" gefördert wird zeigen in diesem Thread die Artikel von Tom und (weiter oben) von mir.

Dass es das Kulturgut "Brettspiel/Kartenspiel" in der Instant-Zeit, in der wir leider leben, gegen die Computerspiele schwer hat, ist ein Faktum. Das spricht aber eher nicht gegen die Qualität der Brettspiele und ihrer Preise sondern eher für eine gesellschaftliche Situation , die ich persönlich nicht schätze. Hier wird das Brettspiel vielleicht am ehesten dadurch zu retten sein, das in der PC-Spiel-Szene das Raubkopieren wie eine Pest grassiert. Das wird die Flut an Neuerscheinungen dort wohl bald lähmen, denn welche Firma übersteht das lange, wenn ein Spiel, noch bevor es offiziell erschienen ist (!!!!!) im Internet auf einschlägigen Seiten heruntergeladen werden kann ? Gestern hat mir das jemand "live" mit dem Spiel ANNO 1503, das erst heute erscheint, gezeigt...

Hier sehe ich auch einen Grund für die Spielmüdigkeit vieler junger Leute. Sie sind es leider gewöhnt, das der PC ihnen ein Spiel serviert. Einschalten, und man kann ohne viel Überlegung losspielen. Das darunter die Fähigkeit, eine Regel zu studieren leidet, ist klar. Daher teile ich das Argument, die Spielregeln sehen zu schlecht, einfach nicht. Schlecht ist eine Gesellschaft, die einfach keine Zeit mehr hat, eine Spielregel, die länger als 2 Seiten ist, zu lesen. Wenn es wirklich stimmt, das die Leute überfordert sind mit den Spielregeln, dann stellt das deren kognitiven Fähigkeiten ein Armutszeugnis aus ! Instant-Gesellschaft einfach !!

Gegen diese Leute und deren Niveau kommt das Brettspiel sowieso nicht an. Aber von den "Restbegeisterbaren" können viele durch einen Spielepreis a la SdJ oder DSP echt ins Boot geholt werden...


Karl-Heinz

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Heinrich Glumpler

für mich ... nicht

Beitragvon Heinrich Glumpler » 25. Oktober 2002, 13:16

Nein,

ich schließe es nicht. Spiele sind kommunikativ, sie verbinden Menschen und tragen zur Konfliktvermeidung bei (ansonsten spielen die Menschen nämlich nur zu gerne ihre Karriere-Spielchen, Beziehungs-Spielchen, Kriegs-Spielchen....). Ich denke, es lohnt sich, sich Gedanken darüber zu machen, wie man sie "an den Mann/die Frau" bringt.

Ich denke, man kann anspruchsvolles Spiel und einfache Spielregeln verbinden - aber es erfordert einen genialen Einfall oder sehr, sehr, sehr viel Arbeit (Go ist immer wieder mein Paradebeispiel dafür) - die Fetten Autos sind mir (meiner Meinung nach) sehr gut gelungen, aber ans Ziel haben sie mich noch nicht gebracht.

Dein Beitrag ist sehr emotional und spricht an - wenn du noch einen Tick toleranter wirst, werde ich deine Beiträge demnächst auch lesen können, ohne ein mulmiges Gefühl im Magen zu bekommen - ich kenne verdammt viele Menschen, die alles andere als intelligent sind und die ich unter gar keinen Umständen missen möchte - und wenn jemand keine Ansprüche hat ... ok, für mich geht das in Ordnung.

Wohlgemerkt - ich will ein GUTES und EINFACHES Spiel - nicht Ramsch um jeden Preis, nur weil es ein Spiel ist.

Grüsse
Heinrich

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Heinrich Glumpler

Re: Schaden durch "Spiel des Jahres" - einige Fakten von Betroffenen

Beitragvon Heinrich Glumpler » 25. Oktober 2002, 13:22

Hi,

da muss ich dir zustimmen - weitgehend. Andererseits kenne ich viele Leute, die über ein simples Spiel ebenfalls den Zugang zur Spielegemeinde gefunden haben.

Bezeichnend für unsere Gesellschaft erscheint mir auch der Titel eines Buches für Web-Design - er lautet: "Don't make me think" ... wie gesagt: bedauerlicherweise muss ich dir zustimmen.

Grüsse
Heinrich

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Harald Schrapers

Kultur- oder Wirtschaftspreis

Beitragvon Harald Schrapers » 25. Oktober 2002, 13:38

Karl-Heinz Oberwinkler schrieb:

> Also in meinem Fall hat dieser Preis das "Kulturgut Spiel
> gefördert"...

Das bezweifelt ja auch keiner – sondern die Diskussion kommt ja erst im Zuge der Veränderungen in der Jury und dem ausgerufenen "Trend zum leichten Spiel" auf.

Das "Auto des Jahres" mit dem "Spiel des Jahres" zu vergleichen, ist wenig hilfreich. Denn bei letzterem handelt es sich - laut Eigendefinition - um einen "Kulturpreis". Und wenn es jetzt Hinweise darauf gibt, dass nicht mehr die Qualität des Spiels an sich, sondern seine Verkaufbarkeit prämiert wird, dann ist die Diskussion richtig.

Gruß
Harald

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Harald Schrapers

Re: Schaden durch "Spiel des Jahres" - einige Fakten von Betroffenen

Beitragvon Harald Schrapers » 25. Oktober 2002, 13:50

Klaus Regenbrecht schrieb:

> 1.) Spiele von der Liste (auch viele andere) kommen als
> "unspielbar" zurück - glänzendes Beispiel ist NAUTILUS (wurde
> auch mit ähnlichem Erfolg in einer Kindersendung im Fernsehen
> gestestet)

Nautilus steht überhaupt nicht auf der Jury-Liste. Und es hat in einer Kindersendung überhaupt nichts zu suche, da es kein Kinderspiel ist.

> 3.) Angestellte der Büchereien haben viel Mühe solche,
> frustierte Kunden wieder zurück zum Spiel als solches zu
> führen, falls es überhaupt noch gelingt.

Wie ist das eigentlich mit Literatur. Versteht jeder Kunde das mit einem Literaturpreis versehene Buch? Oder gibt es da Frustrationen? Oder müssten sich die Auslober von Literaturpreisen mehr am Massengeschmack orientieren?

Fragt

Harald

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Benjamin Spicher

Re: für mich ... nicht

Beitragvon Benjamin Spicher » 25. Oktober 2002, 14:07

Moment, jetzt muss ich mich auch mal wieder melden...

Was für den einen ein gutes Spiel ist, ist für den anderen nur öde - dass "gut" subjektiv ist wissen wir alle. Umsomehr da wir es im Beitrag von Klaus Regenbrecht offenbar mit Kunden der Kategorie Uno-Monopoly-Mühle zu tun haben. Die Erwartung, dass (sogar) ein Spiel des Jahres da durchwegs einschlagen sollte, ist wohl fehl am Platz. Selbstverständlich ist Nautilus (übrigens KEIN SdJ und ab 12 - also in Realität eher nichts für eine Kindersendung) unspielbar für jemanden, des sich bisher nur mit den erwähnten Titeln beschäftigt hat. Das muss dann aber nicht in jedem Fall an den Regeln liegen. Um es mit etwas anderen Worten als Andreas auszudrücken: Man kann gar nicht dumm genug denken...

Da es sich um Kunden einer Leihbücherei handelt sollte man eigenlich davon ausgehen können, dass die zumindest nicht lesefaul sind. Woran liegt's dann? Printmedien/Bücher sind zwar weniger "Konsum pur" als etwa Radio/TV, aber eben immer noch mehr als Spielregeln, mit Hilfe derer ein (neuer?) Mechanismus erarbeitet und dann auch angewendet werden muss. Liegen die Erwartungen der Kunden falsch?

Was ist denn nun mit Villa Paletti? Warum landet das im Kinderzimmer? Zu kompliziert scheint's ja nicht zu sein - also in diesem Fall doch wieder zu einfach? Oder könnt's vielleicht daran liegen, dass es nicht DAS Überspiel gibt, das jedem gefällt?

(Schade finde ich, dass Klaus Regenbrecht keine Zahlen nennt. Selbstverständlich kriegt man meistens nur die negativen Feedbacks mit. Interessant wäre mal eine ausführliche Befragnug - wer leiht welche Spiele aus, wem gefallen welche Titel? Die eigentliche Frage müsste heissen: Kommen SdJs besser oder schlechter weg als andere Spiele? Bei wem? Bei wem nicht?
Eigenwerbung: Methodisch und Datentechnisch könnt' ich da helfen - kann aber wohl leider niemand bezahlen ... Aufruf an die Spieleverlage?)

>ich kenne verdammt viele Menschen, die alles andere als intelligent sind und die >ich unter gar keinen Umständen missen möchte - und wenn jemand keine >Ansprüche hat ... ok, für mich geht das in Ordnung.

Etwas anderes erwartet ja niemand. Nur wäre es dann falsch, von diesen Menschen zu erwarten, dass sie zu anspruchsvolleren Spielen zu bekehren wären.
Wer sich nicht für Musik interessiert hört eben Bohlen, wer sich nicht auf komplexere (relativ, wir reden hier von "german games", nicht von CoSims) Spiele einlassen will spielt weiterhin UNO (und bestimmt auch nicht GO). Deswegen ein Plädoyer GEGEN anspruchsvollere Titel (mit etwas höheren Anforderungen bei der Regellektüre) zu starten halte ich für völlig falsch.

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Andreas Epplée

Re: für mich ... nicht

Beitragvon Andreas Epplée » 25. Oktober 2002, 14:15

Hallo Heinrich,


> ich schließe es nicht. Spiele sind kommunikativ, sie
> verbinden Menschen und tragen zur Konfliktvermeidung bei
> (ansonsten spielen die Menschen nämlich nur zu gerne ihre
> Karriere-Spielchen, Beziehungs-Spielchen,
> Kriegs-Spielchen....). Ich denke, es lohnt sich, sich
> Gedanken darüber zu machen, wie man sie "an den Mann/die
> Frau" bringt.


SCNR-Postings muss man nicht auf die Goldwaage legen... Mein Beitrag wandte sich nicht an Dich, sondern indirekt an Klaus. Was er da schreibt, ist so unausgegoren und in sich widersprüchlich, dass man entweder ganz lang antworten müsste - oder gar nicht. Ich wollte letzteres vorziehen (vor allem, weil das Thema hier nun wirklich schon sattsam diskutiert wurde), aber als Du seinen Beitrag dann auch noch als "ganz wichtig" markiertest, konnte ich einfach nicht widerstehen ;-)


> Ich denke, man kann anspruchsvolles Spiel und einfache
> Spielregeln verbinden - aber es erfordert einen genialen
> Einfall oder sehr, sehr, sehr viel Arbeit (Go ist immer
> wieder mein Paradebeispiel dafür) - die Fetten Autos sind mir
> (meiner Meinung nach) sehr gut gelungen, aber ans Ziel haben
> sie mich noch nicht gebracht.

Und wieviele von Klausens Zielgruppe würden wohl Deiner Meinung nach Go spielen?

> ich kenne verdammt viele Menschen, die
> alles andere als intelligent sind und die ich unter gar
> keinen Umständen missen möchte - und wenn jemand keine
> Ansprüche hat ... ok, für mich geht das in Ordnung.

Logisch, man darf es nur nicht zum Maß aller Dinge machen, wie es Klaus tut. Das es Leute gibt, die Villa Paletti zu den Bauklötzen rechnen oder die Nautilus-Regel nicht verstehen, sagt weder etwas über Villa Paletti, noch über Bauklötze, nichts über Nautilus oder die Qualität von Spielregeln, und schon gar nichts über die Arbeit der SdJ-Jury. Diese Leute sind doch nicht die Regel, schon gar nicht unsere Zielgruppe als Autoren oder Spiele-Multiplikatoren, was hast Du denn von der Info??? Ich mache doch kein Spiel, damit es in der Bücherei jemand erklären kann (hat das übrigens schon mal jemand erlebt?), sondern weil ICH davon überzeugt bin. Und dass es auf dem Spiele-Markt (wie auf allen Märkten) auch mal Mist gibt, wissen wir alle - aber sollten wir deshalb den Raum für positive Entwicklungen einschränken? Auf der anderen Seite gibt es doch auch so viel Wunderbares - scheinbar nicht in Klaus' Büchereien ;-)

> Wohlgemerkt - ich will ein GUTES und EINFACHES Spiel - nicht
> Ramsch um jeden Preis, nur weil es ein Spiel ist.

Du hast natürlich mit jedem Wort recht (obwohl mir persönlich ein gutes und nicht ganz so einfaches Spiel schon völlig reicht ;-)), nur: das hat alles nichts mit dem Posting zu tun, auf das Du geantwortet hast. Was in aller Welt wollte uns Klaus denn mit seinem sagen??? Die Welt ist schlecht und könnte besser sein? Die Spielekutsche fährt auf den Abgrund zu? Dass ich nicht lache! So viel Kreativität und Produktivität im spielerischen Bereich war nie!!! Das sich nicht alles finanziell rechnet und manches, was sich rechnet, nicht unbedingt state of the art ist - ist das was Neues? Wie gesagt, mit Dir hat das alles nichts zu tun - nur mit Deiner Bemerkung "das ist wichtig". Die Fragen: ja, Klaus' Antworten, wie gesagt: ein Witz.


Viele Grüße

Andreas

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Heinrich Glumpler

Re: für mich ... nicht

Beitragvon Heinrich Glumpler » 25. Oktober 2002, 14:17

Zustimmung.

Sorry - sehr viel mehr Zeit hab' ich im Augenblick nicht - mit deinem Beitrag kann ich mehr sehr viel besser anfreunden.

Mein Traum wäre ein Spiel, bei dem jeder Spiele selbst bestimmen kann, wie tief er in die Strategie/Taktik einsteigen möchte.

Idealbeispiel hierfür wäre Schach: Es gibt Leute, die spielen Schach wie "Mensch-ärgere-Dich-nicht" und das kann Spass machen :LOL: - und es gibt welche, die können es mit Deep Fritz aufnehmen.

Er soll eben nur nicht an den Regeln scheitern - wir veröffentlichen unsere Zusatz/Hardcore/Vollspieler/Profirennen-Regeln z.B. erst im Internet - in der Schachtel findet man eigentlich ein - äh - leicht anspruchsvolles Familienspiel.

Naja - ein weites Thema ... und eigentlich wollte ich gar nicht so viel schreiben.

Schöne Diskussion noch...

Grüße
Heinrich

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Heinrich Glumpler

...oki

Beitragvon Heinrich Glumpler » 25. Oktober 2002, 14:24

Hi Andreas,

als ich sagte, dass das Posting wichtig ist - sagte ich nicht, dass ich inhaltlich völlig d'accord bin. Aber wenn wir wollen, dass Spiele eine Rolle spielen sollen in unserer Gesellschaft, werden wir wohl zumindest ein Ohr für die "Masse" haben müssen.

Ich bin nur auf den Ton in deinem Posting "angsprungen" - nichts für ungut - hat wahrscheinlich auch viel mit meinem Beruf zu tun (Software-Entwicklung) und da bekomm' ich manchmal von den Entwicklern manchmal hanebüchene Stories von den sogenannten DAU erzählt ("dümmster anzunehmender user") - als Ausrede für schlechte Programmierung ...
... also, nichts für ungut ;-)

Sicher werden die Leute in der Bücherei nicht gleich Go spielen - aber was ich sagen will, kommt glaube ich bei meiner Antwort auf Benjamins Posting rüber.

So - jetzt muss ich aber...
Heinrich

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Heinrich Glumpler

SCNR ?

Beitragvon Heinrich Glumpler » 25. Oktober 2002, 14:35

Ok,

ich oute mich - was ist ein SCNR-Posting?

Jetzt gehöre ich zur Masse :LOL:

Grüsse
Heinrich

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Ingo Kasprzak

Re: SCNR ?

Beitragvon Ingo Kasprzak » 25. Oktober 2002, 14:50

Hi Heinrich!

SCNR heisst: Sorry, could not resist!

...und soll darauf hinweisen, dass der Schreiber einfach nicht wiederstehen konnte, seinen Kommentar loszuwerden, der vielleicht nicht ganz ernst gemeint sein könnte.

Ciao, Ingo


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