Anzeige

Afghanistan D20

Das ehemalige spielbox-Spielerforum
Benutzeravatar
Greyfax

Afghanistan D20

Beitragvon Greyfax » 25. Oktober 2002, 08:17

Hallo
Was haltet ihr eigentlich von der D20 Produktion Afghanistan.
Meine persönliche Meinung (nachdem ich den ersten Eindruck mal einige Tage wirken habe lassen): Das muß ja nun wirklich nicht sein. Ich finde keinen Grund (obwohl ich ein Fan von Rollenspielen bin), dieses Produkt zu kaufen und zu verwenden.
Eure Meinungen würden mich interessieren (ergibt vielleicht einen anderen Blickwinkel)

Greetings
Greyfax

Benutzeravatar
Heinrich Glumpler

Re: Afghanistan D20

Beitragvon Heinrich Glumpler » 25. Oktober 2002, 08:22

Hi,

ich habe nur davon gehört und aus dem Bauch raus ... nein, das muss nicht sein.

Etwas differenzierter: je näher ein Spiel an die Realität rückt, desto gefährlicher und delikater wird die Angelegenheit.

Cosims z.B., die meist mit einer Unmenge von Pappcountern daherkommen und historische (also länger zurückliegende) Ereignisse nachbilden sind z.B. hinreichend abstrakt, um hier nicht in Schwierigkeiten zu kommen.

So - leider keine Zeit für dieses interessante Thema ...
Grüsse
Heinrich

Benutzeravatar
peer

Re: Afghanistan D20 - Moral

Beitragvon peer » 25. Oktober 2002, 10:41

Hi,
Ich sehs genauso wie du - sowas muss nicht sein. Allerdings müssen Rollenspiele aufgrund von Kriegen generell nicht sein - den 2. Weltkreig finde ich sogar noch bedenklicher.
Einige schwarzhumorige Genossen aus meiner Spielerunde haben eh schon vermutet, dass der Afghanistanfeldzug nur gestartet wurde, um ein neues, potentielles Co-Sim-Szenario zu haben... (hier einen schwarzen, morbiden Smiley hindenken). Ob man alles umsetzen muss, sei wirklich mal in Frage gestellt. Natürlich ist es ein komischer Gedankengang, dass man die jüngeren Kriege nicht umsetzen soll (meiner Meinung nach jedenfalls), aber mit den Kriegen aus der Antike oder dem Mittelalter nicht so Probleme hat (Geht mir jedenfalls so). Doch damit sollen sich die Soziologen befassen.
Trennung zwischen Spiel und Realität in allen Ehren, aber ich habe einfach Bauchschmerzen in einem 2. Weltkriegszenario die deutschen zu spieln. Und jetzt Afghanistan? Ich weiss nicht...
(Mal abgesehen, dass es sowieso nur wegen des Schokceffektes auf dem Markt gekommen ist - oder habt ihr RPGs oder Brettspielezu den roten Khmer, den Konflikten in Rhodesien oder sonst wo auf der Welt gesehen???)
ciao,
Peer (ausserhalb des Spielbrettes Pazifist)

Benutzeravatar
Greyfax

Re: Afghanistan D20 - Moral

Beitragvon Greyfax » 25. Oktober 2002, 10:49

Hier sind zwei (Spiele)Welten aufeinandergetroffen.
Cosims und RPG (im speziellen D20).
Ich bin ein begeisterter Rollenspieler (99% Fantasy) und kann eigentlich mit Cosims nicht viel anfangen (wenn ich als Stratege irgendwo eingesetzt würde, wow, ich denke nur an das Brettspiel Diplomacy. Da war ich immer der erste, der mit wehenden Fahnen untergegangen ist).
Mit D20 wurde der Markt immens erweitert, wenn man die Palette an Produkten beobachtet, da kanns schon mal zu solchen "Ausrutschern" kommen. Ich muß es ja nicht kaufen (und werde es auch nicht).
Allerdings habe ich es hier in unseren Spieleläden bereits im Angebot gesehen und bin sicher, daß es auch an den Mann gebracht werden kann.
Lichtblick: In unserer RPG Gruppe ist keiner daran interessiert.

Greetings
Greyfax

Benutzeravatar
Ralf Arnemann
Kennerspieler
Beiträge: 2447

Re: Afghanistan D20

Beitragvon Ralf Arnemann » 25. Oktober 2002, 11:02

> Das muß ja nun wirklich nicht sein.
Tja, muß nicht, aber kann.

> Ich finde keinen Grund (obwohl ich ein Fan von Rollenspielen
> bin), dieses Produkt zu kaufen und zu verwenden.
Ich finde auch keinen Grund dafür.
Aber das heißt nicht, daß nicht andere Leute einen Grund dafür haben können (offensichtlich ist das der Fall) - und das sollte man respektieren.

Letztlich ist es eine rein persönliche Geschmacksfrage, ob einem RPGs oder CoSims allgemein oder solche aus bestimmten Epochen gefallen oder nicht.
Mit Logik ist es jedenfalls kaum begründbar, daß man zwar spielerisch ganz locker römische Legionen in den Tod hetzt oder per Würfelwurf die Burgwache meuchelt - aber beim zweiten Weltkrieg oder Afghanistan-RPGs zurückzuckt.

Benutzeravatar
Greyfax

Re: Afghanistan D20

Beitragvon Greyfax » 25. Oktober 2002, 11:10

Ralf Arnemann schrieb:
> Letztlich ist es eine rein persönliche Geschmacksfrage, ob
> einem RPGs oder CoSims allgemein oder solche aus bestimmten
> Epochen gefallen oder nicht.

Stimme ich dir voll zu. Meine Meinung ist zu 100 % als PERSÖNLICH zu betrachten.

> Mit Logik ist es jedenfalls kaum begründbar, daß man zwar
> spielerisch ganz locker römische Legionen in den Tod hetzt
> oder per Würfelwurf die Burgwache meuchelt - aber beim
> zweiten Weltkrieg oder Afghanistan-RPGs zurückzuckt.

Kleine Einschränkung:
Fantasy RPG -> Burgwache ist zB. ein Halbork -> außer auf der Spiel 2002 habe ich im richtigen Leben noch keinen Halbork gesehen ;-)
Afghanistan-RPG -> CNN schauen und sich kopfschüttelnd die Bilder betrachten

Ist wieder eine rein PERSÖNLICHE Meinung !

Greetings
Greyfax

Benutzeravatar
Beat B.

Re: Afghanistan D20 - Moral

Beitragvon Beat B. » 25. Oktober 2002, 11:13

peer schrieb:


> Natürlich ist es ein komischer Gedankengang, dass man die
> jüngeren Kriege nicht umsetzen soll (meiner Meinung nach
> jedenfalls), aber mit den Kriegen aus der Antike oder dem
> Mittelalter nicht so Probleme hat (Geht mir jedenfalls so).

hm, das dürfte wohl auch eine frage der zeitlichen distanz sein. zu den kriegen des römischen imperiums dürfte heute wohl kaum noch jemand einen persönlichen bezug haben. dementsprechend geringer ist dann natürlich auch die betroffenheit, während uns allen die kriege des 20. jahrhundert einiges näher liegen. ich wage jetzt mal die these, dass es in 200 jahren niemanden mehr kratzt, ob ein cosim / rpg über den Afghanistankrieg auf den markt kommt.


> (Mal abgesehen, dass es sowieso nur wegen des Schokceffektes
> auf dem Markt gekommen ist - oder habt ihr RPGs oder
> Brettspielezu den roten Khmer, den Konflikten in Rhodesien
> oder sonst wo auf der Welt gesehen???)

pff, wilkommen in der realität der cosims! ich habe irgendwie das gefühl, dass da so ziemlich jeder bewaffnete konflikt schon 'vercosimt' wurde, du wirst staunen. schau dir nur mal die homepage der web-grognards an. da findet sich vom klassischen altertum über die napoleonischen kriege bis zu den heutigen auseinandersetzungen so ziemlich alles. auch cosims über desert storm, vietnam, korea, usw. (siehe http://www.grognard.com/subject.html )

manchmal frage ich mich, was der reiz an einem solchen thema ist - ich sehe ihn nicht.

nachdenkliche grüsse

beat

Benutzeravatar
Heinrich Glumpler

Re: Afghanistan D20 - Moral

Beitragvon Heinrich Glumpler » 25. Oktober 2002, 11:29

Hi,

ich stimme dem ersten Teil deiner Ausführungen voll zu!

Was den Reiz betrifft, muss man sehen, dass Spiele, die das Thema Krieg behandeln - emotionslos gesehen !! - oft die gleichen Organisationsfertigkeiten fordern und fördern, wie Spiele, die z.B. rein abstrakt funktionieren - und alleine deshalb einen gewissen Reiz besitzen.

Technisch gesehen (wieder emotionslos!!) gibt es keinen großen Unterschied, ob ich einen möglichst schnellen Weg finde, einen Panzer an die Front zu bringen, oder ein Merchant-of-Venus-Raumschiff zu den Quossuth - deren Ziel übrigens darin besteht, das gesamte Weltall zu erobern ;-)

Grüsse
Heinrich

Benutzeravatar
Beat B.

Re: Afghanistan D20 - Moral

Beitragvon Beat B. » 25. Oktober 2002, 12:12

> Technisch gesehen (wieder emotionslos!!) gibt es keinen
> großen Unterschied, ob ich einen möglichst schnellen Weg
> finde, einen Panzer an die Front zu bringen, oder ein
> Merchant-of-Venus-Raumschiff zu den Quossuth - deren Ziel
> übrigens darin besteht, das gesamte Weltall zu erobern ;-)

da hast du natürlich recht. nur eben! wer setzt sich schon völlig emotionslos an den spieltisch - wohl niemand. jeder hat irgendwo seine persönliche schwelle, von der an ihm ein spielthema dann zu weit geht. ich erinnere mich da an die kritik die guillotine hier im forum einstecken musste, dessen thema einigen zu weit ging, was wiederum andere nicht verstehen konnten. das andere extrem sind dann die leute, die sogar ein afghanistan-kriegsspiel interessant finden und sich an der aktualität des themas nicht stören.

schlussendlich schliesse ich mich ralf arnemanns meinung an: es ist eine frage des persönlichen geschmackes und empfindens. und den soll imho jeder so leben wie es ihm gefällt, solange er nicht gegen grundsätzliche ethische oder gesetzliche regeln verstösst.

beat

Benutzeravatar
Heinrich Glumpler

ok

Beitragvon Heinrich Glumpler » 25. Oktober 2002, 12:18

OK - oder auch ACK ;-)

(hoffentlich spielst du mal Fette Autos ... Rennen auf öffentlichen Verkehrswegen sind illegal ;-) )

Grüße
Heinrich

Benutzeravatar
Beat B.

Re: ok

Beitragvon Beat B. » 25. Oktober 2002, 13:16

nun, da ich fette autos wohl eher zu hause am tisch als im auto während eines illegalen rennens auf öffentlichen strassen spielen würde, gäbe es da kaum probleme ;-) . es scheitert wohl eher daran, dass ich mir es in essen nicht gekauft habe (aua, aua - nicht hauen, heinrich). und mit illegalen spielthemas habe ich kein problem - schliesslich spiele ich auch grass, family business oder schmuggler an bord.

hach was bin ich doch unmoralisch!

beat (spielt sogar nuclear war und andere 'anrüchige' spiele)

Benutzeravatar
Heinrich Glumpler

Re: ok

Beitragvon Heinrich Glumpler » 25. Oktober 2002, 13:18

:-))
Wir haben noch ein paar da.

Ich hab' Junta auch immer sehr genossen - außerdem bin ich Rollenspieler (aber ich hau' dich trotzdem nicht ;-) )

Grüsse
Heinrich

Benutzeravatar
Michael Blumoehr

Delikate Autos

Beitragvon Michael Blumoehr » 25. Oktober 2002, 13:28

Heinrich Glumpler schrieb:
>
> :-))
> Wir haben noch ein paar da.

Ja, und die naechste Gelegenheit mit dem Autor persönlich zu spielen, ist bei "Darmstadt spielt" in zwei Wochen. s. www.darmstadt-spielt.de
(diese Werbung konnte ich mir doch nicht verkneifen, in dem Versuch, die Besucherzahlen noch weiter zu steigern :-) )

> Ich hab' Junta auch immer sehr genossen

und nicht nur das, es gibt da ja noch so einige "interessante" Spiele (aber dazu gab es schon mal eine Diskussion:
http://www.spielbox-online.de/phorum4/read.php4?f=1&i=42512&t=42512

Michael

Benutzeravatar
Jens Matheuszik

Re: Afghanistan D20

Beitragvon Jens Matheuszik » 25. Oktober 2002, 14:01

Hallo!

Das ist eine schwierige Frage, das auf alle Fälle!

Ich habe - in meinem oben verlinkten Artikel - ja darüber berichtet, nachdem ich darauf aufmerksam gemacht worden bin. Wobei sich da der Hauptaugenmerk darauf richtete, daß ich der Meinung bin, daß vor allem Großhändler die Entscheidung "Pro oder Contra d20: Afghanistan" nicht für ihre/die End/Kunden treffen sollten (am besten dann noch mit Boykott-Androhungen dem gesamten Verlag gegenüber).

In meinem obigen Bericht fehlte die persönliche Wertung bzw. ich hab sie deutlich gekürzt, vorher stand da noch:

[i]Die Entscheidung ob man d20: Afghanistan spielen will - das sollten nicht Händler durch ihren Verkaufsboykott für ihre Kunden treffen, das sollten die Kunden schon selber wissen - meine Entscheidung ist klar, ich würde ein solches Spiel nicht spielen, aber jemanden dran hindern würde ich auch nicht, vor allem da dieser Band nach dem ersten Überfliegen - bis auf ein, zwei Passagen - relativ "neutral" gehalten ist.[/i]

Es ist natürlich schon ein Unterschied ob man einen Ork plättet oder einen Taliban (oder einen US-Marine oder jemanden von der am Rande erwähnten Bundeswehr), aber daraus einen Boykott-Grund machen - nee, das erinnert mich ein wenig an Vorzensur und die gibt es eigentlich nicht.

Ich weiß, es ist eine schwierige Frage - mich wundert jedoch, daß sie erst jetzt auftaucht. So gibt es ja z.B. für die World of Darkness auch einen Shoah-Quellenband... - und White Wolf (den Designern der World of Darkness) macht ja auch explizit (Black Dog-Reihe) "RPG for mature audiences".

Benutzeravatar
Ralf Arnemann
Kennerspieler
Beiträge: 2447

Re: Afghanistan D20

Beitragvon Ralf Arnemann » 25. Oktober 2002, 15:51

> Meine Meinung ist zu 100 % als PERSÖNLICH zu betrachten.
Völlig klar, ich wollte das auch nur unterstreichen.

> Fantasy RPG -> Burgwache ist zB. ein Halbork
Interesanter Sonderfall.
Ansonsten habe ich aber bei Rollenspielen als Burg- oder sonstige Wachen schon viele Sachen erlebt - da wurden auch Menschen in größerer Zahl in Stück gehackt ...

Benutzeravatar
peer

Re: Afghanistan D20

Beitragvon peer » 25. Oktober 2002, 15:57

Hi,
100% AKZ

Jeder muss sehen, wie weit ihm ein Spiel geht (ich spiele gelegentlich sogar [Achtung Outring!] Counterstrike...).

ciao,
Peer

Benutzeravatar
Mike

Re: Afghanistan D20 - Moral

Beitragvon Mike » 25. Oktober 2002, 16:10

Hallo
Das muß wohl jeder für sich selber entscheiden. Ich hab jedenfalls auch so meine Probleme mit 2.-Weltkrieg-Cosims und vieles aus neuerer Zeit, während alles vor dem 20.Jh. völlig ohne Probleme läuft. Dabei war bspw. der 30 jährige Krieg sicher nicht weniger grausam. Man spielt ihn aber trotzdem "gerne".
Mike

Benutzeravatar
Greyfax

Re: Afghanistan D20

Beitragvon Greyfax » 25. Oktober 2002, 21:01

Hallo !!
Es liegt mir ferne, hier zu einem Boykott aufzurufen. Jeder, der es unbedingt haben muß, soll sich das Ding kaufen. ICH werde es nicht tun.
Außerdem will ich auch noch sagen, daß ich die Leute bewundere, die solche Bücher in kürzester Zeit fertigstellen können. Sicher sind die Recherchen nicht ohne und der Aufwand einer Produktion nicht geringer. Ich bin nicht für ein Verbot oder eine Zensur dieses Buches, ich wollte nur andere Meinungen hören.

Greetings
Greyfax

Benutzeravatar
Greyfax

Re: Afghanistan D20

Beitragvon Greyfax » 25. Oktober 2002, 21:05

Ralf Arnemann schrieb:
>
> > Meine Meinung ist zu 100 % als PERSÖNLICH zu betrachten.
> Völlig klar, ich wollte das auch nur unterstreichen.
>
> > Fantasy RPG -> Burgwache ist zB. ein Halbork
> Interesanter Sonderfall.

Mir ist in der Schnelligkeit nichts anderes eingefallen.

> Ansonsten habe ich aber bei Rollenspielen als Burg- oder
> sonstige Wachen schon viele Sachen erlebt - da wurden auch
> Menschen in größerer Zahl in Stück gehackt ...

Auch wieder war, irgendwie habe ich nur Probleme mit Szenarien, zu denen ich eine Beziehung aufbauen kann. Ich habe einen Freund, der derzeit in Kabul stationiert ist, und habe auch schon einige Dinge gehört. Vielleicht daher meine Ablehnung gegen das Produkt.

Greetings
Greyfax

Benutzeravatar
Heiko Hartmann

Re: Afghanistan D20

Beitragvon Heiko Hartmann » 25. Oktober 2002, 23:36

Interessantes Thema:

In der Rollenspiel-Welt ist ein Halbork freilich auch ein denkendes, fühlendes und gesellschaftsfähiges Lebewesen. Auf der anderen Seite ist der Einheimische aus Afghanistan D20 im Rollenspiel auch eine rein imaginäre (d.h. real nicht existierende) Person.

Aufgrund welcher Ethik darf man also im Rollenspiel den Halbork eher ermorden als den Afghanen?

Freilich, Orks sind böse und durchtrieben, hinterhältig und gewalttätig. So zumindest hat man es dem Spieler (und damit dessen Charakter) beigebracht. Also ist ein Mord moralisch gerechtfertigt? Was, wenn (im Spiel - nur im Spiel!!) der Afghane ebenfals als bösartig dargestellt wird?

Viele Rollenspiele, und dazu gehören insbesondere die eigentlich recht anspruchsvollen Systeme von White Wolf (Vampire und Werewolf sind ja sogenannte 'Storytelling'-Systeme, also schon mehr als 'Hau-Drauf-Und-Schluss'), breiten vor dem Spieler ein Setting aus, dass es ihm möglichst leicht machen soll auch einmal Gewalt anzuwenden - und dies mit Begründungen die denen von realen Straftätern recht ähnlich sehen.

Das Schöne daran ist: Das oben Gesagte kann man wissen und dennoch seinen Spaß am Rollenspiel haben - ich selbst spiele schließlich Rollenspiele mit Begeisterung (allerdings zugegebenermassen nicht in Afghanistan).

Ciao, Heiko.

Benutzeravatar
Gustav der Bär

Re: Afghanistan D20

Beitragvon Gustav der Bär » 26. Oktober 2002, 13:14

Nanu? Plötzlich ergibt sich eine weltanschauliche Diskussion?

Greyfax hat uns doch nur mitgeteilt, dass das Spiel "wirklich nicht sein" muss und dass er "keinen Grund [findet] (...), dieses Produkt zu kaufen".

Dem können wir doch alle uneingeschränkt zustimmen:

Die einzigen Dinge, die wirklich sein müssen, sind Ernährung, Kleidung und Unterkunft: ALLES andere - und dazu gehört eben jedes Spiel und somit auch dieses - muss einfach nicht sein.

Und wenn er keinen Grund findet, sich das Spiel zu kaufen, ist das doch ganz normal: Ich habe die Mehrzahl der Spiele, die ich in Essen gesehen habe, NICHT gekauft, weil ich eben auch keinen Grund gefunden habe.

Aber wenn wir denn schon mal bei weltanschaulichen Fragen sind: Natürlich macht es einen Unterschied, ob man einen Ork oder einen Afghanen tötet: Ersteres ist nämlich nicht möglich, letzteres aber schon. Es will mich aber - obwohl die empirische Überprüfung bei einem Ortstermin in Afghanistan noch aussteht - die Vermutung nicht verlassen, dass man dieses Spiel spielen kann - eventuell sogar mehrfach - ohne dass DESWEGEN in Afghanistan ein einziger Mensch stirbt.

Auf Xuntheit!
Gustav der Bär
(Peter Gustav Bartschat)

Benutzeravatar
Jens Matheuszik

Re: Afghanistan D20

Beitragvon Jens Matheuszik » 26. Oktober 2002, 14:49

Hallo!

Greyfax schrieb:

[i]Es liegt mir ferne, hier zu einem Boykott aufzurufen. Jeder,
der es unbedingt haben muß, soll sich das Ding kaufen. ICH
werde es nicht tun.[/i]

Sorry, falls Du dachtest ich würde denken, daß Du zum Boykott aufrufen würdest - dann haben wir uns gewaltig mißverstanden.

Es gibt wohl "Boykott-Tendenzen" im Großhandel und bei Einzelhändlern, das war für mich in meinem Bericht auch der einzige Grund warum ich HDI mit d20: Afghanistan aufgenommen habe.

Ich selber würde das Spiel auch nicht spielen - aber jemanden dran hindern würde ich nicht.

> Außerdem will ich auch noch sagen, daß ich die Leute
> bewundere, die solche Bücher in kürzester Zeit fertigstellen
> können. Sicher sind die Recherchen nicht ohne und der Aufwand
> einer Produktion nicht geringer.

Ja, das wunderte mich auch, wie schnell die das hinbekommen haben.

> Ich bin nicht für ein Verbot
> oder eine Zensur dieses Buches, ich wollte nur andere
> Meinungen hören.

Die sind ja anscheinend unterschiedlich - ein Freund von mir der bei diversen ShootEm-Ups mal Terroristenjäger mal "die guten" spielt meinte zu mir, so ein Rollenspiel wäre ihm zu nah an der Wirklichkeit. Aber mal auf Seiten der GSG9 (o. ä. Eliteeinheiten) bzw. deren Gegnern zu spielen und den 21"-Monitor mit Pixelblut zu füllen scheint für ihn was ganz anderes zu sein. ;-)

Benutzeravatar
peer

Re: Afghanistan D20

Beitragvon peer » 26. Oktober 2002, 14:50

Hi,
Jens Matheuszik schrieb:
>
> Hallo!
>
> Das ist eine schwierige Frage, das auf alle Fälle!
>
> Ich habe - in meinem oben verlinkten Artikel - ja darüber
> berichtet, nachdem ich darauf aufmerksam gemacht worden bin.
> Wobei sich da der Hauptaugenmerk darauf richtete, daß ich der
> Meinung bin, daß vor allem Großhändler die Entscheidung "Pro
> oder Contra d20: Afghanistan" nicht für ihre/die End/Kunden
> treffen sollten (am besten dann noch mit Boykott-Androhungen
> dem gesamten Verlag gegenüber).
(...)
> Es ist natürlich schon ein Unterschied ob man einen Ork
> plättet oder einen Taliban (oder einen US-Marine oder
> jemanden von der am Rande erwähnten Bundeswehr), aber daraus
> einen Boykott-Grund machen - nee, das erinnert mich ein wenig
> an Vorzensur und die gibt es eigentlich nicht.

Naja, wenn ein Händler das Spiel boykottiert kann ich da nichts verwerfliches finden - Für seine Produktpalette ist ja jeder selbstständig (wenn Karstadt keine 2F-Spiele führt, ist das Schade, aber deren Sache).
Und wenn ein Händler meint, der Verkauf eines solchen umstrittenden Spieles würde mehr schaden als nützen, ist das imho nachvollziehbar und hat nichts mit irgeneiner Form von Zensur zu tun. Der Kunde, der das Spiel kaufen will, such sich eben ein anderes Geschäft.
Anders sieht es aus, wenn ein Boykottaufruf gestartet wird - das kann u.U. tatsächlich zur Geschäftsschädigung führen und sollte nur in seltenen Fällen stattfinden (Was sich die Queen-Boykottaufrufer auch mal überlegen sollten)
ciao,
Peer


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 20 Gäste